Uwe Albus wurde bei seiner Premiere als Chef des GutsMuths-Rennsteiglaufs nur von seiner Frau verblüfft. Als der neue Präsident des Rennsteiglaufvereins am Samstag vorm Ziel niederkniete, um seine Gattin nach deren erstem Marathon zu empfangen, lief die einfach vorbei. „Marijke kämpfte eben um jede Sekunde“, lachte Albus, der statt selbst zu laufen, über elf Stunden am Zielband in Schmiedefeld die knapp 16.000 Läufer und Wanderer höchstpersönlich empfing.

Rennsteiglauf-Präsident Uwe Albus lobt Arbeit der 1700 Helfer

„Ich habe vorher fast gar nicht geschlafen, bin ein Uhr ins Bett und um drei Uhr wieder aufgestanden, um zum Start nach Eisenach zu fahren“, berichtete Albus. Die Aufregung sei aber grundlos gewesen. „Wenn einer fehlen konnte, dann ich. Denn die Arbeit an diesem Tag machen ja die 1700 Helfer aus 36 Vereinen“, so der Präsident.

Wie im Vorjahr 15 Prozent „No-Shows“ beim Rennsteiglauf

Albus bewertete die 53. Auflage bis auf ein paar kleine Pannen „komplett positiv“. Doch geärgert hat die Organisatoren eine rätselhafte Zahl. Fast 3000 zuvor gemeldete Läufer oder Wanderer ließen ihr Startrecht am größten Crosslauf Europas einfach verfallen. Sogenannte „No-Shows“ bei Großveranstaltungen sind normal. Früher rechneten die Marathon-Macher mit acht bis zehn Prozent. Beim Rennsteiglauf waren es wie im Vorjahr trotz besten Laufwetters rund 15 Prozent. 2024 kamen 12 Prozent der Gemeldeten nicht.

Rennsteiglauf
Uwe Albus (links), der Präsident des GutsMuths-Rennsteiglauf-Vereins, begrüßt Wolf-Dieter Wolfram, der als einer von vier Jenaer Studenten den ersten Rennsteiglauf 1973 bestritt.© Dirk Pille | Dirk Pille

„Es sind natürlich nicht alle krank oder hatten keine Form. Ich habe aktuell auch keine belastbaren Fakten, vermute aber, dass es vor allem Frühbucher sind, die dann nicht kommen. Auf die günstigen 50 Euro Startgeld für den Halbmarathon verzichtet offenbar mancher heutzutage leichter“, meinte Albus. Zwar bleibe das gezahlte Geld im Topf des Laufes, doch habe man natürlich mit 18.800 gemeldeten Aktiven geplant und den Service dafür vorbereitet. „Der Startverzicht kostet uns also auch etwas“, so Albus.

Blinden-Rekord auf dem Rennsteig, erster Sehbehinderter schon 1983 dabei

Die Begeisterung für den Rennsteiglauf gilt aber unverändert. 200 Starter mehr als 2025 gingen diesmal auf die Strecken. Sogar blinde Wanderer waren dabei und stellten einen Rekord auf. „Der Rennsteiglauf steht schon lange für Inklusion. Erstmals nahm ein Blinder 1983 teil“, sagte Lauf-Erfinder Hans-Georg Kremer, der eine Gruppe von acht Sehbehinderten mit ihren Helfern auf einem Abschnitt begleitete. Die Gruppe marschierte in acht Tagen die 170 km über den Rennsteig und wurde in Schmiedefeld begeistert empfangen.

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Besonders nett war die Geste der Organisatoren, die dem erblindeten Traditionsläufer Jörg Abicht aus Erfurt noch den Start für die eigentlich ausgebuchte 17-km-Wanderung ermöglichten. Abicht war überglücklich, als er mit seiner Familie im Ziel die 48. Teilnahme beim Rennsteiglauf feiern durfte.