Das Star-Aufgebot ist etwas kleiner, das Feld ist umso breiter: Größer denn je präsentieren sich die TT-Finals an diesem Wochenende in Erfurt. Nach furiosen Spielen vor Kurzem bei der WM in Katar locken die deutschen Tischtennis-Meisterschaften in der Messe mit einem Mammut-Programm an die Tische. Das müssen Freunde des Spiels vor dem viertägigen Spektakel (6. bis 9. Juni) um den kleinen Kunststoffball wissen.
Was erwartet die Besucher?
Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr bringt die zweite Auflage der TT-Finals in Erfurt Spitzensport erneut mit dem Besten zusammen, was die Leistungsklassen zwischen Küste und Alpen zu bieten haben. Und noch mehr. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern spielen an die 1000 Teilnehmer in drei Hallen die nationalen Titelträger aus. Neben den Feldern der Damen und Herren, der Jugend 15 und 19 sowie der Leistungsklassen sind erstmals auch Seniorinnen und Senioren von den 40er- bis zu den 85er-Klassen am Start. Der Deutsche Tischtennis-Bund und die „Tischtennis Marketing Gesellschaft“ locken zudem mit Zuschauer-Turnieren, Autogrammstunden und Gesprächsrunden.
Wer sind die Stars bei den Damen?
Ein Jahr ist es her, dass sich Annett Kaufmann (SV Böblingen) in Erfurt selbst überraschte. Mit erst 17 krönte sie sich erstmals zur deutschen Meisterin bei den Damen im Einzel und Doppel, ehe sie bei den Olympischen von Paris ein weiteres Sommermärchen schrieb. Als Reservespielerin schmetterte sie das deutsche Frauen-Team ins olympische Halbfinale. Als erste europäische U19-Weltmeisterin und Nachwuchssportlerin des Jahres eroberte sie die Herzen im Sturm. Ein erneuter Einzel-Titel geht für die 94. der Weltrangliste aber wohl nur über Sabine Winter (TSV Dachau). Die deutsche Meisterin von 2022 und 2023, die im vorigen Jahr bei der DM fehlte, steht aktuell an Nummer 38 der Welt. Sie hat sich in ihrem Spiel mit einem selten zu findenden Rückhand-Belag neu erfunden und zuletzt im Doppel mit Vorjahresfinalistin Yuan Wan (Weinheim) knapp eine WM-Medaille verpasst.

Wer gehört bei den Männern zu den Favoriten?
Mühlhausens Spitzenspieler Steffen Mengel musste sich einer Kniebehandlung unterziehen, um keine schwerere Verletzung zu riskieren. Vor einem Jahr hatte er sich in einem packenden Finale Benedikt Duda (Bergneustadt) beugen müssen. Auch Dimitrij Ovtcharov musste kurzfristig absagen. Der hatte sich an einem endoskopischen Eingriff an der Halswirbelsäule unterzogen. „Der kurze Eingriff ist laut Operateur sehr gut gelaufen. Er hat das Bandscheibengewebe entfernt, das auf den Nerv gedrückt hat“, erklärte der ehemalige Weltranglisten-Erste. Starke Nackenschmerzen, die bis ins Handgelenk ausstrahlten, hatten den sechsfachen Olympia-Medaillengewinner bei der WM so sehr gehandicapt, dass er nach einem Doppel-Einsatz im Einzel nicht mehr antreten konnte. „Es tut mir vor allem sehr leid für die Zuschauer in Erfurt“, so Ovtcharov. Damit rückt Kay Stumper (Düsseldorf) als Nummer 69 der Welt in den Fokus.
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Welcher Thüringer startet bei den Herren und Damen?
Nico Müller, 22, versucht sich wie im vergangenen Jahr mit den Großen der Szene zu messen. Der als Walldorf stammende Regionalligaspieler von Post Mühlhausen erhielt eine Wildcard. Er liegt an dritter Stelle der Thüringer Rangliste hinter Post-Spitzenspieler Steffen Mengel und Trainer Erik Schreyer, in der bundesweiten Rangliste bedeutet das Platz 123. Um ins Hauptfeld zu kommen, muss er den Weg über die Gruppe gegen. Das 32er-Feld der Damen wird ohne Thüringer Beteiligung ausgespielt. Zudem sind zehn Thüringer Junioren am Start.

Wie lassen sich die TT-Finals verfolgen?
Der Besuch lässt das extrem schnelle Rückhandspiel in den drei Spielhallen am besten verfolgen. Tickets gibt es ab 12 Euro (Freitag) beziehungsweise 15 Euro (Samstag), für ermäßigte Personen ab 10 Euro. Die Tageskarte für alle Hallen am Wochenende gibt es für 40 Euro in der Kategorie 1 bzw. 32 Euro in der Kategorie 2. Mit dem Flanier-Ticket gibt es zudem eine günstige Eintrittskarte für alle, die sich hauptsächlich für das Geschehen in den Hallen 2 und 3 (Nachwuchs, Leistungsklassen, Senioren) interessieren und nur gelegentlich einen Blick in Halle 1 werfen wollen. Am Samstag gibt es beim Familientag wieder 50 Prozent Ermäßigung für alle Kinder und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahre.

Werden die Finals im Livestream übertragen?
Der MDR zeigt alle Partien der Damen und Herren an Tisch 1. Die übrigen Spiele aus Halle 1 sind auf dem DTTB-YouTube-Kanal zu sehen. Tisch 2 kommentiert Tischtennis-Fachmann Dennis Heinemann. Außerdem gibt es bei YouTube wie in den Vorjahren ausgewählte Matches von Jugend 15 und Jugend 19.
Was geschieht am Rande?
Wer die TT-Finals besucht, bekommt mehr als Spitzensport geboten. An vier Thementagen erleben Besucher Tischtennis von seiner spielerischen Seite. Dazu gibt es Mitmachaktionen, Gewinnspiele, ein Quiz, Open-Air-Kino und jede Menge Gelegenheiten zum Ausprobieren. Der Freitag ist etwa Tag der Schulen. Am Samstag werden alternative Spielformen präsentiert, etwa bei einem Vierertisch-Team-Turnier und einer 1-Punkt Finals-Challenge. Abends ist Kinozeit, am Sonntag kommen auch Fußball-Fans bei der Liveübertragung der Nations League auf ihre Kosten.
Wie viele Spielerinnen und Spieler werden erwartet?
64 Damen und Herren, jeweils knapp hundert Jugendliche in der U15 und U19, rund 200 Spielerinnen und Spieler in den Leistungsklassen, rund 500 Seniorinnen und Senioren. Die großen Felder stellen die Turnierleitung organisatorisch vor eine Riesenaufgabe.
Wann wird gespielt?
Die Damen und Herren eröffnen ihre Spiele am Samstag mit dem Mixed (ab 19 Uhr), am Sonntagvormittag (10 Uhr) beginnen die Gruppenspiele. Die Finals bilden am Pfingstmontag den Abschluss. Die TT-Finals eröffnen werden die U19-Talente (Freitag, ab 10 Uhr). Am Samstag beginnt der Kampf um die Titel in der U15 (ab 17 Uhr), in den Leistungsklassen (ab 13 Uhr) und bei den Senioren (ab 9.30 Uhr).
Alle Infos finden sich unter: tt-finals.de
seß/red



