Sie schreibt Sportgeschichte – und muss ausgerechnet bei ihrem größten Auftritt auf die Ratschläge des eigenen Mannes verzichten? Josie Hofmann, die erste Wintersport-Olympia-Teilnehmerin aus Gera, fiebert ihrer Premiere bei den Olympischen Winterspielen Mailand-Cortina 2026 entgegen. Am 7. Februar startet die 29-Jährige vermutlich um 16 Uhr erstmals auf der vorübergehend umgebauten Mailänder Messehalle auf der größten Bühne des Wintersports: im Einzel über 3000 Meter, im Massenstart und mit besonders großen Hoffnungen in der Teamverfolgung.
Dort zählt Hofmann gemeinsam mit Lea-Sophie Scholz (Mylau) und Josefine Schlörb (Dresden) zum erweiterten Medaillenkreis. Sie startet für den PSV Crimmitschau, trainiert in Berlin und ist nahezu ständig unterwegs. Und doch bleibt sie bodenständig: „Ich fühle mich weiterhin als Thüringerin. Ich wohne in Gera, hier sind Familie und Freunde – das ist meine Heimat.“

Ein Weg voller Umwege
Der Weg zu Olympia war alles andere als selbstverständlich. In Gera gibt es keinen Eissportverein, auch in Crimmitschau keine Eisbahn. „Das hatte strukturelle und organisatorische Gründe“, erklärt Hofmann diese außergewöhnliche Mitgliedschaft. Recht spät, erst mit 18 Jahren, wagte sie den Umstieg vom Speedskating aufs Eis. „Ich hatte ein großes Ziel und habe dem alles untergeordnet. Ich weiß, dass ich mir das alles hart selbst erarbeiten musste, der Weg war sehr lang und unwahrscheinlich anstrengend.“ Heute fühlt sie sich bestätigt – und belohnt. „Ich habe in Erfurt trainiert, bin dann aber nach Berlin gewechselt, weil ich dort den Trainer kannte, aus Speedskating-Zeiten.“

Das Sternchen der Ungewissheit
Bis zuletzt musste die Geraer Hoffnungsträgerin dennoch um ihre Olympia-Teilnahme zittern. Zwar erfüllte sie die Normen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bereits im November und Dezember und wurde auch in München feierlich eingekleidet, doch in der offiziellen Teilnehmerliste war bis 20. Januar ein Sternchen hinter ihrem Namen – „vorläufig“. Während Hofmann selbst eher den Analysen ihrer Trainer und dem eigenen Bauchgefühl vertraute, war die Mutter in Gera unwahrscheinlich nervös. „Das Sternchen hat mich schon beunruhigt“, gibt Mutter Anne Hofmann zu. Vater Thomas und Opa Uli waren da kaum gelassener. „Aber jetzt ist es sicher und sie kann sich auch ihren Kindheitstraum erfüllen“, freut sich der 83-Jährige Hans-Ulrich Wendt und ist voller Stolz. „Josie ist unwahrscheinlich ehrgeizig. Ich bin gespannt, was sie bei ihrer Olympia-Premiere schaffen kann.“
Auch die Familie reist nach Mailand. Schon im Juni buchte Vater Thomas sicherheitshalber eine Unterkunft. „Inzwischen wäre eine Zimmerbuchung in den Olympiaorten oder der Nähe fast nicht mehr bezahlbar, es war gut, so früh zu buchen, obwohl da keiner wusste, ob Josie es auch schafft“, so der 59-Jährige. Am 6. Februar, einen Tag vor dem ersten Wettkampf, machen sich Eltern und zwei der Großeltern auf den Weg. Viel Nähe wird es dennoch nicht geben. Hofmann wohnt im Olympischen Dorf, die Familie außerhalb. „Vielleicht mal kurz an der Bande. Bis dahin gilt volle Konzentration.“

Keine Eröffnungsfeier, kein Ablenken
Die Eröffnung wird Josie Hofmann verpassen. „Da ich schon am nächsten Tag in die Wettkämpfe gehe, wird die für mich ausfallen.“ Die Konzentration auf den Wettkampf ist wichtiger. „Da bin ich auch professionell genug, mich ganz auf meine Wettkämpfe einzustellen und mich zu motivieren, mich nicht ablenken zu lassen.“
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Auch Josie Hofmanns Ehemann Daniel Greig wird eher weniger an die Thüringer Eisschnellläuferin herankommen, obwohl der 34-Jährige, ein Australier, selbst im Olympischen Dorf wohnt, als Trainer belgischer Olympia-Eisschnellläufer. Beide stehen durch ihren Sport in einer echten Fernbeziehung. Greig war selbst Olympia-Eisschnellläufer 2014 und 2018. „In Mailand werden wir uns sehen, aber nicht zusammenwohnen. Da hat jeder mit seinem Team zu viel selbst zu tun, und ein klein wenig sind wir ja auch Konkurrenten …“, sagt Hofmann mit einem Lächeln. Kennengelernt haben sich beide bei Weltcup-Rennen, seit Oktober 2022 sind sie verheiratet. Gemeinsame Zeit gibt es selten, zusammenhängend oft nur ein paar Monate im Jahr – dann meist in Gera.

Die Anspannung wächst. „Von Tag zu Tag ein wenig mehr“, gibt Josie Hofmann zu. „Aber auch die Vorfreude wächst. Ich bin gut in Form und rechne mir bei meinen ersten Olympischen Spielen schon etwas aus.“ Mittwoch ging es von Gera zurück nach Berlin, am Freitag in den Flieger nach Mailand – dann kann Olympia endlich kommen. „Ich freue mich riesig.“




