Die Thüringer Ehrenamtsförderung kommt an. Besonders deutlich zeigt sich das im Thüringer Sport. Die Nachfrage übersteigt in Summe die zur Verfügung stehenden Fördermittel für das Ehrenamt. In der zweiten Förderperiode sind 1673 Anträge mit einem Volumen von rund 25,8 Millionen Euro eingegangen, teilte die Thüringer Staatskanzlei mit. Die hohe Beteiligung aus dem Vorjahr setzt sich damit fort.
„Die große Zahl an Anträgen zeigt: Unsere Förderung kommt genau dort an, wo sie gebraucht wird. […] Die Ehrenamtsförderung ist der richtige Weg, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt weiter zu stärken“, erklärte der Thüringer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport und Ehrenamt, Stefan Gruhner (CDU).

Starker Andrang auf Fördermittel: Eine Chance für Vereine
Trotz eines kurzen Antragszeitraumes infolge einer erarbeiteten Richtlinie sorgte die Förderperiode bereits im vergangenen Jahr für großes Interesse. Laut Mitteilung konnten nach Prüfung 763 Projekte mit mehr als sieben Millionen Euro gefördert werden. In der Vielfalt der jüngsten Antragsrunde war der Sport erneut stark vertreten. In der Bündelung mit den Bereichen Gesundheit und Bildung waren bis zum 15. April 588 Anträge eingegangen.
Gefördert werden mobile Ausstattungen für Vereine, Qualifizierungen von Übungsleitern, Nachwuchsgewinnung, soziale Hilfsangebote oder digitale Infrastruktur wie Vereins-Apps und Internetauftritte. Rund 15 Millionen Euro pro Jahr stellt das Land dafür zur Verfügung. Das Ehrenamtsgesetz wurde vor zwei Jahren beschlossen.
LSB fordert weniger Bürokratie und faire Verteilung
Der Sport bilde die Gruppe mit dem höchsten Antragsvolumen, heißt es vom Landessportbund Thüringen (LSB). Die mitgliederstärkste Bewegung stellt auch den größten Teil unter den mehr als 750.000 Ehrenamtlichen.
„Wie die vielen Anträge zeigen, ist der Bedarf des Sports sehr hoch“, merkt Nadin Czogalla an. Die Vorständin im LSB für Sportentwicklung und Ehrenamt freut sich über die Unterstützung. Sie wünschte sich, dass aufgrund der Nachfrage des Sports in der Evaluierung des Gesetzes nachgeschärft wird, aber vor allem in Bezug auf Bürokratie.
„Es ist eine große Chance für die Vereine“, hob sie den enormen Wert des Ehrenamtsgesetzes hervor. Es ist bundesweit das erste seiner Art gewesen. „Gleichzeitig glauben wir, dass das Antrags- und Abrechnungsverfahren noch zu bürokratisch ist. Vereine brauchen dabei viel Unterstützung.“
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Das Dilemma: Mitgliederboom trifft auf Helfermangel
Das Thema Ehrenamtsgewinnung und -bindung betrachtet die ehemalige Eisschnellläuferin aktuell als Hauptthema im Thüringer Sport. Nicht nur, weil es „unsere Sportvereine umtreibt“. „Wir haben in den letzten Jahren dort leichte Verluste. Nicht nur in Thüringen, sondern auch bundesweit. Diese Verluste konnten durch einen Aufbau des Zeitbudgets ein Stück weit kompensiert werden. Das funktioniert in den letzten Jahren aber insofern nicht mehr, weil wir gleichzeitig einen Mitgliederzuwachs haben.“

Zum dritten Mal in Folge ist die Mitgliederzahl im Thüringer Sport 2026 auf ein Rekordhoch gestiegen. Aktuell sind fast 392.000 Menschen in Sportvereinen organisiert. Das entspricht fast einem Fünftel der Thüringer Bevölkerung.
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LSB sieht in Qualifizierung einen Schlüssel für starkes Ehrenamt
„Wir werden als LSB vor allem versuchen, die Vereine über Qualifizierungsmaßnahmen gut zu unterstützen. Neben der Qualifizierung sind auch beratungsunterstützende Leistungen ein Schwerpunkt, um sich gut aufzustellen. Für uns ist das ein Hauptankerpunkt: Wenn ein Verein gut aufgestellt ist, ist es für ihn auch leichter, Ehrenamtliche zu finden“, so Nadin Czogalla. „Ohne diese wird es im Sport nicht funktionieren.“
Mit der Verankerung des Ehrenamts als Staatsziel in der Thüringer Verfassung, dem Ehrenamtsgesetz und der gezielten Unterstützung hat Thüringen Weichen gestellt, um freiwilliges Engagement dauerhaft zu stärken. Die Förderung wird fortgesetzt: Die nächste Antragsphase für das Jahr 2027 soll im August starten.




