Als die jungen Leute kurz vorm Ziel die Traditions-Startnummer von Jens Wötzel sahen, hakten sie ihn kurzerhand einfach ein. Der 74-Jährige ist einer der vier Jenaer Studenten, die 1973 den Rennsteiglauf aus der Taufe hoben. Die Routiniers gehen inzwischen auf ihre letzten Runden. Die Existenzfrage für den Lauf-Klassiker lautet deshalb: Will auch der Nachwuchs weiter durch den Wald rennen?

Verjüngung ein großes Thema beim Rennsteiglauf

Wötzel hofft darauf, „dass es die junge Generation mit dem Laufen nicht bleiben lässt.“ Der Rennsteiglaufverein jedenfalls steuert den richtigen Kurs. Neben dem Wechsel von Jürgen Lange zu Uwe Albus im Präsidentenamt wurde auch das Präsidium deutlich verjüngt. Bei den Helfern versucht man, den Altersschnitt zu senken. Allerdings zeigen die Zahlen im Verein, dass der Rennsteiglauf ein Klub vorwiegend älterer Männer ist. Nur knapp hundert der knapp 1150 Mitglieder sind unter 40 Jahre alt.

53. RENNSTEIGLAUF
Miriam Hensel erreicht überglücklich das Ziel in Schmiedefeld. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Auf den Laufstrecken sieht es besser aus. Der Juniorcross mit rund tausend Kids ist seit Jahren vorzeitig ausgebucht. Viele Sieger wie jetzt Florian Bochert (Halbmarathon) und Frank Merrbach (Supermarathon) begannen ihre Rennsteiglauf-Karriere beim Nachwuchsrennen. Auch trifft der Beobachter immer auf mehr junge Läufer-Familien (auch mit Tattoos). „Die Jugend sucht besondere Herausforderungen. Der Rennsteiglauf ist eine. Das kriegen die jungen Leute in den sozialen Medien mit“, macht Präsident Albus Werbung für den beliebtesten Cross-Marathon Deutschlands.

Doch der Ausgang bleibt, wie bei jedem sportlichen Wettkampf, offen. Ob die Debütanten von heute sich in einem Vierteljahrhundert Traditionsläufer nennen dürfen, das muss die Zeit zeigen.