Auch Tage nach dem verlorenen Thüringenderby verursachte die Niederlage erhebliche Schmerzen. „Es tut noch immer unfassbar weh. Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß“, sagte Nils Weiler im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen über das 0:2 in Jena zum Finale der Regionalliga-Saison. Doch Abschalten kann der Co-Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt auch nach dem letzten Spieltag nicht: „Eine Pause gibt es für mich nicht. Der Fußball ist immer präsent.“
Weiler studiert Training und Coaching
Das liegt auch daran, dass er seiner Sportart sogar ein Studium widmet. Am Institut für Fußballmanagement in Ismaning lernt er zum Thema Training und Coaching. Wenn die Spieler demnächst irgendwo am Strand liegen, muss Weiler seine Hausarbeit schreiben. Eine kurze Auszeit plant er dennoch bei seinen Eltern und dem Bruder im heimatlichen Heidelberg.
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Weiler kam vor einem Jahr vom Ligarivalen BFC Dynamo zum FC Rot-Weiß. Hier leitete er am Spielfeldrand die digitale Revolution ein. Denn bei jedem Spiel sitzt der 26-Jährige direkt neben der Seitenlinie, hat dennoch meist den Laptop im Blick. „Ich schaue mir das Fernsehbild an. Damit können wir im Trainerteam strittige Szenen sofort bewerten“, erklärte der Co-Trainer. Zudem liefert ein iPad noch den Blick von oben auf den Rasen: „Damit haben wir die Draufsicht und können noch während des Spiels taktische Anpassungen vornehmen.“
Weiler vom Körbel-Neffen für Trainerjob inspiriert
Ginge es nach ihm, würde noch mehr Technik den Alltag bestimmen. Mit GPS-Sensoren könnte ermittelt werden, wie viele Meter jeder Spieler läuft, welche Sprints sie machen, und Abbremsbewegungen könnten dargestellt werden. Diese Daten würden eine bessere Belastungssteuerung garantieren und möglicherweise Verletzungen minimieren. „Die Technik könnte helfen, die Trainingswoche besser aufzuteilen. Dann müssten wir Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus treffen“, sagte Weiler. Bislang sei der Einsatz der Technik aus finanziellen Gründen aber nicht möglich gewesen.

Dass Nils Weiler auf der Trainerbank sitzt, hat mit der Familie eines deutschen Fußball-Urgesteins zu tun. Karl-Heinz Körbel holte mit Eintracht Frankfurt den Uefa-Cup und ist mit 602 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler. Dessen Neffe Maurice steht beim FC Dossenheim als Jugendtrainer an der Linie – und inspirierte Weiler. „Er hat mich motiviert, und mir hat es immer Spaß gemacht“, sagte Weiler im RWE-Talk.
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So kam es, dass er seine eigene Karriere ausklingen ließ. Denn mit 15 betreute er in Dossenheim – ermutigt durch Maurice Körbel – sein erstes Jugendteam. Zugleich spielte er in Kirchheim in der Verbandsliga. Doch als er mit 20 als Videoanalyst beim Regionalligisten in Rehden anfing, musste er seine Doppelrolle aufgeben – und entschied sich für die Trainerbank.
Brasilianer Fernando Diniz ist sein Trainervorbild
Er arbeitete unter Hans-Jürgen Boysen in Großaspach, der ihm mit nur 21 Jahren als dessen Assistent das Vertrauen schenkte. Entscheidend prägte ihn die Zusammenarbeit mit Heiner Backhaus beim BFC Dynamo. Bevor sich bei den Berlinern vor einem Jahr die Wege trennten, saß er dort für vier Punktspiele als Interimstrainer auf der Bank. Mit drei Siegen und einem Remis blieb er sogar unbezwungen.

So geradlinig er bislang seinen Weg gegangen ist, so ausgefallen ist die Antwort auf die Frage nach seinem Vorbild als Trainer. „Ich finde Fernando Diniz spannend. Er hat eine neue Art von Fußball reingebracht“, sagte Weiler über die radikale Fußball-Philosophie des 52-Jährigen, der vor drei Jahren kurzzeitig sogar mal brasilianischer Nationaltrainer war.
RWE-Talk
In der Gesprächsreihe von Funke Medien Thüringen befragt Sportchef Marco Alles regelmäßig Protagonisten des FC Rot-Weiß Erfurt zu sämtlichen Themen rund um den Verein. Im RWE-Talk geht es aber nicht nur um den Fußball, sondern auch um den Menschen hinter dem Sportler. Was zeichnet ihn aus? Was treibt ihn an? Womit beschäftigt er sich, wenn der Ball mal nicht rollt? Zu sehen sind alle Interviews auf dem Youtube-Kanal von Funke Thüringen.
Diniz, aktuell der Trainer beim SC Corinthians São Paulo, lässt mit seinem Stil das taktische Korsett über den Haufen werfen. Die Spieler sind nicht an ihre Positionen gebunden, sondern dort, wo der Ball ist. „Ich bin eher der Typ, der den Spielern maximale Freiheit geben würde und mag Aktionen, in denen die Fußballer auf engstem Raum kombinieren“, sagte der bekennende HSV-Fan Weiler, der gerne einmal beim Hamburger Cheftrainer Merlin Polzin hospitieren würde.
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Froh ist Nils Weiler, dass er seit einem Jahr nun zum Trainerteam beim FC Rot-Weiß Erfurt gehört: „Der Schritt war absolut richtig“, sagte der 26-Jährige über den Wechsel vom Berliner Trubel ins beschauliche Thüringen. Längst fühlt sich Nils Weiler hier auch abseits des Fußballs heimisch: „Erfurt erinnert mich an Heidelberg. Die Stadt hat eine hübsche Altstadt, in der man sich wohlfühlen kann.“









