Raphael Assibey-Mensah steht am kommenden Samstag beim Auswärtsspiel gegen Lok Leipzig wieder unter ganz besonderer Beobachtung. „Meine Mutter ist die Erste, die mich nach den Spielen anruft. Sie ist auch meine größte Kritikerin, mehr als das Trainerteam oder die Presse“, sagte der 27 Jahre alte Flügelspieler des FC Rot-Weiß Erfurt im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen: „Wenn ich ein schlechtes Spiel gemacht habe, traue ich mich manchmal nicht, ans Telefon zu gehen, wenn Mama anruft.“
In diese unangenehme Situation kam Assibey-Mensah in dieser Spielserie bislang allerdings kaum. Denn nicht nur der FC Rot-Weiß hat mit zehn Spielen ohne Niederlage und der Tabellenführung zum Saisonstart überrascht. Auch der bullige Offensivmann ist nach einer längeren Verletzung und einem schwierigen ersten Jahr beim FC Rot-Weiß durchgestartet. Für viele hat er im Kader des Regionalligisten den größten Leistungssprung vollzogen. Dass er bislang auf vier Tore und eine Vorlage kommt, macht ihn allerdings nicht zufrieden: „Es geht immer mehr. Wenn ich damit zufrieden wäre, könnte ich aufhören mit dem Fußball.“
Assibey-Mensah überrascht vom Saisonstart
Ohne diese Denkweise wäre Assibey-Mensah die Rückkehr aus einem tiefen Tal vermutlich nicht gelungen. Denn nach einem Sehnenriss und anschließender Operation wurde er vor einem Jahr in Erfurt durch die gleiche Verletzung ein zweites Mal zurückgeworfen. Der Fußballer mit ghanaischen Wurzeln wurde in all der Zeit vor allem von seinem christlichen Glauben und seiner Einstellung zum Leben getragen: „Meine Mutter hat klar gesagt: Du musst immer positiv bleiben, und du musst glauben.“

Diese Zuversicht scheint in dieser Saison die ganze Mannschaft zu beflügeln. „Dass wir nach zehn Spielen so gut dastehen und noch immer ungeschlagen sind, damit habe ich – ehrlich gesagt – nicht gerechnet. Aber das zeigt die Qualität, die in diesem Kader steckt“, sagte Assibey-Mensah im RWE-Talk.
Remis gegen Aue: „Noch ein bisschen schockiert“
Mit dem breiten Aufgebot begründet er auch die enorme Offensivkraft, die der FC Rot-Weiß bislang entwickelt hat. 32 Tore in zehn Spielen sind ein erstaunlicher Wert. Dass dies trotz des Weggangs von Torjäger Obed Ugondu zum Drittligisten FC Ingolstadt gelungen ist, hat für den Erfurter eine logische Erklärung: „Obed hat in der vergangenen Saison den Unterschied gemacht. Er war der Topmann, auf den wir uns verlassen mussten, weil viele andere nicht fit waren. Das ist jetzt anders. Wir können uns auf jeden in der Startelf und die, die eingewechselt werden, verlassen.“
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Umso tiefer sitzt der Frust nach dem Ausgleich gegen Erzgebirge Aue. „Ich bin noch immer ein bisschen schockiert. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel aus der Hand geben. Das 2:2 fühlt sich wie eine Niederlage an“, sagte Assibey-Mensah.

Gespannt sind die Fans, wie die Mannschaft nun mit dem späten Tiefschlag umgeht, wenn der FC Rot-Weiß am kommenden Samstag bei Lok Leipzig antritt. Der letzte Auswärtssieg im Bruno-Plache-Stadion liegt mehr als 46 Jahre zurück. Im März 1980 gewann Erfurt mit 2:0. Im RWE-Talk versprüht Assibey-Mensah trotz dieser miserablen Statistik viel Zuversicht: „Wir haben in Jena gewonnen, wo der letzte Sieg 15 Jahre her war. Mal sehen, ob wir auch den 46-Jahre-Fluch brechen. Wir werden jedenfalls alles dafür tun.“
RWE-Talk
In der Gesprächsreihe von Funke Medien Thüringen befragt Sportchef Marco Alles regelmäßig Protagonisten des FC Rot-Weiß Erfurt zu sämtlichen Themen rund um den Verein. Im RWE-Talk geht es aber nicht nur um den Fußball, sondern auch um den Menschen hinter dem Sportler. Was zeichnet ihn aus? Was treibt ihn an? Womit beschäftigt er sich, wenn der Ball mal nicht rollt? Zu sehen sind alle Interviews auf dem Youtube-Kanal von Funke Thüringen.
Dem fast schon sensationellen Saisonstart mit dem Sieg im Thüringenderby als Krönung zum Trotz vermeidet es Assibey-Mensah, öffentlich die Meisterschaft und damit den Aufstieg als das große Ziel zu verkünden. Dabei weiß er genau, was es bedeutet, in dieser Liga zu spielen. In seiner Karriere absolvierte er für den SC Freiburg II und den FSV Zwickau bereits 26 Drittliga-Spiele.
Assibey-Mensah: „Wir müssen jeden Gegner respektieren“
Doch so sehr er sich mit seiner Mannschaft einen Triumph beim amtierenden Meister in Leipzig wünscht, der Erfurter Fußballer betrachtet jede Partie als ein Endspiel: „Gewinnst du gegen die Kleinen und verlierst gegen die Großen, bist du nicht Erster. Wenn du gegen die Kleinen nicht punktest, dafür aber gegen die Großen, bist du auch nicht Erster. Wir müssen jeden Gegner respektieren. Dann ist alles möglich.“
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Mit dieser Einstellung hofft Raphael Assibey-Mensah auf ein persönlich starkes Spiel und drei Punkte für Rot-Weiß gegen Lok Leipzig. Zwangsläufig könnte er in diesem Fall ganz entspannt ans Telefon gehen, wenn hinterher seine Mama anruft.








