Die Premiere bei den Männern des FC Rot-Weiß Erfurt vor 50 Jahren verlief für Jürgen Heun vielversprechend. Aber so glanzvoll später seine Karriere beim Club war, so schwer hatte es der damals 18-Jährige zunächst. „Ich bin im ersten Spiel eingewechselt worden, habe gleich ein Tor geschossen. Dann hat mich der Trainer viele Spiele draußen gelassen“, sagte Heun im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen über das 2:0 gegen den 1. FC Magdeburg am 4. September 1976.

Jürgen „Kimme“ Heun über Knackwurst, Nationalelf, Aufstiegsträume und seine ewige Liebe zum FC Rot-Weiß Erfurt.

Damals traf er vor 18.000 Zuschauern nur 120 Sekunden nach seiner Hereinnahme für Jörg Hornik zum Endstand. Obwohl er seinen Torinstinkt gleich im ersten Auftritt auf großer Bühne nachgewiesen hatte, musste sich der gerade den Junioren entwachsene Angreifer unter Trainer Gerhard Bäßler erst einmal hintenanstellen. Nach seinem Treffer kam er in zwölf Partien zu keiner einzigen Spielminute. Hinzu kamen in der damaligen Saison lediglich neun weitere Einsätze: „Ich habe praktisch nur auf der Bank gesessen. Das auszuhalten, war schwer.“

Heuns prägendster Moment: Mit der Nationalelf in Brasilien

Doch Heun biss sich durch. Der Junge aus Günthersleben eroberte mit dem Fußball die Welt – und krönte sich beim FC Rot-Weiß zum Jahrhundertspieler. Für die Rot-Weißen bestritt er 475 Pflichtspiele, in denen er 155 Tore erzielte. Am 15. Mai 1993 schloss sich für ihn der Kreis. Beim 2:0 gegen den FC Meißen trug er zum letzten Mal das Trikot des FC Rot-Weiß, der inzwischen in die NOFV-Oberliga Süd gerutscht war.

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Jürgen Heun (links) spricht im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen mit Sportchef Marco Alles.© Funke Medien Thüringen | Funke Medien Thüringen

Seinen Abschied verfolgten damals nur noch 600 Zuschauer im Steigerwaldstadion. Umso größer ist sein Wunsch zum nächsten Jubiläum. Keine zwei Jahre mehr, dann feiert der 17-fache DDR-Nationalspieler am 26. Mai 2028 seinen 70. Geburtstag. „Ich gehe immer in der Hoffnung zu den Heimspielen, noch einmal richtigen Profifußball in Erfurt zu sehen. Das wäre für mich sensationell“, sagte der Ehrenspielführer des Clubs im RWE-Talk.

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Doch so intensiv die Verbindung zum FC Rot-Weiß nach wie vor ist, so zwiespältig ist manchmal das Verhältnis zu seinem Herzensclub, dessen Ehrenmitglied er seit 2022 ist. Die Mitarbeit im Ehrenrat beendete er nach einem Jahr aufgrund unterschiedlicher Auffassungen mit der neuen Führung des Gremiums. Bei Spielen der Traditionself ist er nicht mehr dabei. Aus seiner Sicht spielen dort zu viele Akteure, die kaum einen Bezug zum FC Rot-Weiß haben.

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Jürgen Heun bestritt für den FC Rot-Weiß Erfurt 475 Pflichtspiele, in denen er 155 Tore erzielte.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Am meisten ärgert sich Heun allerdings über die Tatsache, dass er vom Verein bis zum heutigen Tage – allen Verdiensten um den Verein zum Trotz – keine Eintrittskarte bekommt. Dass er die Heimspiele dennoch live im Steigerwaldstadion sieht, ohne als Ehrenspielführer selbst eine Karte kaufen zu müssen, verdankt er einem Sponsor. „Zum 60-jährigen Jubiläum des Clubs wurden wir rumgereicht. Aber dann stehe ich vorm Stadion und habe keine Karte. Das verstehe ich nicht“, sagte Heun.

RWE-Talk

In der Gesprächsreihe von Funke Medien Thüringen befragt Sportchef Marco Alles regelmäßig Protagonisten des FC Rot-Weiß Erfurt zu sämtlichen Themen rund um den Verein. Im RWE-Talk geht es aber nicht nur um den Fußball, sondern auch um den Menschen hinter dem Sportler. Was zeichnet ihn aus? Was treibt ihn an? Womit beschäftigt er sich, wenn der Ball mal nicht rollt? Zu sehen sind alle Interviews auf dem Youtube-Kanal von Funke Thüringen.

Dabei glänzte er einst nicht nur für den FC Rot-Weiß. Einen seiner prägendsten Momente erlebte er mit der DDR-Nationalmannschaft. Heun wurde bei einem Freundschaftsspiel im Januar 1982 in Brasilien (1:3) in der 67. Minute eingewechselt. Auf dem Platz traf er unter anderem auf Stars wie den berühmten Zico: „Das werde ich nie vergessen, wie ich in Brasilien aufgelaufen bin.“

FUSSBALL DDR-OBERLIGA RWE - BSG Stahl Brandenburg
Jürgen Heun (rechts) feiert am 25. Mai 1991 mit den Fans des FC Rot-Weiß Erfurt die Qualifikation für die 2. Bundesliga.© FUNKE Foto Service | Sascha Fromm

Die Liebe zu seinem Club ist trotz mancher Differenzen noch immer so groß, dass Heun auch künftig im Stadion sein wird. Dass die erste Mannschaft nach sieben Punktspielen an der Spitze der Regionalliga Nordost thront, freut den 68-Jährigen. „Wenn wir die nächsten Spiele gewinnen, kann man auch mal gegen einen Großen der Liga Remis spielen und mit einem Punkt zufrieden sein“, sagte Heun.

Jürgen Heun enttäuscht über Remis gegen BFC Preussen

Enttäuscht war er allerdings vom Auftritt gegen den BFC Preussen, als Erfurt nur ein 1:1 gelang. „Das war eine mittlere Katastrophe. Wenn ich als Tabellenführer auf das Feld gehe und der erste Ball im Spiel landet beim Torhüter, da könnte ich verrückt werden“, sagte Heun.

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Der einstige Topangreifer ist sich jedoch bewusst, dass die Mannschaft nicht jedes Mal den Gegner an die Wand spielen wird. „Du kannst auch mal solch ein Spiel haben und daraus lernen. Auch gegen den Aufsteiger wird es wieder schwierig“, sagte Heun mit Blick auf die Partie am kommenden Freitag, 11. September, gegen den RSV Eintracht Stahnsdorf.