Der tolle Saisonstart des FC Rot-Weiß Erfurt ist auch einigen Spielern zu verdanken, die nach Anlaufschwierigkeiten beim Fußball-Regionalligisten im zweiten Jahr durchstarten. Einer von ihnen ist Laurenz Dehl, der beim 5:0 am Dienstag in Luckenwalde schon sein zweites Saisontor (dazu zwei Vorlagen) im sechsten Spiel für den Spitzenreiter erzielte – als Außenverteidiger.
Dass er im RWE-Talk mit Sportchef Marco Alles überaus gelöst auftritt, liegt nicht nur am Tabellenplatz. Der 24-Jährige hat ungewisse Jahre voller Verletzungen hinter sich. Mit neun kam er zu Union Berlin. Beim Kultverein aus Köpenick spielte er, bis er 18 war, stand über 13 Jahre dort unter Vertrag. Weil er in der „erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte mit einem großen, sehr hochwertigen Kader“ den Sprung zu den Männern in die Bundesliga nicht schaffte, wurde er verliehen. Zuerst zum Halleschen FC, wo „die erste eigene Wohnung und sich selbst um alles zu kümmern eine große Umstellung für mich war“.
In Irland wäre er gern länger geblieben
Nach einem Jahr beim damaligen Drittligisten, wo er sich mit vier Toren und drei Vorlagen auch offensiv hervortat, folgte die nächste Leihe: zu den Bohemians nach Dublin. Hier begann das Verletzungspech: In seinem ersten Spiel für die Iren kam er nach einem Kopfballduell komisch auf, und wurde ausgewechselt. Der Meniskus war beschädigt, eine Operation war erforderlich. Nach vier Monaten und ohne weiteren Einsatz endete seine Leihe in Irland. „Das war sehr schade, denn es hat mir sehr gut dort gefallen und hätte mich sicherlich als Spieler weitergebracht“, denkt er auch heute noch mit etwas Wehmut an den Abstecher zurück, wenn er „in einem Erfurter Pub mal ein Guinness“ trinkt.

Nach Genesung und einer weiteren kurzen, diesmal verletzungsfreien Leihe zu Regionalligist Viktoria Berlin endete Dehls Vertrag bei Union. Es folgte der Wechsel zu Austria Klagenfurt in die österreichische Bundesliga. Wieder Ausland, wieder Verletzungspech: Diesmal beschäftigte den emsigen Außenverteidiger ein sogenanntes „Läuferknie“. Diese Reizung an der Oberschenkel-Außenseite plagte Dehl einige Monate. „Trotz aller Bemühungen kam ich da nie richtig auf die Beine, hatte immer wieder Schmerzen“, blickt er zurück. Das nagte an ihm, ließ ihn gar um die Karriere fürchten: „Es war mental eine schwierige Zeit. Ich verhalte mich professionell, achte auf meine Ernährung, meinen Schlaf und alles andere. Da fragt man sich schon: Warum passiert mir das immer wieder?“
Sein Onkel brachte ihm bei, Jena nicht zu mögen
Für Rot-Weiß Erfurt war es letztlich ein glücklicher Umstand, dass Dehl seine guten Anlagen höherklassig noch nicht zur Geltung bringen konnte. Im vergangenen Sommer unterbreiteten die Rot-Weißen dem leidgeplagten Blondschopf ein Angebot. „Als die Anfrage kam, war ich gerade mit meinen Eltern im Urlaub. Meine Mutter hat sich sehr gefreut, dass ich es angenommen habe“, erzählt er. Denn sie wuchs in Erfurt auf. „Als Kind war ich in den Ferien oft hier, weil wir meine Uroma besucht haben. Da war ich das eine oder andere Mal im Steigerwaldstadion – und mein Onkel hat mir beigebracht, Jena nicht zu mögen“, erklärt er grinsend.
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Doch nachdem er – noch angeschlagen – in Erfurt angekommen war, riss er sich im ersten Pokalspiel in Arenshausen das Syndesmoseband. Nach drei Monaten Zwangspause folgten in der Liga ein Platzverweis und eine weitere Verletzung. „Wenn man nicht konstant fit ist, zeigt sich das in den Leistungen“, fasst er das für ihn schwierige erste Jahr zusammen.
RWE-Talk
In der Gesprächsreihe von Funke Medien Thüringen befragt Sportchef Marco Alles regelmäßig Protagonisten des FC Rot-Weiß Erfurt zu sämtlichen Themen rund um den Verein. Im RWE-Talk geht es aber nicht nur um den Fußball, sondern auch um den Menschen hinter dem Sportler. Was zeichnet ihn aus? Was treibt ihn an? Womit beschäftigt er sich, wenn der Ball mal nicht rollt? Zu sehen sind alle Interviews auf dem Youtube-Kanal von Funke Thüringen.
Nun ist er fit, hat sich einen Stammplatz auf der rechten Seite erkämpft, wo er sich „einen Tick wohler“ fühlt als links – und ist aktuell einer der Erfolgsgaranten. In einer Mannschaft, der er zutraut, dass „uns die Kaderbreite in dieser Saison sehr weit bringen kann“.





