Es ist beinahe 30 Jahre her, dass der FC Rot-Weiß Erfurt zum ersten Mal finanziell am Abgrund stand. 1997 wurde gegen den Fußball-Regionalligisten aufgrund einer Verschuldung von über sechs Millionen D-Mark ein Insolvenzverfahren eröffnet.

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Dass der Verein dieses Verfahren nur etwa zehn Monate später erfolgreich abschließen und somit weiterexistieren konnte, hatte er einem Porschefahrer aus Coburg zu verdanken, der kurz nach der Wende nach Erfurt kam. Klaus Neumann betankte seinen Sportwagen regelmäßig in der Weimarischen Straße bei Roland Kalff, einem glühenden RWE-Fan. Der wusste um die dramatische Situation seines Herzensvereins und bat den Unternehmer um Hilfe.
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Und der half, obwohl er mit Fußball bis dato nichts am Hut hatte. Im RWE-Talk von Funke Medien Thüringen spricht der seit kurzem 81-jährige Neumann mit Sportchef Marco Alles wie bereits anlässlich seines 80. Geburtstags sowie in unserem Podcast „Die Legende vom Steigerwald – 60 Jahre FC Rot-Weiß Erfurt“ noch einmal ausgiebig über diese Episode, die ihn einst zum Retter des FC Rot-Weiß machte. Darüber, wie er an einem Donnerstag Insolvenzverwalter Günter Wagner gegenübersaß und der von ihm bis Montag 360.000 Mark verlangte oder den Verein anderenfalls hätte löschen lassen. Wie Wagner, mit dem er seitdem gut befreundet ist, ihn nach seinen Worten „am Nasenring durch die Manege zog“, indem er ihm scheibchenweise immer weitere Verbindlichkeiten und Bürgschaften abrang, die Neumann unter anderem mittels dreier Freundschaftsspiele gegen Kaiserslautern, Schalke 04 und Bayern München auftrieb. Wie er die TEAG dazu brachte, als Großsponsor mit zwei Millionen D-Mark pro Jahr bei RWE einzusteigen.
All das bezeichnet Neumann als „aufregende Zeit“, in der er sich und sein Unternehmen in der Region bekannt machte. Gleichwohl versteht er bis heute nicht, „dass Thüringen und die Landeshauptstadt diesen Traditionsverein einfach so hätten verschwinden lassen. Wenn ich nicht aufgetaucht wäre, gäbe es Rot-Weiß Erfurt nicht mehr.“
Aktuelle Nachrichten zum FC Rot-Weiß Erfurt:
Neumann, der nach der abgewendeten Insolvenz knapp zwei Jahre Präsident des FC Rot-Weiß war und bis heute dessen einziger Ehrenpräsident ist, wird im RWE-Talk auch zu anderen Themen befragt. Angefangen mit dem...
Verkauf seines Lebenswerks
Das einst mittelständische Unternehmen Neumann Bauelemente GmbH, vor dem prestigeträchtigen Wirken seines Gründers bei RWE „eines unter vielen“, entwickelte sich zu einem führenden Anbieter individueller Bauelemente. Klaus Neumann unterstützte mit seinem Geld nicht nur den FC Rot-Weiß nach eigener Angabe in Millionenhöhe, sondern im Laufe der Jahre auch viele andere Vereine, Verbände und Veranstaltungen in und um Erfurt. Unumwunden sagt er: „Das Geld, das mir das Finanzamt am Ende des Jahres ohnehin weggenommen hätte, habe ich lieber den Sportvereinen gegeben.“

Seine beiden Töchter gaben mit dem Verweis auf sein Alter und die ungeklärte Nachfolge den Anstoß dafür, dass Neumann seine Firma mit Sitz in Kranichfeld Anfang dieses Jahres verkaufte. Mit einem guten Gefühl und ohne große Wehmut: „Die drei neuen Eigentümer ergänzen sich sehr gut und führen die Firma in dem Sinn, wie ich sie aufgebaut habe, weiter.“
Das Derby und Pyrotechnik
In seiner Loge verpasst Klaus Neumann kaum ein Heimspiel der Rot-Weißen. Über die Rivalität zwischen Erfurt und Carl Zeiss Jena mit all ihren Begleiterscheinungen sagt der Zugezogene: „Für mich steht der Sport im Vordergrund. Ich konnte nur den Kopf schütteln, als sich beide Parteien in Jena mit Pyrotechnik beschossen haben. Ich habe auch mit Ultras und Hooligans gesprochen, die mir sagten: ‚Herr Neumann, das gehört einfach dazu.‘ Für mich gehört‘s nicht dazu.“

Die zweite Insolvenz 2018
Über die zweite Insolvenz 2018 wundert sich Neumann noch immer: „Nachdem Rolf Rombach den Verein 2005 als Präsident übernommen hatte, waren wir alle sicher: Alles klar, Rechtsanwalt, Konkursverwalter – da sind wir gut aufgestellt. Warum es ihm so verrutscht ist, kann nur er selbst beantworten.“

Dass sich das Insolvenzverfahren dann über fünf Jahre hinzog, nachdem das erste dank seiner Mithilfe nicht mal ein Jahr gedauert hatte, lässt ihn ebenfalls kopfschüttelnd zurück: „Das geht gar nicht. Der (Insolvenzverwalter Volker Reinhardt, Anm. d. Red.) kriegt den Auftrag, den Verein abzuwickeln, bekommt Geld dafür und das Gericht guckt fünf Jahre lang zu. Ich habe mir damals Leute gesucht, die Ahnung vom Fußballgeschäft haben. Die Berater, die er sich geholt hat, waren jenseits von Gut und Böse.“
Der neue Retter Franz Gerber
Mit dem neuen starken Mann beim FC Rot-Weiß, Geschäftsführer Franz Gerber, verbindet ihn neben der Tatsache, dass beide den Verein retteten, ein „angenehmes Miteinander“. Andererseits sehnt sich Klaus Neumann wie viele im Umfeld des Vereins nach höherklassigem Fußball als der viertklassigen Regionalliga: „Rot-Weiß Erfurt ist entwicklungsfähig. Als Landeshauptstadt musst du zweite Liga spielen.“
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Angesichts dessen schlägt er bezüglich des „neuen Retters“ Gerber auch kritische Töne an: „Er hat ein Händchen für junge Spieler, die er holt, entwickelt und weiterverkauft. Aber um aufzusteigen, musst du diese Leistungsträger halten. Dafür brauchst du Geld. Es ist nicht so, dass es in Erfurt nur arme Firmen gibt. Es fehlt wahrscheinlich an den Kontakten. Das ist immer was Persönliches. Die Firmen sind nicht zu mir gekommen, ich bin auf sie zugegangen. Und da müsste sich doch jemand finden, der sagt: Mensch, da steige ich mal mit zwei Millionen ein. Das ist ja auch nicht die Welt.“










