Thüringer Fußballer lässt Fans auf der Insel jubeln

Sheffield.  Der aus Weimar stammende Fußball-Profi Julian Börner ist privat und sportlich in England angekommen. Er sprach mit uns.

Der Weimarer Fußballer Julian Börner (28) spielt seit dem Sommer bei Sheffield Wednesday.

Der Weimarer Fußballer Julian Börner (28) spielt seit dem Sommer bei Sheffield Wednesday.

Foto: Sheffield Wednesday

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Er gehörte über den Jahreswechsel zu den meistbeschäftigten Weimarern: Fußball-Profi Julian Börner, der seit dem Sommer für Sheffield Wednesday spielt, lernte während der Feiertage die berüchtigten „englischen Wochen“ am eigenen Leib kennen. Wie es ihm auf der Insel ergeht, fragten wir den 28-jährigen Innenverteidiger.

Herr Börner, Sie waren Kapitän des Zweitligisten Arminia Bielefeld, der aktuell erster Anwärter auf den Bundesliga-Aufstieg ist. Was zog Sie nach England?

Es war immer ein Traum von mir, dort zu spielen. Jetzt, mit 28, hat sich die Gelegenheit ergeben. So viele Verträge werde ich in meinem Leben nicht mehr unterschreiben. Warum also nicht in England, zumal meine Frau und meine Tochter nun so weit waren, mitkommen zu können.

Was unterscheidet den Zweitliga-Fußball in Deutschland und in England?

Die Art zu spielen ist in der Championship schon eine andere. Hier wird gekämpft, gebissen, geackert, hier werden lange Bälle gespielt – mit viel Einsatz und Leidenschaft. Das kommt meinem Spiel sehr entgegen.

Fühlen Sie sich auch sportlich angekommen?

Als es am Anfang hieß, da kommt ein Deutscher aus der 2. Liga und dazu ablösefrei, dachte hier mancher, dass es mit mir nicht weit her sein kann. Ich glaube aber, dass ich die Leute eines Besseren belehrt habe.

Bis ich wegen einer Gelbsperre Ende November pausieren musste, habe ich fast jedes Punktspiel über die volle Zeit bestritten. Schon nach meinen ersten fünf Spielen widmeten mir die Fans ein Lied. Überhaupt ist die Mentalität der Leute hier unfassbar, sie sind sehr begeisterungsfähig, unglaublich nett und hilfsbereit.

Was war für Sie auf der Insel gewöhnungsbedürftig?

Anfangs hatte ich Bedenken, ob mein Englisch ausreicht. Inzwischen hat sich das eingepegelt. Am besten kommt wohl meine kleine Emma damit zurecht. Sie ist zweieinhalb Jahre alt und geht hier in den Kindergarten, in dem natürlich nur Englisch gesprochen wird. Nun wächst sie zweisprachig auf. Vielleicht ist sie ja irgendwann mal dafür dankbar.

An den Linksverkehr auf den Straßen hat man sich schnell gewöhnt, auch daran, dass die Bordsteine früher hochgeklappt werden. Mit dem Essen ist es schwieriger: keine Brötchen, kein Brot, nur Toast. Ich mag Wurstbemmen, doch die kennt hier keiner.

Trotzdem sind die bei Kräften geblieben. Allein zwischen 22. Dezember und 4. Januar bestritt Sheffield fünf Pflichtspiele. Wie steckt man das weg?

Englische Wochen haben wir auch in Deutschland gespielt. Allerdings war es für mich neu, über Weihnachten und Neujahr so gefordert zu sein. Früher saß ich da eher in aller Ruhe bei meinen Eltern in Weimar. Überhaupt ist das Programm hier ganz schön anspruchsvoll: 46 Ligaspiele, dazu zwei Pokalserien. Da merkt man, dass der Körper auslaugt – und der Kopf, wenn man jeden Tag die gleichen Leute sieht.

War es schwierig, die Rückennummer 13 auf die Insel hinüber zu retten?

Die 13 ist schon immer meine Nummer. Michael Ballack hat sie getragen. Er war ein Vorbild für mich. Ich habe auch an einem Freitag, dem 13., geheiratet – 2013. Aber die 13 hier zu behalten, war tatsächlich schwierig. Unser Verein gehört einem thailändischen Thunfisch-Fabrikanten.

Und der Besitzer entscheidet über die Rückennummern. Für die Thailänder ist die 13 aber eine absolute Unglückszahl. Deshalb gab es bei Wednesday bisher auch keine 13. Doch als ich unserem Owner von meinem Wunsch erzählte, sagte er völlig überraschend zu mir: Die 13 passt zu dir, sie bringt dir Glück.

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