Australien hat Spuren hinterlassen bei Jordi Ruiz. Zuallererst optisch: Sein gewohnter, an den Seiten kurz geschorener und nach unten länger werdender Bart wird ergänzt durch eine Wuschelmähne, zu der ältere Jahrgänge sagen würden: Der junge Mann hätte mal wieder einen Friseurbesuch nötig. Ein richtiger Surfer-Look, passend zu seinem Gastspiel im Sommer im Land der Kängurus, wo er die lange Spielpause in Deutschland nutzte, um in Form zu bleiben und sich in der ersten australischen Rollstuhlbasketball-Liga zu versuchen.

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Und auch spielerisch scheint er von dort eine Spur Wahnsinn mitgebracht zu haben. Es wirkte fast manisch, als der Spanier in Diensten der RSB Thuringia Bulls im dritten Viertel zwei verrückte Dreier versenkte und anschließend mit ausgestreckter Zunge, weit aufgerissenen Augen und jeder Menge „Trash Talk“, also provokativ-ironischen Äußerungen, in der Defensive den Gegner bearbeitete. Da musste sogar sein Trainer André Bienek, sonst während des Spiels eher der Typ kritischer Grübler, lachen. „Ist das nicht ein Foul?“, fragte er grinsend seine Auswechselspieler, die sich ebenfalls über das Gebaren ihres „Surfers“ Ruiz amüsierten.

Bulls-Gründer Leßmann sieht eine besondere neue Qualität

Gute Laune war Programm beim amtierenden deutschen Meister und Pokalsieger aus Elxleben. Nur viermal hatte der Kader gemeinsam trainiert, trotzdem gewann er sein in Kooperation mit Funke Medien Thüringen ausgerichtetes Bundesliga-Vorbereitungsturnier, den Funke-Cup, in beeindruckender Manier. Am Samstag gab es ein 89:57 gegen Zwickau und ein 79:55 gegen Hannover United, am Sonntag ein 115:47 gegen Bayreuth und im Finale dann ein 94:63 gegen Hannover – in den letzten Jahren immerhin die Nummer drei in Deutschland hinter den Bulls und dem RSV Lahn-Dill.

So ausgeglichen besetzt wie nie? Die beiden Neuzugänge Tomas Klein (links) und Anil Cegil (am Ball) sollen die Thuringia Bulls noch homogener machen.
So ausgeglichen besetzt wie nie? Die beiden Neuzugänge Tomas Klein (links) und Anil Cegil (am Ball) sollen die Thuringia Bulls noch homogener machen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Nach den vier klaren Siegen gegen Bundesliga-Konkurrenten meinte Trainer Bienek: „Offensiv war das wirklich schon sehr gut.“ Und danach gefragt, ob er auf einmal das Lachen während des Spiels gelernt habe: „Wenn alle so viel Spaß miteinander haben, färbt das auch auf den Trainer ab.“ Bulls-Gründer und Teammanager Lutz Leßmann sah sich in seiner mutigen Prognose für seine auf zwei Positionen veränderte Mannschaft bestätigt: „Ich glaube, unser Team war von Position eins bis zehn noch nie so ausgeglichen besetzt wie jetzt.“

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Neuer Kapitän Gloßner: „Große Fußstapfen und eine große Ehre“

Dabei war im Finale zunächst etwas Sand im Getriebe. Die in der Spitze ebenfalls gut besetzten Hannoveraner – immerhin Pokalfinalist und Bundesliga-Halbfinalist der letzten Saison und dort jeweils den Bulls unterlegen – führten nach dem ersten Drittel mit 20:16, waren zur Halbzeit mit 34:39 noch in Schlagdistanz. Dann brachte Michael Tallai den Sieg mit. Der Geschäftsführer von Funke Medien Thüringen, der im dritten Viertel in die Halle kam und am Ende die Pokale übergab, sah eine tolle zweite Halbzeit des siebenmaligen Meisters und viermaligen Pokalsiegers. Im dritten Abschnitt zog er auf 63:43 davon und baute den Vorsprung im Schlussviertel weiter aus.

Brachte den Sieg mit und übergab den Pokal: Als Funke-Thüringen-Geschäftsführer Michael Tallai (hier mit Bulls-Kapitän Lukas Gloßner) in die Halle kam, legten die Elxlebener auf dem Feld so richtig los.
Brachte den Sieg mit und übergab den Pokal: Als Funke-Thüringen-Geschäftsführer Michael Tallai (hier mit Bulls-Kapitän Lukas Gloßner) in die Halle kam, legten die Elxlebener auf dem Feld so richtig los. © FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Als sogar der sonst nicht fürs Punkten zuständige Lukas Gloßner kurz vor Schluss einen Wurf butterweich versenkte, rief der australische Neuzugang Tomas Klein überschwänglich: „This is our captain!“ Ja, André Bienek hatte Gloßner zum neuen Kapitän bestimmt, nachdem Jens Albrecht vorerst nicht mehr spielt und jetzt Co-Trainer ist. Der 25-jährige Bajuware, erst im zweiten Jahr in Elxleben, meinte stolz: „Das sind große Fußstapfen und ist eine große Ehre für mich. Aber ich traue es mir zu. Wir haben eine tolle Teamchemie. Alle haben Bock, gemeinsam eine geile Saison zu erleben.“