Matze und Tommy waren ziemlich geknickt. Michael Engel, der mit ihnen als Bundestrainer Bronze bei den Paralympics 2024 geholt hatte, sah keinen Grund, Matthias Güntner und Thomas Böhme auf das Offensichtliche anzusprechen. Das Ergebnis sprach für sich: Mit 99:51 hatten die Thuringia Bulls Anfang Dezember das Duell der beiden besten deutschen Rollstuhlbasketball-Teams gegen Güntners und Böhmes RSV Lahn-Dill so hoch gewonnen wie noch nie und den Rekordmeister aus dem Pokalwettbewerb geworfen.

Auf der einen Seite greift Engel, Ex-Coach der Bulls und nun deren Sportlicher Leiter und Marketingbeauftragter, mit Blick auf den Saisonstart mit sechs Kantersiegen in der Bundesliga und jenem im DRS-Pokal zum Superlativ: „Ich habe noch nie eine Mannschaft so spielen sehen, es läuft wie geschnitten Brot.“ Trainer André Bienek und Co-Trainer Jens Albrecht hätten die Elxlebener „auf ein Niveau entwickelt, wo sie im Kollektiv von eins bis zehn offensiv wie defensiv noch nie waren“. Bemerkenswerte Aussagen, wenn man bedenkt, dass die Bulls unter Engel zwischen April 2018 und März 2021 wettbewerbsübergreifend 75 Spiele in Folge gewannen und die beste Mannschaft Europas waren.

Sie haben die Mannschaft auf ein Niveau entwickelt, wo sie im Kollektiv von eins bis zehn offensiv wie defensiv noch nie war.

Michael Engel, der einstige Erfolgstrainer lobt seinen Nachfolger André Bienek und dessen Co-Trainer Jens Albrecht

Enge Zusammenarbeit zwischen Bulls und Löwen

Andererseits weiß Engel selbst nur zu gut, dass es nicht problemlos von Sieg zu Sieg weitergehen wird. Damals endete die scheinbar endlose Serie mit einer heftigen 54:82-Pleite in Wetzlar bei Lahn-Dill. Und genau dort tritt der Deutsche Meister am Samstag (16 Uhr) im Bundesliga-Topspiel der beiden bisher ungeschlagenen Spitzenteams wieder an. Der einstige Erfolgstrainer mahnt: „Die Trefferquote unseres Teams war bisher galaktisch, das wird nicht so bleiben. Die Spiele werden enger, die Ergebnisse knapper werden. Sicher schon am Samstag, denn Lahn-Dill hat grundsätzlich eine stärkere Mannschaft als letzte Saison und wird mit deutlich mehr Energie auftreten als vor einem Monat.“

BASKETBALL  PRO B SUED 5. SPIELTAG BASKETBALL LÖWEN VS.FC BAYERN BASKETBALL II
Heiß auf den dritten Sieg in Folge: Nach den Bulls werden am Sonntag die Basketball-Löwen Erfurt in der Riethsporthalle spielen.© Archiv | Sascha Fromm

Das Duell am Samstag läutet für die Thuringia Bulls einen bis dato einzigartigen Doppel-Doppelspieltag ein. Denn sie empfangen am Sonntag (14.30 Uhr/Funke Medien Thüringen überträgt das Spiel im Livestream) den BBC Münsterland in der Erfurter Riethsporthalle. Einmal pro Saison richten die Bulls dort gemeinsam mit den CATL Basketball-Löwen Erfurt, die im Anschluss um 18 Uhr in der Pro B Süd die Fellbach Flashers empfangen, einen inklusiven Doppelspieltag aus. Da die Erfurter Basketballer nahezu täglich im Fit-In, der Heimstätte der Bulls, trainieren, es auch schon gemeinsame Einheiten gab und die Vereine organisatorisch eng zusammenarbeiten, empfindet Engel es als „wichtig, diese gelebte Inklusion auch immer wieder sichtbar zu machen“.

Auch im Champions Cup ein heißer Titelkandidat

Dass Ministerpräsident Mario Voigt den Spieltag mit den gerade zur Thüringer Mannschaft des Jahres 2025 gewählten Bulls und den Löwen als Schirmherr unterstützt und Staatskanzlei-Chef Stefan Gruhner vor Ort sein wird, unterstreiche die Relevanz des Behindertensports und des Inklusionsthemas. Die Wartezeit zwischen den beiden Spielen – bedingt durch die Terminvorgaben der Ligen – wird mit einem kurzweiligen Rahmenprogramm überbrückt.

ROLLSTUHL-BASKETBALL CHAMPIONS CUP - VIERTELFINALE -  THURINGIA BULLS VS. FENERBAHÇE SPOR KULÜBÜ ISTANBUL
Letztes Jahr im März richteten die Thuringia Bulls das Viertelfinalturnier im Champions Cup aus, diesmal sind sie Anfang Februar Gastgeber bei der Vorrunde. © Archiv | Sascha Fromm

Zwar richten die Bulls ihren Fokus voll auf dieses Wochenende, doch in den ersten Wochen der Wahrheit, in denen danach auch die Duelle in Wiesbaden (25. Januar) und Hannover (31. Januar) warten, taucht am Horizont bereits der Kampf um Europas Krone auf. Den Champions Cup konnten sie 2018 und 2019 gewinnen, waren in den letzten Jahren stets im Final-Four dabei. Da die Elxlebener im Vorjahr jedoch im Halbfinale scheiterten, müssen sie diesmal anders als gewohnt an der Vorrunde teilnehmen. Diese richten sie vom 6. bis 8. Februar selbst aus. Zu Gast im „Bullenstall“ sind dann Galatasaray Istanbul, Italiens Tabellenführer Dinamo Sassari sowie dessen sardinischer Nachbar Porto Torres. Zwei der vier Teams qualifizieren sich fürs Viertelfinale, das die Bulls dann entweder nach Giulianova (Italien) oder Albacete (Spanien) führen würde.

Klar ist: Schaffen sie es, ihre bisherige Form einigermaßen zu konservieren, sind sie nicht nur in der Bundesliga und im Pokal, sondern auch im Champions Cup ein heißer Titelkandidat.