Der Traum von Graz lebt auf. Den Handballerinnen des Thüringer HC ist ein erster Schritt Richtung Final Four in Österreich gelungen. Im Hinspiel des European-League-Viertelfinals gegen Valcea setzten sie sich dank einer Gala von Rückraum-Ass Johanna Reichert und einer mental wie defensiv herausragenden Vorstellung am Samstag 35:29 (17:15) durch. Mit einem Plus von sechs Toren hat der Thüringer Bundesligist eine große Chance, im Rückspiel am Sonntag in einer Woche bei den Rumäninnen (14 Uhr) den zweiten Einzug ins Finalturnier zu schaffen. Bereits 2023 hatte der THC den Sprung dorthin geschafft und wurde damals Vierter.

„Ein schönes Ergebnis. Aber es ist erst Halbzeit“, sagte THC-Trainer Herbert Müller und war glücklich, einen Sieg vorgelegt zu haben. Vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft Handball gespielt und das Duell bis auf wenige Phasen kontrolliert hatte, strich er heraus. Johanna Reichert hob er dabei noch hervor. Die Österreicherin warf sich mit fast schon unglaublichen 15 Toren ins Blickfeld, dass selbst Valceas Sportdirektor Vladur Nitisor schwer beeindruckt den THC-Coach dafür beglückwünschte.

Valceas Mia Zschocke kündigt harten Kampf im Rückspiel an

Ein packendes Duell sahen die 1200 Zuschauer bereits in der Salza-Halle, in der sich beide Teams in der zweiten Hälfte einen offenen Schlagabtausch lieferten. Zur Freude von THC-Coach Müller baute sein Team den Vorsprung in den letzten 19 Minuten noch einmal von zwei Toren auf sechs aus. Die Hereinnahme von Csenge Kuczora zahlte sich aus. Als es eng wurde, fing sie einen Pass im Zurücklaufen weg und verhinderte so einen erfolgreichen Gegenstoß. In der Folge legten die THC-Frauen noch einmal zu. Sie konnten zudem auf einen starken Rückhalt mit Torhüterin Dinah Eckerle (14 Paraden) zählen.

Gästefans entfachen Feuerwerk, die Musik macht der Thüringer HC

„Um eine Chance auf ein Weiterkommen zu haben, müssen wir vorlegen. Am besten vier, fünf Tore. Aber dafür braucht es einen besonderen Tag“, sagte Müller im Vorfeld. Er hoffte auf einen so fabelhaften Auftritt, wie ihn seine Mannschaft auf Europas Bühne in der Gruppenphase zweimal daheim hingelegt hatte. Nach zwei schmerzhaften Niederlagen in der Bundesliga, die sein Team auf den vierten Platz zurückfallen ließ, knüpfte der THC an diese starken Spiele an. Vor allem defensiv steigerte sich der geschwächte Kader, legte alle Kräfte in die Partie und ließ den bis zuletzt aufopferungsvoll kämpfenden Achten der starken rumänischen Liga nur phasenweise ins Spiel kommen.

Die per Bus angereisten rumänischen Fans entfachten ein stimmgewaltiges Feuerwerk, um ihr Team in der so wichtigen Partie zu tragen. Die Musik auf dem Belag machten indes die einheimischen Spielerinnen. Sie legten wie entfesselt los. Die Abwehr stand, Dinah Eckerle hielt famos und Johanna Reichert lieferte eine Show, die Valceas Rückraum in den Schatten stellte. Neunmal traf sie bis zur Pause und warf ihr Team zwischenzeitlich zu einem Plus von sieben Treffern (13:7, 19.). Valcea schien allein von der Strafwurflinie zum Erfolg zu kommen. Aus dem Positionsspiel gelang fast nichts.

Kurzes Nachlassen bringt Valcea ins Spiel

Das änderte sich, als die Thüringerinnen nachließen. Im Gegensatz zu Julie Foggea bekam Ionana Kelemen nach der Hereinnahme die Hände mehrfach an den Ball. Überhastete THC-Würfe waren dabei und ließen die Partie im Zusammenspiel mit technischen Fehlern kippen. In Windeseile kamen die bis dahin abgemeldeten Gäste über ihr Tempospiel heran. Weil Dinah Eckerle hielt und Julie Holm beherzt durchmarschierte, blieb nach 30 Minuten ein Zwei-Tore-Plus (17:15).

Die Wochen hatten Energie gekostet. Doch die THC-Handballerinnen mobilisierten weiter alle Kräfte, kämpften. Spätestens durch den Treffer von Josefine Hanfland fünf Minuten vor Schluss zum 31:25 (54.) war der Sieg sicher.