Tour de France

Tour de France: Pogacar siegt vor Roglic – Bernal bricht ein

Grand Colombier.  Bei der Bergankunft am Grand Colombier mussten einige Favoriten abreißen lassen. Roglic bleibt aber weiter in gelb, Pogacar siegt.

Der Slowene Tadej Pogacar (r.) setzt sich im Zielsprint der 15. Tour-Etappe gegen seinen Landsmann Primoz Roglic durch.

Der Slowene Tadej Pogacar (r.) setzt sich im Zielsprint der 15. Tour-Etappe gegen seinen Landsmann Primoz Roglic durch.

Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT / AFP

Tadej Pogacar hauchte einen Kuss in die Luft und breitete im Ziel jubelnd die Arme aus, dann machte der Jungstar dem Mann in Gelb eine Kampfansage: „Mein Plan ist es jetzt, um den Toursieg zu kämpfen“, sagte das 21 Jahre alte Radsport-Wunderkind – das Rennen um den Gesamtsieg bei der Tour de France wird zum slowenischen Privatduell.

Im Showdown der Top-Favoriten verteidigte Primoz Roglic zwar die Gesamtführung, die erwartete Machtdemonstration blieb allerdings aus – der stärkste Fahrer im Feld ist vor der Schlusswoche sein Landsmann und Kumpel Pogacar. Für Egan Bernal ist die Mission Titelverteidigung derweil vorzeitig beendet.

Pogacar gewann am Sonntag die brutale 15. Etappe mit der Zielankunft am Grand Colombier. Der Shootingstar vom Team UAE Emirates verwies im Bergaufsprint Roglic auf den zweiten Rang. Dritter wurde der Australier Richie Porte (Trek-Segafredo).

Titelverteidiger Egan Bernal verliert 7:20 Minuten auf die Spitzengruppe

„Es war eine sehr, sehr schwere Etappe. Jumbo war so stark, da hat es keinen Sinn gemacht zu attackieren“, sagte Pogacar angesichts der starken Vorarbeit von Roglics Jumbo-Team: „Also habe ich auf den Sprint gehofft. Einige Fahrer mussten heute bezahlen.“

Roglics Vorsprung auf Pogacar verringerte sich auf 40 Sekunden. Einen Teilerfolg verbuchte Roglic dennoch: Ineos-Kapitän Bernal brach am Schlussanstieg ein und verlor 7:20 Minuten auf die Spitzengruppe.

Die im Zentralmassiv zuletzt sehr aktiven Bora-Profis Maximilian Schachmann (Berlin) und Lennard Kämna (Wedel) sparten am Sonntag Kräfte. In den Alpen ist dagegen mit erneuten Attacken der beiden Jungstars zu rechnen. Ihr als Hoffnungsträger gestarteter Teamkollege Emanuel Buchmann (Ravensburg) ist weiter außer Form, in den vergangenen Tagen plagte ihn zudem eine Erkältung.

Simon Geschke lange in der Spitzengruppe dabei

Dafür zeigte sich der Berliner Simon Geschke (CCC). Der Etappensieger von 2015 war einer von acht Radprofis, die beim rund 100 km langen „Einrollen“ vor den drei schwierigen Anstiegen des Tages in eine Fluchtgruppe fuhren. Geschke hielt sich lange an der Spitze. Eine Chance auf den Sieg hatte er wie die anderen Ausreißer aber nicht.

Das Hauptfeld war schon an der bis zu 22 (!) Prozent steilen Montee de la Selle de Fromentel auf eine Gruppe um die Top-Favoriten und ihre Helfer geschrumpft. Auch am Col de la Biche gerieten Fahrer aufgrund des hohen Tempos der Jumbo-Mannschaft in Probleme, einige Bernal-Helfer waren ebenfalls betroffen.

Am Grand Colombier, wo bei der Tour stets die Kolumbianer groß aufgetrumpft hatten, zeigten ausgerechnet die Südamerikaner zuerst Schwächen: Sowohl Nairo Quintana als auch Bernal ließen schon 13 km vor dem Ziel abreißen. Für den 23 Jahre alten Vorjahressieger geriet der Traum vom erneuten Triumph in Paris in weite Ferne. Die Entscheidung über den Tagessieg fiel im Zielsprint - dabei erwies sich Pogacar als der stärkste.

Ein ungewohntes Bild zeigte sich am Schlussanstieg sowie bei der zweiten Bergwertung am Col de la Biche: Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hatte das Departement Ain den Zugang für Fans zu den Bergen gesperrt. Statt durch eine Menschenmenge kletterten Roglic und Co. über weitgehend leere Pässe, begleitet hauptsächlich vom Lärm der Begleitfahrzeuge und TV-Helikopter.

Tour de France: Ruhetag am Montag

Am Samstag auf dem Weg nach Lyon hatten sich Roglic und Co. weitgehend geschont - am Sonntag waren die Gelb-Favoriten schließlich reichlich gefordert. Erst im Finale attackierte Bernal, die Tempoverschärfung parierten die Rivalen aber problemlos. Jubel herrschte beim Dänen Sören Kragh Andersen, der erstmals eine Tour-Etappe gewann und dem deutsch-lizenzierten Team Sunweb den zweiten Tageserfolg bei der diesjährigen Großen Schleife bescherte.

Am Montag steht neben dem zweiten Ruhetag auch die vierte und letzte Corona-Testreihe der Tour 2020 auf dem Plan. Wie bereits in der Vorwoche gilt: Zwei positive Tests in einem Team - egal ob Fahrer, Mechaniker oder Masseur - führen zum Ausschluss der betroffenen Mannschaft. Selbst Roglic als Träger des Gelben Trikots könnte ausgeschlossen werden.