Weil Deutschland zu teuer ist, ziehen immer mehr Airlines Flugzeuge aus der Bundesrepublik ab. Zuletzt verkündete der irische Billigflieger Ryanair Kürzungen im Winterflugplan auf zahlreichen Strecken von und nach Deutschland. Die Kritik der Branche an der Merz-Regierung, die sich bislang nicht auf Zugeständnisse wie eine Senkung der Luftverkehrssteuer einigen konnte, wächst. Jetzt wagt der Tourismus-Koordinator der Bundesregierung und CDU-Abgeordnete Christoph Ploß einen neuen Vorstoß, den man vor allem als Zeichen an die Lufthansa, die nach wie vor mit Streckenstreichungen im Inland droht, verstehen kann.
Auch interessant
„Die von der Ampel angehobene Luftverkehrsteuer muss so schnell wie möglich gesenkt werden – zum Beispiel in einem ersten Schritt bei Inlandsflügen“, sagte Ploß dieser Redaktion. Ein Vorschlag, der nun zunächst vor allem innerhalb der Union diskutiert werden dürfte. Denkbar erscheint die Variante, die Luftverkehrssteuer bei Hin- und Rückflügen im Inland nur einmal zu erheben. So hatte es auch die Branche selbst schon gefordert.
Fliegen: Bundeskanzler Merz will Branche entlasten
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Ende September davon gesprochen, dass es aus seiner Sicht nötig sei, den „deutschen Luftverkehr von übermäßigen Belastungen zu entlasten“. Auch die SPD trägt Entlastungen mit, pocht aber auf eine solide Gegenfinanzierung. Eine immer wieder genannte Rücknahme der von der Ampel im vergangenen Jahr erhöhten Luftverkehrssteuer ist nicht vom Tisch, würde aber gut 350 Millionen Euro jährlich kosten. Ploß‘ Vorstoß käme da deutlich günstiger. Der Handlungsbedarf sei dringend, so der Politiker.
„Dass immer mehr innerdeutsche und internationale Flugverbindungen wegfallen, ist die Folge der in ganz Deutschland viel zu hohen Standortkosten“, sagte Ploß. Als Folge würde nicht nur der wohlverdiente Urlaub immer unerschwinglicher werden, auch die Regionen litten. „Ob das Münsterland, Stuttgart oder Sachsen: Wenn Flüge von diesen Regionen und in diese Regionen gestrichen werden, wird der dortige Wirtschafts- und Tourismusstandort abgehängt. Deutschland braucht starke Fluggesellschaften, leistungsfähige Flughäfen und eine wettbewerbsfähige Luftfahrtindustrie“, erklärte der Hamburger Abgeordnete weiter.
Fliegen: Lufthansa droht offen mit Abzug von Flugzeugen
Ploß reagierte damit auch auf Drohungen der Fluggesellschaft Lufthansa, Flüge von deutschen Airports zu streichen. Seien Strecken unrentabel, sei man gezwungen, Flugzeuge woanders einzusetzen, hatte Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter vor gut drei Wochen gegenüber dieser Redaktion gesagt. Ritter nannte konkret die Airports Bremen, Dresden, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg und Stuttgart. Teile der Branche interpretierten das auch als Streichliste. Lufthansa selbst will Ende Oktober den Sommerflugplan vorstellen – und dann möglicherweise auch Klarheit in dieser Hinsicht schaffen.
Auch interessant
In Deutschland ist die Zahl der Inlandsflüge in den letzten Jahren massiv gesunken. Dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zufolge ist das Angebot seit 2019 um 84 Prozent zurückgegangen. Konkret fanden vor sechs Jahren noch 238.600 Inlandsflüge in Deutschland statt, in diesem Jahr sollen es den BDL-Zahlen zufolge nur noch 117.600 sein. BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang pochte gegenüber dieser Redaktion weiter auf die Rücknahme der erhöhten Luftverkehrssteuer. „Das würde es für Airlines auch wieder attraktiver machen, zusätzliche Flüge ab Deutschland in andere europäische Länder oder auf der Langstrecke anzubieten“, so Lang.





