Sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer in der Gastronomie: Mit dieser Steuersenkung ab Anfang 2026 wollte die Bundesregierung allen, die gern essen gehen, und auch den Unternehmen selbst Anreize bieten. Die Restaurants könnten ihre Preise senken, die Nachfrage von Kundinnen und Kunden würde sogar steigen – so der Plan. Doch offenbar ist der nicht aufgegangen, wie eine Recherche des „Spiegel“ zeigt.

Das Nachrichtenmagazin hat die Speisekarten von zehn bundesweit agierenden Restaurantketten untersucht und festgestellt, dass es nur wenig Bewegung bei den Preisen gegeben hat. In 45 Restaurants von Dunkin’ Donuts, Five Guys, Pizza Hut und Dean & David seien ebenso wie in einer Filiale der Block-House-Restaurants sämtliche Preise unverändert geblieben.

Mehrwertsteuer gesenkt: Peter Pane senkt Burger-Preise, L’Osteria nur bei einem Gericht

Filialen von Peter Pane senkten die Preise demnach bei acht Gerichten. Die Burger Überflieger und Caesar‘s wurden beispielsweise um einen Euro günstiger. Im Durchschnitt sanken die Preise allerdings im Mittel lediglich um 0,7 Prozent. Damit liefert das Burger-Restaurant trotzdem den Spitzenwert. Bei L‘Osteria wurde nur ein Gericht je nach Filiale um 21 bis 25 Prozent günstiger: die Tomatensuppe.

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Bei Ikea ist hingegen ein Gericht teurer geworden: Die Entenkeule kostete zum ersten Stichprobenzeitpunkt am 8. Dezember 2025 noch 11,95 Euro. Am 15. Januar war sie einen Euro teurer. Doch am stärksten fällt die Preisänderung bei der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) aus: In den 16 untersuchten Filialen unterschied sich im Januar jeder dritte Preis im Vergleich zu Dezember. Aber statt Vergünstigungen gab es höhere Preise.

KFC erhöht Preise – trotz Mehrwertsteuersenkung

In neun Filialen gab es dem „Spiegel“ zufolge über alle Gerichte hinweg gemittelt einen Anstieg. In sechs Filialen gab es kleinere Senkungen um höchstens 0,8 Prozent. Aber im Schnitt wurden die Preise pro Gericht um 1,2 Prozent erhöht. Dabei fiel dem Nachrichtenmagazin vor allem eine Filiale in Kiel negativ auf, die im Mittel die Preise pro Gericht um 6,4 Prozent erhöhte. Die große Portion Pommes kostete demnach im Januar 2,99 Euro statt wie zuvor 1,99 Euro – ein Plus von 50 Prozent.

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Konfrontiert mit den Ergebnissen hieß es vom US-amerikanischen Franchise, sie habe Mitte Januar die unverbindlichen Preisempfehlungen für drei Gerichte – den Twister-Wrap, für 3er Hot Wings und den Maiskolben – gesenkt. Laut „Spiegel“ sei das in vielen Franchise-Restaurants auch befolgt worden. KFC argumentierte außerdem mit dem zu Jahresbeginn gestiegenen Mindestlohn. Die Senkung der Mehrwertsteuer habe den Lohnsprung abgefedert, heißt es.

Restaurants geben Mehrwertsteuer nicht an Kunden weiter – so argumentieren die Unternehmen

Auch die Pressestelle der L‘Osteria antwortete dem „Spiegel“, die gesenkte Mehrwertsteuer ermögliche es dem Unternehmen, „die Mehrkosten intern aufzufangen, statt sie an unsere Gäste weiterzureichen“. Beim Block House sei es hingegen „aktuell nicht möglich“, die Preissenkungen an Kundinnen und Kunden weiterzugeben, hieß es von den Steak-Restaurants.

Der Bundesverband der Systemgastronomie wertete die niedrigere Mehrwertsteuer dem Magazin zufolge als „dringend benötigtes Signal zur Entlastung der Branche“.

Verbraucherschützerin Ramona Pop äußerte dem „Spiegel“ gegenüber hingegen Kritik an der Steuersenkung: „Menschen, die sich wegen der hohen Lebenshaltungskosten ohnehin keinen Restaurantbesuch mehr leisten können, gehen wohl kaum wegen der Steuersenkung häufiger essen.“ Sinnvoller wäre es Pop zufolge, die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abzuschaffen. „Von dieser finanziellen Entlastung hätten alle profitiert.“

viv mit afp