Zusammenfassung
- Thüringer Senioren begleiten Auszubildende, die mit Motivation oder Sprachproblemen kämpfen, im Programm Veraplus durch die Ausbildung.
- Die ehrenamtlichen Mentoren helfen nicht nur beim Lernen, sondern unterstützen die Jugendlichen oft auch im Alltag und bei persönlichen Problemen.
- Das Programm richtet sich vor allem an Azubis mit Schwierigkeiten und wird von Industrie- und Handelskammern sowie Bundesministerien unterstützt.
Sinkende Leistungsbereitschaft, kurze Konzentration, Defizite in Kommunikation, Teamfähigkeit, Disziplin und Belastbarkeit der Auszubildenden werden von vielen Unternehmen beklagt. Das kann Marina Ohlendorf, Erfurter Regionalkoordinatorin des Veraplus-Programms des Senioren-Experten-Services SES, nur bestätigen: „Fehlende Motivation ist neben mangelnden Mathematik-Kenntnissen das größte Manko vieler deutscher Azubis“. Die Herkunft betont sie deshalb, weil im Rahmen des Programms auch jugendliche Migranten und im Ausland angeworbene angehende Fachkräfte von den ehrenamtlichen Mentoren betreut werden. Und bei denen mangele es nicht an der Motivation, sondern meist an den Sprachkenntnissen.
Begleitung mal für Wochen, mal für Jahre
Mit dem Veraplus-Programm sollen Azubis, die absehbar gar nicht oder nur schwer den Abschluss schaffen, von erfahrenen Mentoren durch die Ausbildung begleitet werden – „mal nur für einige Monate, mal die ganzen Jahre“, so Elke Schmiedeknecht, Regionalkoordinatorin für Ostthüringen.
Fehlende Motivation ist das größte Manko vieler deutscher Azubis.“
Marina Ohlendorf, Erfurter Regionalkoordinatorin des Veraplus-Programms vom SES
Allein in Thüringen haben sich über 200 Senioren für das Programm registrieren lassen, bundesweit sind es weit über 14.000. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit etwa 2600 Azubis begleitet, in Thüringen etwa 120. Unterstützt wird Veraplus (eine Abkürzung von „Verbesserung von Ausbildungserfolgen“) von den Industrie- und Handelskammern sowie verschiedenen Bundesministerien.
Einige Jugendliche wenden sich selbst an die Koordinierungsstellen, bei anderen vermitteln die Firmen, Berufsschulen oder Sozialarbeiter den Kontakt. „Wir betreuen ja keine guten Schüler, wie man so sagt, sondern Azubis mit Problemen“, erklärt Marina Ohlendorf.
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In der Regel findet die Ausbildungsbegleitung, also etwa die Aufarbeitung des Lernstoffs, am Nachmittag statt. „Da muss man schon aufpassen, dass das für die jungen Leute nicht so viel wird“, weiß Elke Schmiedeknecht. „Irgendwann haben sie einfach die Nase voll und wollen noch bisschen Freizeit haben.“ Es gäbe aber auch Firmen, die eine Begleitung während der Arbeitszeit erlauben, um die Azubis zusätzlich zu motivieren.
Oft geht es nicht um das Fachliche, sondern um den Alltag.“
Elke Schmiedeknecht, Ostthüringer Regionalkoordinatorin des Veraplus-Programms vom SES
Dabei geht es nicht nur um das Fachliche. „Oft zeigt sich in den ersten Gesprächen, dass die jungen Leute jemanden brauchen, damit sie sich im Alltag, im Leben zurechtfinden. Wir sind dann nicht nur nach Plan, sondern nahezu immer für unsere Schützlinge da.“
Hilfe auch mal mitten in der Nacht
So wurde ein Ausbildungsbegleiter von seinem Schützling mal mitten in der Nacht angerufen, weil dieser in Dresden gestrandet war und nicht wieder zurückkam. „Zum Glück wohnte ein Verwandter des Mentors in der Nähe und konnte den jungen Mann auf die Heimreise schicken.“
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Ein großes Thema einiger Azubis sei das Sozialverhalten. „In einer Tischlerei begann die Arbeit um acht Uhr. Eine neue Auszubildende kam immer erst halb neun. Als der Meister sie bat, doch bitte pünktlich zu sein, erwiderte sie, wenn er so streng sei, würde sie kündigen. Als der Meister die Hauptschülerin darauf hinwies, dass sie das mit ihren 16 Jahren gar nicht entscheiden könne, kamen am nächsten Tag die Eltern und erklärten dem Meister, wenn er ihre Tochter weiterhin jeden Morgen ermahne, würden sie das Lehrverhältnis kündigen“, erinnert sich Marina Ohlendorf.
Wer Interesse hat und bei Veraplus mitmachen will: www.vera.ses-bonn.de







