Der „Weg der Wölfe“ führt durch vier Schutzgebiete des Apennins in den mittelitalienischen Regionen Abruzzen und Latium. Er erstreckt sich über 14 Etappen von Civitella Alfedena bis Tivoli bei Rom und hat eine Gesamtlänge von 215 Kilometern. Der Weg gilt als besonderes Highlight wegen seiner landschaftlichen Schönheit und Artenvielfalt. In der Region lebt eine größere Wolfspopulation, die in den vergangenen Jahren weiter gewachsen ist. Das Zusammenleben mit der lokalen Bevölkerung ist jedoch schwierig: Viehzüchter klagen seit Jahren über erhebliche Schäden durch Wolfsangriffe auf Nutztiere.
Zehn Wölfe sind in den vergangenen Tagen im Nationalpark Abruzzen getötet worden, wo die Beutetiere unter Schutz stehen. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich in allen Fällen um Vergiftungen. Die örtliche Staatsanwaltschaft ermittelt. Fünf Tiere wurden in der Gemeinde Civitella Alfedena entdeckt – vermutlich wurde dort ein ganzes Rudel durch Giftköder ausgelöscht.
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Italien: Wölfe sterben durch Giftköder – „Eines der schwersten Verbrechen gegen die Natur der letzten Jahre“
Es handle sich um „äußerst schwerwiegende Taten, nicht nur illegal, sondern auch schädlich für ein Naturerbe von unschätzbarem Wert“, erklärte Parkdirektor Luciano Sammarone. Vor dem Hintergrund einer zunehmend hitzigen Debatte über den Status und das Management des Wolfs sei es entscheidend zu betonen, dass jede Form illegalen Handelns und von Selbstjustiz inakzeptabel sei und in keiner Weise gerechtfertigt werden könne. Der Einsatz vergifteter Köder stelle zudem eine Gefahr für verschiedene Arten dar, auch für den Braunbären, eine in dieser Apenninregion gefährdete Tierart. Sammarone rief die Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit den Justizbehörden bei der Aufklärung des Falls auf.
Besorgt zeigte sich auch die ermittelnde Staatsanwaltschaft. „Bären und Wölfe sind Ausdruck der Kultur dieser Region“, sagte der leitende Staatsanwalt Luciano D‘Angelo laut Medienberichten. Der Einsatz von Gift sei besonders problematisch, da er wahllos wirke und auch andere Wild- und Haustiere gefährde.
Die Naturschutzorganisation WWF verurteilte den Tod der zehn Wölfe scharf und sprach von „einem der schwersten Verbrechen gegen die Natur der letzten Jahre“. Nach Ansicht der Organisation könnte die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs auf europäischer Ebene Wilderei begünstigen. Wölfe seien ein zentraler Bestandteil der Biodiversität in Italien und spielten eine wichtige Rolle im Ökosystem. Wirtschaftliche Schäden könnten solche Taten nicht rechtfertigen.
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In Italien leben mehr Wölfe als in jedem anderen Land
Nach Angaben von Experten leben in Italien rund 3.500 Wölfe – mehr als in jedem anderen EU-Land. Die Population ist sowohl in ländlichen Gebieten als auch in Stadtnähe gewachsen. In Regionen mit intensiver Alm- und Weidewirtschaft stellen Wölfe ein zunehmendes Problem dar – nicht nur in den Abruzzen, sondern auch in alpinen Regionen wie Trentino-Südtirol.
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Das Europäische Parlament hat vor einem Jahr eine Verordnung gebilligt, mit der der Schutzstatus des Wolfs in der EU von „streng geschützt“ auf „geschützt“ abgesenkt wurde. Damit erhalten Mitgliedstaaten mehr Spielraum, Maßnahmen zum Management wachsender Wolfspopulationen zu ergreifen. Wölfe haben jetzt den gleichen Status wie etwa Murmeltier, Gams oder Steinbock. Die Änderung erlaubt es künftig den Mitgliedstaaten, Maßnahmen zu ergreifen, um die wachsenden Wolfspopulationen dort zu managen, wo es der Schutz der Bürger und die Konflikte mit der Landwirtschaft verlangen. Durch die Herabstufung des Schutzstatus entfällt auch die Verpflichtung zu Herdenschutzmaßnahmen.
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Umweltschützer warnen vor möglichen Folgen. Denn in Italien nimmt die Zahl tot aufgefundener Wölfe bereits zu. Die Tierschutzvereinigung „Io non ho paura del lupo“ („Ich habe keine Angst vor dem Wolf“) hat das Phänomen in einem ersten Bericht auf Grundlage offizieller Daten untersucht. Demnach wurden zwischen 2019 und 2023 landesweit 1.639 tote Wölfe registriert – ein Anstieg von 210 Fällen im Jahr 2019 auf 449 im Jahr 2023, was mehr als einem toten Tier pro Tag entspricht.
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Die Zahl hat sich damit mehr als verdoppelt. Dies spiegele zwar auch das Wachstum der Wolfspopulation wider, zeige jedoch zugleich den zunehmenden Druck durch menschliche Einflüsse: Rund 70 Prozent der Todesfälle stehen direkt oder indirekt im Zusammenhang mit dem Menschen. Besonders betroffen sind die Abruzzen, doch das Problem reicht über Italien hinaus: In Österreich wurde im Vorjahr Berichten zufolge etwa jeder fünfte nachgewiesene Wolf getötet.








