Ein Regenschirm und Magie: Sie machten Mary Poppins vor gut 90 Jahren zum perfekten Kindermädchen. Marie Bot braucht dazu ein Jahrhundert später eine Steckdose. Sie ist ein Roboter in Menschengestalt – ein KIndermädchen – der mit aufgeladenen Akkus seine ganz eigene Zauberkraft entwickelt.

Sonntag
Der Gute Woche-Newsletter
Alles Gute aus Thüringen in einem Newsletter - jede Woche gute Nachrichten
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das ist bitter nötig bei Familie Kalliske. Jens und Susanne, die Eltern von Karla (11) und Finn (fast 8), arbeiten (zu) viel und eine Armada von Babysittern gibt sich die Klinke in die Hand. Oma Hilde hilft auch – bis sie einen Herzinfarkt hat. Als Marie Bot einzieht, macht sie in Lichtgeschwindigkeit und mit chronisch guter Laune aus dem Chaos-Haushalt ein funktionierendes System samt regelmäßiger Mahlzeiten und Kindern, die freiwillig aufräumen.
HIER geht‘s zur Leseprobe
Finn liebt Marie vom ersten Augenblick an; Karla hasst es, dass ihre Eltern sie einer Maschine anvertrauen; Jens und Susanne sind beschwingt von den Freiheiten, die ihnen Maries Existenz ermöglicht. Die heile Welt bekommt einen Riss, als Marie fünf ältere Kinder kaltstellt, die Finn und seinem Freund den Fußball gestohlen haben. Sie erklärt das Ganze deren Eltern sachlich und logisch – Lügen, Feigheit und Rache zu berücksichtigen, darauf ist sie nicht programmiert. Vor Gericht und Geldstrafen werden die Kalliskes durch die Firma bewahrt, die Bots wie Marie herstellt: Die Rede ist von Programmierfehlern, das Unternehmen beruhigt die aufgebrachten und verängstigten Eltern.
Weitere Buchtipps der Woche:
Fantasy: Durch ein Wurmloch in die 80er Jahre
Mädchenpower: Girlhood: Sechs Geschichten über Mut und Vielfalt
Mitmachbuch über Vincent van Gogh: Farbkleckse wie Corona-Viren
Denen ist Marie unheimlich, Oma Hilde hält das Ganze für verrückt und Karlas Mutter lässt sich von Eifersucht überwältigen, weil alles zu gut läuft ohne sie und ihren Mann. Sie schaltet Marie ab, was bei Karla die Frage aufwirft, ob sie das einfach so darf. Schließlich ist Marie ein Familienmitglied. Das sich bei aller Technik erstaunlich gut in Menschen hineinversetzen kann. Genau das und ihre Effizienz machen den Erwachsenen Angst: Was sie sich gewünscht haben, überfordert sie.
Daraus ergibt sich ein Karussell brandaktueller Fragen rund um Künstliche Intelligenz, die Autorin Lisa Szabo geschickt und humorvoll in ihr modernes Märchen einbaut. Der Geschichte gönnt sie ein bitter-süßes Happy-End – doch mehr soll hier nicht verraten werden.

Lisa Szabo (Text), Wilm Lindenblatt (Illu.): Marie Bot - Ein KIndermädchen zum Aufladen! dtv, 224 Seiten, 13 Euro, ab 9




