Jena: Die malende Lehrerin macht weiter

Jena  Rita Müller bittet gegenwärtig in zwei Jenaer Ausstellungen zu Zeitreisen durch ihre Farbenpracht.

Im Gasthaus „Zur Noll“ hängt derzeit auch das Bild „7 Todsünden“ von Rita Müller. Sie empfiehlt, dass man sich etwas Zeit zum Betrachten nehmen sollte.

Im Gasthaus „Zur Noll“ hängt derzeit auch das Bild „7 Todsünden“ von Rita Müller. Sie empfiehlt, dass man sich etwas Zeit zum Betrachten nehmen sollte.

Foto: Michael Groß

Man glaubt es kaum: Rita Müller kann im September tatsächlich schon ihren 80. Geburtstag feiern. Die vitale, voller Energie sprühende Jenaer Malerin kann ohne die Kunst nicht leben und malt natürlich weiter.

Und sie stellt auch aus. So kann man ihre Bilder jetzt sogar in zwei Ausstellungen anlässlich ihres 80. Lebensjahres gleichzeitig bewundern – im Gasthaus „Zur Noll“ und in den Büroräumen der Baufinanzierung von Anja Messingschlager in der Feldstraße 8 in Jena-Ost.

Die Ausstellungen tragen beide den Titel „Zeitreise durch die Farbenpracht“ und vermitteln Einblicke in die letzten Jahre und die dabei entstandenen Bilder. Zumeist sind es Ölbilder, aber auch Acrylarbeiten, die allesamt von einem typischen Merkmal müllerscher Kunst geprägt sind – der unglaublich explosiven Farbkraft.

Technische Zeichnerin, Lehrerin und Künstlerin

Während in Jena-Ost die Vernissage bereits am Freitagabend stattfand und die Werke nun nach Anruf in dem Büro besichtigt werden können, sind die Bilder in der „Noll“ natürlich immer zu den Öffnungszeiten des Gasthauses zu sehen. Aber auch in der „Noll“ wird es noch eine Vernissage geben, und zwar am nächsten Donnerstag, 7. Juni, um 18 Uhr.

Wie schon in der Feldstraße wird dann Professor Bernd Wiederanders, der einst auch die kleine Galerie am Institut für Biochemie begründete, zum Werk von Rita Müller sprechen. Zu sehen ist die Exposition dann bis 5. Juli, die in der Feldstraße bis 8. August.

Dabei wird der Ausstellungsbesucher überrascht sein von der Vielfalt. Es sind Bilder, die vom Stadtpanorama Jenas über abstrakte Farbspiele bis hin zu symbolträchtigen Darstellungen wie etwa den „7 Todsünden“ reichen. Gerade bei diesen Todsünden bedarf es schon einer gewissen Zeit, die man sich zum Betrachten nehmen sollte, um herauszufinden, wo in der gemalten Gartenparty die Todsünden versteckt sind. Genau das möchte Rita Müller auch erreichen – das Verweilen und das sich Einlassen auf ihre Bilder.

Dabei sind die Wege der Rita Müller nicht von vornherein in Richtung Kunst angelegt gewesen. Aus Danzig stammend, lebte sie lange in Schwerin, erlernte den Beruf einer Technischen Zeichnerin und sattelte über ein Fernstudium auf den Lehrerberuf um. Kunst und Werken gab sie viele Jahre lang. Von 1978 bis 1997 war sie Lehrerin in Jena, so auch an der damaligen Magnus-Poser-Schule, heute Montessorischule. Damals begann sie ihre Leidenschaft zu entdecken und malte immer öfter. Manchmal kamen Schüler hinzu und interessierten sich dafür. Besonders ergiebig sei es gewesen, wenn sie auch Schüler mit einbeziehen konnte in den Schaffensprozess, erinnert sie sich.

Dieser Prozess war stets von der Vorliebe für die Kraft der Farben bestimmt, egal ob figürliche oder abstrakte Bilder. Die Liebe für ausdrucksstarke Farben pflegt sie bis heute, wovon man sich bei den beiden Ausstellungen überzeugen kann.

Die Künstlerin selbst denkt auch keineswegs schon ans Aufhören. Pinsel und Staffelei wird sie nicht so schnell beiseite legen. Denn immer wieder kommen ihr neue Ideen. Die fließen übrigens auch mit ein in ihre weitere Tätigkeit an der Volkshochschule, wo sie mit interessierten Laien gemeinsam Möglichkeiten der Malerei auslotet.

In gut 40 aktiven Maljahren sind natürlich viele Werke entstanden. Zahlreiche Bilder konnten verkauft werden. Zu Hause bei Müllers schlummern aber auch inzwischen etwa 600 Aquarelle und 150 Ölbilder.

Auch Auftragswerke sind bereits entstanden, wie etwa die Jena-Panorama-Bilder für die Heimstättengenossenschaft in dem betreuten Wohnprojekt in der Franz-Kugler-Straße oder auch für Jenawohnen im Wohngebäude am Rähmen 27.

Darüber freut sie sich ganz besonders. Überhaupt findet sie, dass man in Jena den hier lebenden und wirkenden Künstlern etwas mehr Würdigung schenken und ihnen Ausstellungsmöglichkeiten bieten sollte. Das vermisse sie von Seiten der Stadt wie auch von hiesigen Museen, Galerien und Vereinen.