Sonderschau im Residenzschloss zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts eröffnet

Altenburg  Sonderschau im Residenzschloss zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts eröffnet

Ein Exponat in der neuen Sonderausstellung ist ein Humboldt-Pinguin.

Ein Exponat in der neuen Sonderausstellung ist ein Humboldt-Pinguin.

Foto: Andreas Bayer

Was haben Düngemittel, Gin, Winnetou und der Buch-Erfolg „Die Vermessung der Welt“ gemeinsam? Diese Frage wird gleich im ersten Raum der neuen Sonderausstellung des Residenzschlosses beantwortet. Es ist der Forscher und oftmals als Universalgelehrter bezeichnete Alexander von Humboldt (1769 - 1859). „Ohne ihn gäbe es das alles vermutlich nicht. Oder es wäre wesentlich später entdeckt worden“, sagt Kurator Christian Landrock zur Ausstellungseröffnung. Auch Charles Darwin wird als Fan ­geoutet: „Früher bewunderte ich Humboldt, jetzt bete ich ihn fast an“, ist ein Zitat von diesem, zu sehen an der Wand.

Dem Buch würde ohne das Multitalent der Protagonist fehlen. Der Gin, der auch Humboldts Namen trägt, enthält Auszüge aus sieben Pflanzen, die Humboldt mit nach Europa brachte. Der Dünger funktioniert auf Basis von Guano, also Vogelkot. Der Berliner soll angeblich als erster dessen Eignung als Dünger erkannt haben, was einen weltumspannenden Handel ausgelöst hat. Und Winnetou? Humboldts Schilderungen der Lebensweise indigener Stämme soll laut Landrock so akribisch gewesen sein, dass selbst entwurzelte Indigene diese als Lektüre verwendet haben, wie ihre Vorfahren lebten. Ganz zu schweigen davon, welche Folgen es auf die Fantasie europäischer Leser hatte.

Darum geht es im zweiten Raum der Schau. „Humboldts ungewollte Kinder und die Folgen“, wie es Landrock scherzhaft ausdrückt. Da wird Humboldts Rolle als Wegbereiter von Forschungsreisen, aber in letzter Konsequenz auch des modernen Tourismus erklärt. Auch die dunklen Seiten des boomenden Forscherdrangs werden nicht ausgeblendet. Denn während es Humboldt selbst aus reinem Wissensdrang in bislang unbekannte Welten zog, war es bei den Nachfolgenden meist Habsucht. „Auf den Entdecker folgte zumeist der Kolonisator. Und mitunter waren beide sogar deckungsgleich“, sagt Christian Landrock. Humboldt selbst sei aber Antikolonialist ohne Gleichen gewesen. Diese Frage des globalen Umganges miteinander sei es, die heute noch immer interessant sei und Vorbild-Wirkung entfalte.

„Humboldt steht für das Bewusstsein, dass wir alle Teil eines großen Ganzen sind“, betonte auch Oberbürgermeister André Neumann (CDU) in seiner Begrüßungsrede. Er versprach, diesen Gedanken des respektvollen Umganges miteinander und des Netzwerkens in die tägliche Arbeit mit dem Stadtrat einfließen zu lassen.

Überwiegend begeistert von der Ausstellung zeigten sich auch die Besucher. „Fantastisch! Ich hatte keine Erwartungen und bin, wie immer in Altenburg, begeistert“, sagte etwa Bengt Fuchs aus Gera. Klaus Winzer aus Altenburg äußerte: „Es gefällt mir gut. Es ist eine Bereicherung, obwohl ich schon vieles wusste.“ Als Begleitprogramm findet am 20. September, 19.30 Uhr ein Science Slam im Paul-Gustavus-Haus statt. Am 23. Oktober diskutieren der Historiker Jan Diebold und die Kunsthistorikerin Fanny Stoye mit Kurator Landrock über „Das schwierige Erbe kolonialer Entdecker“. Das Podiumsgespräch findet im Residenzschloss um 18 Uhr statt. Beide Veranstaltungen sind eintrittsfrei.

Die Ausstellung im Residenzschloss Altenburg läuft bis zum 3. November.

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