Experimente mit Material, Formen und Farben - Otto-Dix-Haus zeigt Werke von Jan Dix

Gera.  Von Jan Dix werden Kleinplastiken, Gold- und Schmiedearbeiten in Gera gezeigt.

Ausstellungseröffnung im Otto-Dix-Haus in Gera mit Arbeiten des verstorbenen Jan Dix (bis 26. Januar 2020). Die Witwe Andrea Dix vor dem "Tabernakel" von 1966. 

Ausstellungseröffnung im Otto-Dix-Haus in Gera mit Arbeiten des verstorbenen Jan Dix (bis 26. Januar 2020). Die Witwe Andrea Dix vor dem "Tabernakel" von 1966. 

Foto: Ulrike Kern

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Der Gedanke einer Ausstellung von Jan Dix, dem dritten Kind des Malers Otto Dix (1891-1969) und seiner Frau Martha, im Geburtshaus des Vaters in Gera gärte schon lange. Es gab sogar schon eine Raumbegehung im Dix-Haus gemeinsam mit dem studierten Musiker und Goldschmied, den diese Idee sehr rührte und erfreute, erzählt Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera.

Im vergangenen Herbst, zum 90. Geburtstag des Künstlers, wäre ein würdiger Zeitpunkt gewesen. Doch dann erkrankte Jan Dix und man verschob die Ausstellung auf eine Zeit, wenn es dem Künstler besser gehen würde. Schließlich kam es nicht mehr dazu, denn der Dix-Sohn verstarb am 21. Januar 2019 in seinem Haus in Öhningen (Baden-Württemberg) und ist nun begraben auf dem Friedhof in Hemmenhofen gegenüber der Ruhestätte des Vaters. Seine Werke allerdings sind nun posthum tatsächlich an diesen wichtigen Ort zurückgekehrt, denn bis zum 26. Januar 2020 zeigt die Kunstsammlung Gera die Ausstellung „Zu Gast im Geburtshaus des Vaters. Jan Dix (1928-2019)“. Zu sehen sind zahlreiche Kleinplastiken und gut 40 wertvolle Gold- und Silberschmiedearbeiten, präsentiert in 20 Rahmen. Damit zeigt das Dix-Haus eine kleine Auswahl seines künstlerischen Schaffens, die Jahre 1966 bis 2018 umfassend.

Jan Dix, der früh das Trompetenspiel erlernt hatte, studierte in Konstanz am Konservatorium Musik, bevor er ab 1952 in Unter-Uhldingen eine Ausbildung zum Gold- und Silberschmied begann und ab 1955 sogar noch ein Studium an der Akademie der bildenden Künste anschloss. Nach zwei Jahren als freischaffender Künstler in München ließ sich Dix Mitte der 60er-Jahre in Öhningen nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Christine heiratete er 1993 Andrea Dix, die selbst als Goldschmiedin arbeitet und aus deren Privatbesitz die Geraer Ausstellung möglich wurde.

Viele Arbeiten, insbesondere kostbare Colliers, Broschen, Ohrringe und Ringe, haben die beiden geschaffen. Und so weiß die Witwe, die gestern selbst die Ausstellung in Gera besichtigte, von Jan Dix’ Vorliebe für mythische und christliche Helden, für Flora und Fauna zu erzählen. Das Interesse am figuralen Spiel durchziehe seine Werke, betont die wissenschaftliche Mitarbeiterin Astrid Lindinger, die diese wundervolle Ausstellung konzipiert hat: „Jan Dix hat viel mit Material, Formen und Farben experimentiert und in liebevoller Detailarbeit kleine Miniaturwelten erschaffen.“ Und so kann man sie nun bestaunen jene wertvollen Broschen mit den Titeln „Kormoran“, „Ikarus“ und „Atlas“, die immer auch kleine bizarre Geschichten zu erzählen scheinen.

Sein Schmuck wird ergänzt von einem kostbaren Tabernakel, den Jan Dix 1966 für die Schlosskapelle Randegg gefertigt hat. Dieses kunstvolles Schränkchen aus vergoldetem Silberblech, in dem das allerheiligste Altarssakrament aufbewahrt wird, zeigt auch, wie vielfältig und akribisch der Künstler arbeitete. Auch seine plastischen Arbeiten, wundervolle Türgriffe und Bronze-Skulpturen sprechen eine archaisch-realistische Formsprache. Bemerkenswert ist auch der „Heilige Christopherus“ von 1970, eine Pose, die sein Vater zwischen 1938 und 1941 insgesamt sechsmal wiederholte. „Es gibt einen Brief von 1937 vom Vater an seinen Sohn Jan, in dem er ihn auffordert, sich doch auch einmal am Christopherus zu versuchen“, erzählt Astrid Lindinger. „Es ist schön zu sehen, wie sich viele viele Jahre später dieser Kreis tatsächlich schließt.“

Bis 26. Januar, geöffnet: mittwochs bis sonntags 12-17 Uhr; Begegnung Kunst - Kunstgespräche für Senioren am 19. November 14 Uhr im Dix-Haus.

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