Intendanten halten nichts von freiem Theatereintritt

Leipzig/Gera  „Was nichts kostet, ist nichts wert“: In einer Umfrage an den mitteldeutschen Bühnen lehnen die meisten Verantwortlichen freien Eintritt zu ihren Vorstellungen ab.

Die Säulenfassade des Meininger Staatstheater wird in der blauen Stunde von Scheinwerfern angestrahlt.

Die Säulenfassade des Meininger Staatstheater wird in der blauen Stunde von Scheinwerfern angestrahlt.

Foto: arifoto UG

Mitteldeutschlands Theater lehnen generell einen freien Eintritt zu ihren Vorstellungen ab. Denn: „Was nichts kostet, sei nichts wert“, lautet das vielfach geäußerte Argument bei einer Theaterumfrage von MDR Kultur. Der Sender befragte einen Angaben zufolge 32 Intendantinnen und Intendanten in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zum Stand und den Perspektiven ihrer Häuser.

Einigkeit herrscht auch beim Thema Finanzhilfe. Lutz Hillman, Intendant am Deutsch-Sorbischen Volkstheater, argumentiert stellvertretend: „Ja, der Bund sollte in die Theaterfinanzierung einbezogen werden, damit wir von möglichen politischen Konstellationen, die auf Landesebene in Kultur eingreifen wollen, unabhängiger werden.“

Hintergrund der Befragung sind aber auch Versuche, das Theater im Sinne einer „Identitätsbildung“ instrumentalisieren zu wollen. In einem 16 Punkte umfassenden Fragenkatalog wollte der Sender daher auch wissen, wie sich das rauer gewordene gesellschaftliche Klima an den Theatern darstellt. Dass in diesem Zusammenhang die Utopiefähigkeit der Theater nicht verloren gegangen ist, zeigt die Antwort von Ansgar Haag, Intendant am Theater Meiningen: „In dem Kontakt zwischen den Kulturen kann sich für die Bürger in Deutschland eine neue Identität herausbilden, die auf Toleranz und Nächstenliebe basiert.“

Alle Ergebnisse der Umfrage zum Start der Theater-Saison 2019/2020 gibt MDR Kultur von Montag, 19. August, bis Sonntag, 25. August, in Radio- und Fernsehbeiträgen bekannt. Auf der Internetseite des Senders können zusätzlich zahlreiche Interviews abgerufen werden. Mit dabei sind unter anderem Karen Stone vom Theater Magdeburg, Kathrin Kondaurow von der Staatsoperette Dresden, Kay Kuntze vom Theater Altenburg-Gera und Jürgen Zielinski vom Theater der Jungen Welt.

Am Mittwoch, 21. August, gibt es zum Beispiel um 18.05 Uhr ein MDR Kultur Spezial im Radio. Unter anderem geht es darin um Werktreue und Regietheater und was die Theaterfreunde davon halten. Zudem kommt der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins zu Wort. Im MDR-Fernsehen bekommen Mitteldeutschlands Theater am Mittwoch, 21. August, ab 22.05 Uhr in der Sendung „artour“ ihre Bühne, unter anderem mit einem ausführlichem Beitrag über das Theater Bautzen.

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