Zwei Jahre nach dem Angriff der Hamas auf Israel sind die letzten noch lebenden Geiseln frei. Unter ihnen der 24-jährige Alon Ohel, Pianist, teils erblindet durch Granatsplitter. Seine Mutter hatte den CDU-Politiker Armin Laschet um Hilfe gebeten. „Das sind halt so emotionale Momente, wo man auch als Abgeordneter, als Politiker erstmals einer Machtlosigkeit spürt.“ Ohel steht an diesem Abend sinnbildlich für das Thema: Kann Diplomatie in einer Welt der Gewalt noch etwas bewirken?

„Meisterleistung“ – Laschet lobt Trumps Diplomatie 

Laschet, Leiter des Auswärtigen Ausschusses, nutzt den Fall, um ein unerwartetes Lob auszusprechen: für Donald Trump. Dessen Vermittlung zwischen Israel, Katar und der Türkei nennt er „eine diplomatische Meisterleistung“. Maischberger entgegnet: „Von einem, der kein Diplomat ist?“ „Ja, obwohl er eigentlich gar kein Diplomat ist“, antwortet Laschet.

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„Erdogan war der wildeste Redner gegen die Israelis, ihn mit ins Boot zu holen. Ägypten mit ins Boot zu holen. Zudem Pakistan in das Boot zu holen. Das größte islamische Land Indonesien“, lobt Laschet. Gleichzeitig habe man den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu unter Druck gesetzt. Er erwähnt den mehrstufigen Friedensplan: Freilassung der Geiseln, internationale Sicherungstruppen, eine Sonderwirtschaftszone für Gaza. „Das ist zum ersten Mal seit Jahren ein Plan mit Perspektive“, sagt er.

Varwick erinnert an Rabin – und die Opfer von Gaza

Johannes Varwick, Professor für internationale Beziehungen, will den Optimismus teilen – aber ohne Pathos. „Es wäre schön, wenn es so käme“, sagt er. „Aber seit der Ermordung von Jitzchak Rabin 1995 zieht sich eine Welle der Gewalt durch den Nahen Osten.“ Er erinnert an die rund 70.000 Toten im Gazastreifen, „viele Kinder“, und an eine Stadt, „die aussieht wie Dresden nach dem Zweiten Weltkrieg“. 

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Varwick lobt die „andere regionale Dynamik“, warnt aber: „Mir wird zu wenig über die palästinensischen Opfer gesprochen – ohne Schuld zu verteilen.“ 

Von Israel nach Alaska – Streit über Trumps Russland-Kurs

Dann weitet Maischberger den Blick. Trump habe sich nach Alaska begeben, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Ukrainekrieg zu sprechen – erfolglos, aber symbolisch. Varwick hält die Gespräche für einen Versuch, den Europa habe verstreichen lassen. „Es lag ein Paket auf dem Tisch. Es scheiterte, weil sich die Europäer und die Ukraine nicht auf Trumps Vorstellungen eingelassen haben.“ Wie der Krieg ausgehe, sei klar: „Es wird territoriale Veränderungen in der Ukraine zur Folge haben. Das ist schmutzige Realpolitik.“

Laschet widerspricht entschieden. „Die ganze Welt redet mit Putin – nur nicht die Europäer“, sagt er. Trump habe immerhin erreicht, dass Moskau über Sicherheitsgarantien für die Ukraine überhaupt spreche. Er warnt vor Alarmismus: „Nicht jede Drohne, die über Deutschland aufsteigt, ist der Russe.“

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Precht über Meinungsfreiheit: „Das Gesetz schützt das Wort, nicht den Sprecher“ 

Nach der Weltpolitik kommt die Innenansicht. Richard David Precht spricht über das Klima im Land – über die Frage, warum viele glauben, man könne nicht mehr frei sprechen. „Natürlich kann man“, sagt er, „aber die sozialen Kosten unliebsamer Äußerungen sind gestiegen.“ Er nennt das eine „Explosion an Normung“: zu viele Empfindlichkeiten, zu wenig Toleranz. „Wenn alle ganz sensibel sind, kann man fast nichts mehr sagen.“ 

GER, Berlin, TV, maischberger, 14.10.2025,
Richard David Precht spricht bei „Maischberger“ über das Klima im Land – über die Frage, warum viele glauben, man könne nicht mehr frei sprechen. © picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Ist das nicht auch Fortschritt, wenn verletzende Begriffe verschwinden, will Maischberger wissen? Precht stimmt zu, warnt aber gleichzeitig: „Die Grenze zwischen berechtigter Kritik und öffentlicher Ächtung ist schmal geworden.“ Seine Diagnose ist klar: „Die Meinungsfreiheit ist intakt, die Meinungstoleranz nicht.“  

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Richard David Precht fordert Resilienz statt Reizbarkeit 

Precht fordert Gelassenheit – aber nicht nur individuell. „Nicht jeder muss alles aushalten. Aber Institutionen müssen Rückgrat zeigen“, sagt er. Er spricht von einer „Resilienz an den Schaltstellen der Gesellschaft“ – in Redaktionen, Verlagen, Kultureinrichtungen. „Die politische Klasse hat sich an Angst gewöhnt – vor Shitstorms, vor Umfragen, vor Widerspruch.“ 

Maischberger bringt an diesem Abend Stimmen zusammen, die sehr prägnant sind und kaum unterschiedlicher sein könnten. Laschet verteidigt Trumps Kurs, Varwick dämpft die Erwartungen, Precht analysiert das Klima im Land. Es ist eine Sendung, die viel will. Vielleicht zu viel.