Dokumentation

Nazis und Islamisten verraten im ZDF, „Warum wir hassen“

Essen.  In der von Steven Spielberg produzierten sechsteiligen Doku „Warum wir hassen“ suchen Konfliktforscher nach dem Ursprung der Gewalt.

Liebe und Hass - wir Menschen sind zu beidem fähig. Doch wann gewinnt das zerstörerische Gefühl die Oberhand?

Liebe und Hass - wir Menschen sind zu beidem fähig. Doch wann gewinnt das zerstörerische Gefühl die Oberhand?

Foto: getty images/Matthew Steward Ben

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Frank Meeink ist ein Guter. Wenigstens hat sich der Mann aus Philadelphia immer selbst so gesehen: Als einer, der ausgewählt wurde, die Welt zu retten – vor Juden, Muslimen, Linken und überhaupt: Andersdenkenden. So wurde Frank Meeink Neonazi-Skinhead.

Von Hass getrieben, wurde er immer gewalttätiger, selbst gegen die eigenen Leute. Nach drei Jahren Gefängnis machte er dann eine Ausbildung – ausgerechnet bei einem jüdischen Antiquitätenhändler. Und mit ihm so unerwartet gute Erfahrungen, dass er seine extremen Ansichten aufgeben konnte.

Jesse Morton hatte eine schwierige Kindheit, doch als junger Mann fand er Halt im Islam. Als „Younis Abdullah Mohammed“ wurde er zum erfolgreichsten US-amerikanischen Online-Anwerber für Al-Kaida. Als er nach Marokko floh, um einer Verhaftung zu entkommen, brachte ihn der Arabische Frühling dazu, seine Überzeugungen zu überdenken.

Bei Gesprächen mit arabischen Glaubensbrüdern habe er festgestellt, „dass sie sich Dinge wünschten, die ich mein ganzes Leben lang für selbstverständlich gehalten hatte: ihre Meinung zu äußern, die Möglichkeit, ihre Vertreter zu wählen. Da begann ich, den Terrorismus gegen Zivilpersonen zu verurteilen.“

Ex-Extremisten kämpfen gegen Extremismus

So unterschiedlich die beiden Beispiele sind, so haben sie doch etwas gemeinsam: Beide Männer kämpfen als Ex-Extremisten heute glaubhaft gegen den Extremismus. Sie reisen durchs Land und erzählen von ihrer Wandlung. Es sind auch zwei Beispiele, die hoffen lassen: Eine Rückkehr in die Gesellschaft ist möglich.

Für Steven Spielberg, der die Dokumentation produzierte, die Dienstagabend im ZDF läuft, ist das Thema nicht neu: Schon 1994 gründete er die Shoah Foundation, die weltweit und in großem Umfang Schilderungen von Überlebenden des Holocaust, und inzwischen auch anderer Genozide, auf Video sammelt, um sie nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen. Nun wendet er sich den Tätern zu und versucht zu ergründen, „Warum wir hassen“.

Jede Folge seiner sechsteiligen Doku-Reihe, die bis 18. November auf ZDFinfo und in der Mediathek zu sehen ist, geht einem speziellen Aspekt nach: Dem evolutionären Ursprung von Hass, der Wahrnehmung von anderen als Fremde, der Wirkung von Propaganda, der Eskalation bis zum Völkermord und schließlich der Hoffnung auf ein besseres Selbst.

Am Dienstag (12. November 2019, 20.15 Uhr) behandelt der Film von Gaeta Gandbhir und Sam Pollard den „Extremismus“. Die Forschung weiß viel seit dem berühmten Stanford-Experiment, das in den 1970er-Jahren Probanten willkürlich in „Aufseher“ und „Häftlinge“ einteilte und ihrem Rollenspiel selbst überließ. Das Ergebnis – ein unkontrollierbarer Gewaltexzess – schockierte damals Forscher wie Öffentlichkeit.

Die richtigen Fragen

Für die Konflikt-Forscherin Sasha Havlicek, die am Londoner „Institut für strategischen Dialog“ forscht, ist die Radikalisierung der Gesellschaft nicht einfach ein individuelles Problem, sondern auch von dem situativen Umfeld abhängig. Wie rekrutieren extreme Bewegungen wie der IS neue Anhänger, welche Rolle spielt die Sprache von populistischen Politikern bei der Radikalisierung breiter Schichten bis hin zu sogenannten Hassmorden?

Und vor allem: Wie schaffen es Menschen, auszusteigen und wieder in die Gesellschaft zurückzukehren?

„Warum wir hassen“, Dienstag, 12. November 2019, 20.15 Uhr, ZDF oder jetzt schon in der ZDF-Mediathek

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