25 Gastronomen beteiligen sich an Aktion „Leere Stühle“ in Jena

Jena.  Die Gastronomen wollen mit 120 leeren Stühlen in der Wagnergasse auf ihre prekäre Situation in der Corona-Krise aufmerksam machen.

25 Gastronomen beteiligten sich und stellten 120 Stühle auf.

25 Gastronomen beteiligten sich und stellten 120 Stühle auf.

Foto: Jens Henning

Auch wenn es am Freitagvormittag nicht ganz die mehr als 30 angekündigten Gastronomen aus Jena waren, die Wirkung verfehlten die 120 leeren Stühle nicht, die in Jenas Kneipenmeile Nummer eins, in der Wagnergasse, zwei Stunden lang im Freien schön aufgereiht standen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Das ist ein Kunstprojekt. Darauf legen wir großen Wert. Das ist heute keine Demo“, sagte Initiator Rudolf Kornhuber, selbst seit 13 Jahren in der Jenaer Gastronomie tätig.

Die Jenaer Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter waren am 1. Mai, am Tag der Arbeit, nicht die einzigen in Mitteldeutschland, die sich an der Initiative „Leere Stühle“ beteiligten. „Parallel gibt es die leeren Stühle auch in Arnstadt, in Weimar, in Greiz, in Rudolstadt und in Dresden“, sagte Kornhuber. Die sächsische Metropole sei die Zentrale. „Wir wollen koordiniert vorgehen. Das ist wichtig“, sagte Kornhuber.

Am Montag gibt es eine Video-Schalte. Da werden neue Aktionen besprochen. Kornhuber wollte der Beratung nichts vorwegnehmen. Er deutete aber an, dass die „Aktionen schärfer werden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Aktion von heute vor dem Rathaus in Jena fortsetzen, dann aber nicht als Kunstprojekt, sondern als Demo.“

Auf Jenas OB war Kornhuber nicht gut zu sprechen. „Wir hatten ihn eingeladen, auch heute. Er ist nicht gekommen. Er hat auch keinen Vertreter geschickt. Das zeigt, wie die Stadt Jena aktuell das Thema Gastronomie bewertet. Im gleichen Atemzug wirbt die Stadt bei künftigen Studenten aber mit der Wagnergasse. Das ist für mich ein Widerspruch“, sagte der Gastronom.

Hannes Wolf, Stadtmanager von der Innenstadt-Initiative, würde sich von der Politik mehr Mut wünschen. „Man darf nicht solange warten, um vielleicht eine für alle Gastronomen einheitliche Regelung zu finden. Die gibt es nicht. Man muss anfangen. Man muss die Biergärten öffnen. Sonst wird es in einigen Wochen einige Gastronomen nicht mehr geben.“ Die aktuellen Initiativen, wie der Verkauf Außer-Haus, seien für Wolf gut „und nett gemeint. Den Gastronomen wird das aber auf Dauer nicht wirklich helfen, die fehlenden Umsätze zu kompensieren. Sie zeigen, dass es sie gibt, dass sie kämpfen.“

Die Gastronomen würden ihren Job aus Leidenschaft machen, sagte Wolf, „im Moment wissen wir vielleicht einige noch gar nicht, dass ihr Ende schon längst besiegelt ist. Das ist schlimm, ganz schlimm. Die Politik muss endlich Strategien entwickeln. Sonst sehe ich schwarz.“ Kornhuber hätte die Situation nicht treffender beschreiben können. „Wir fordern, dass der Staat die Gewerbemieten übernimmt und dass das Kurzarbeitergeld von 80 Prozent rückwirkend zum 1. März festgelegt wird“, sagte der Initiator des Kunstprojektes.

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