Pizzataxi statt Festessen: Eine Hochzeit in Gera ohne Fest und Gäste

Gera.  Susi und Marcus Schöne haben wegen der Corona-Bestimmungen nur zu zweit geheiratet. Wie viele Paar noch auf der Liste im Geraer Standesamt stehen? Wir haben nachgefragt.

Susi und Marcus Schöne haben am 20. März geheiratet. Allerdings wegen der Corona-Bestimmungen nur zu zweit mit einer Trauzeugin, die gleichzeitig als Fotografin fungierte. Das über ein Jahr im Vorfeld geplante große Fest mit vielen Hochzeitsgästen mussten sie absagen. Sie hoffen auf ein Nachholen ihres großen Tages im Oktober.

Susi und Marcus Schöne haben am 20. März geheiratet. Allerdings wegen der Corona-Bestimmungen nur zu zweit mit einer Trauzeugin, die gleichzeitig als Fotografin fungierte. Das über ein Jahr im Vorfeld geplante große Fest mit vielen Hochzeitsgästen mussten sie absagen. Sie hoffen auf ein Nachholen ihres großen Tages im Oktober.

Foto: Nicki Franke

Es sollte am 21. März eine richtig große Mittelalterhochzeit auf dem Rittergut Positz werden. Mit zahlreichen Gästen aus Familie und Freunden, mit vielen Blumen und selbst gebastelter Dekoration. „Uns war der Termin sehr wichtig, da wir uns am 21. Februar 2011 kennengelernt hatten. Da der Februar für eine Hochzeit noch zu kalt war, entschieden wir uns für den März und am 20. März wäre Frühlingsanfang, was will man mehr“, beschreibt Susi Schöne die Bedeutung des Hochzeitsdatums. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Die unvergessliche große Hochzeit sollte also am 21. März, die standesamtliche Trauung einen Tag vorher im Standesamt Gera stattfinden. „Ich hatte auf meinem Handy eine App für den Hochzeitscountdown und freute mich jedes Mal, wenn es weniger Tage wurden“, sagt die Geraerin. Bei den letzten Absprachen im Rittergut Anfang März war das Paar schon ganz hibbelig.

Und dann kam die Corona-Pandemie. Das Rittergut musste durch Auflagen gezwungen alle Veranstaltungen absagen – und mit ihnen den großen Tag von Susi und Marcus Schöne.

Alles war bereits gebucht

Floristin, DJ, Fotografin und Trauredner – alles war gebucht, das Traumkleid gekauft, die Ringe mit „21.3.2020“ graviert. Da es eine Themenhochzeit sein würde, hatten sich auch schon die Gäste Mittelalterkostüme bestellt, gebastelt und zusammengestellt. „Ich hatte sogar für unsere Gäste jeden eine Baumscheibe mit eingelöteten Namen vorbereitet“, erzählt die 29-Jährige von den weit gediehenen Vorbereitungen.

Polterabend im kleinsten Kreis ganz ohne Feierlaune

Allein den Polterabend konnte man nicht mehr absagen. Am 18. März fand er statt. Allerdings nicht mit den geplanten 100 Gästen, sondern nur in ganz kleinem Rahmen. Da blieb das Paar auf seinen Kosten sitzen, denn Essen, Getränke und Deko waren auf viel mehr Leute ausgelegt. „Wir waren so traurig und enttäuscht. Auch die standesamtliche Trauung in Gera war so gar nicht feierlich. Es fühlte sich gar nicht an wie eine Hochzeit“, bedauert Susi Schöne noch immer. Zum Termin im Standesamt begleitete sie Freundin Nicki Franke, zugleich Trauzeugin und Fotografin. Mit dem gebotenen Sicherheitsabstand zu ihr und der Standesbeamtin wurde die Ehe geschlossen. „Am schlimmsten war es, dass draußen zwar unsere engste Familie wartete, doch sie uns nur mit Abstand gratulieren konnten. Kein Drücken, keine Umarmungen, keine Herzlichkeit. Wir haben geweint.“ Danach ging es für die Frischvermählten nach Hause, Pizza bestellen statt gemeinsames Festessen.

Susi Schönes Hochzeitskleid hängt nun weiter im Schrank und wartet auf seinen großen Einsatz. Denn das Paar möchte die Hochzeit auf jeden Fall nachholen. Die Dekoration ist ohnehin noch in Positz und so hoffen alle gemeinsam auf einen Nachholtermin im Oktober.

Heiraten mit Abstandsregelung im Standesamt

Im Geraer Standesamt weiß man um die nicht nur positiven Emotionen, die Hochzeiten dieser Tage begleitet. Wie auf Nachfrage zu erfahren ist, wurden im April bisher drei Eheschließungen durchgeführt, acht Paare sind noch anmeldet, ein weiterer Termin ist reserviert. Für den Monat Mai erfolgten bis jetzt 33 Anmeldungen und acht Reservierungen. Nicht wenige Paare haben ihre geplanten Hochzeiten jedoch abgesagt. „Bis jetzt wurden neun Anmeldungen zur Eheschließung abgesagt, ein erneuter Termin wurde noch nicht vereinbart. Drei Anmeldungen wurden verschoben“, heißt es. Die Abstandsregelungen könne man im Standesamt jedenfalls durch die räumlichen Gegebenheiten auf jeden Fall einhalten.

„Leider muss der Händedruck ausbleiben. Die Gratulation ist deshalb nicht minder herzlich, ganz im Gegenteil, jeder hat Verständnis dafür. Die Paare sind glücklich, dass ihre Eheschließung trotz der widrigen Umstände durchgeführt wird“, sind sich die Standesbeamtinnen einig.

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