Apotheken in Greiz und Zeulenroda stellen Desinfektionsmittel selbst her

Greiz/Zeulenroda-Triebes.  Nachdem es lange verboten war, produzieren Apotheken in Greiz und Zeulenroda-Triebes nun selbst Desinfektionsmittel. Der Alkohol kommt aus einer Brennerei.

Ein Apotheker füllt Hände-Desinfektionsmittel um, das in seiner Apotheke in Karlsruhe hergestellt und verkauft wird.

Ein Apotheker füllt Hände-Desinfektionsmittel um, das in seiner Apotheke in Karlsruhe hergestellt und verkauft wird.

Foto: Symbolfoto: Uli Deck / dpa

Nachdem Anfang März viele Kunden wegen der sich andeutenden Corona-Krise noch einmal den Apotheken einen Besuch abstatten und zum Teil für längere Warteschlangen sorgten, hat sich der Arbeitsaufwand inzwischen „etwas normalisiert“. Das sagt Georg Pester, dem die Rosenapotheke in Greiz gehört.

Vielleicht auch, weil in vielen Arztpraxen inzwischen Routineuntersuchungen auf die Zeit nach Corona verschoben werden, sei der Kundenansturm inzwischen nicht mehr so groß, wie es noch vor ein paar Wochen war, führt Pester weiter aus. Auch bei der täglichen Arbeit seien die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus inzwischen weitestgehend Alltag geworden. Die Plexiglasscheiben zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern sind aufgebaut, noch strenger als sowieso schon wird auf alle Hygienevorschriften geachtet. Alles wird regelmäßig desinfiziert, für alle Mitarbeiter steht Handdesinfektion zur Verfügung. Dafür müsse man ihnen einen großen Dank aussprechen, „sie gehen sehr gelassen und professionell mit der schwierigen Situation um“.

Der Botendienst der Apotheke werde möglichst kontaktfrei durchgeführt, Pflegeheime beispielsweise würden seine Mitarbeiter gar nicht mehr betreten, sondern alle Medikamente an der Tür abgeben.

Einen neuen Weg geht man allerdings beim Desinfektionsmittel. Nachdem es lange verboten war, dass Apotheken dies selbst herstellen, erlaubte dies das Land Thüringen per Noterlass vor einiger Zeit. Seitdem produziert man in Greiz selbst, hat schon Chargen in Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste oder auch Firmen mit Außendienstmitarbeitern verteilt, erzählt der Apothekeninhaber. Kleine Mengen werden auch an den Endverbraucher verkauft.

Fertigware sei nach wie vor kaum lieferbar, sagt Pester, der allerdings auch darauf hinweist, das nun die Grundsubstanzen für die Desinfektionsmittelherstellung auf dem Markt sehr begehrt seien. Es herrsche zwar „kein absoluter Mangel“, aber der Alkohol sei im Einkauf teuer geworden.

Die gute Nachricht sei aber, dass das Verständnis der Greizer für die notwendigen Maßnahmen in den Apotheken sehr groß sei. Ein Großteil achte beispielsweise auf den geforderten Abstand und halte sich an die Maßgaben und die Hinweise der Apothekenmitarbeiter.

Alkohol aus Brennerei in Zeulenroda-Triebes

Die gleiche Erfahrung hat auch die Filialleiterin Kathrin Fritzsche gemacht. Ihr Mann, Arndt Fritzsche, ist Inhaber von drei Apotheken in Zeulenroda-Triebes – der Stadtapotheke Triebes, der Stadtapotheke Zeulenroda und der Apotheke am Stadtbrunnen in Zeulenroda.

Zwar seien manche Kunden noch immer von der Situation verunsichert und für Maßnahmen wie Plexiglasscheiben und Fußbodenmarkierungen sei man am Anfang von manchen Menschen belächelt worden, inzwischen habe sich aber alles gut etabliert und würde akzeptiert, schildert Fritzsche aus der täglichen Arbeit. Auch in den drei Apotheken sei der Ansturm vom März inzwischen ein wenig abgeflaut, vermutlich wegen der verschobenen Untersuchungen.

Desinfektionsmittel stellt man in den Apotheken inzwischen auch selbst her. Nachdem Pflegedienste und Co. damit versorgt wurden, gibt man es inzwischen auch an Kunden ab beziehungsweise verkauft es. Am Anfang sei es sehr schwierig gewesen, den nötigen Alkohol zu besorgen, zumal die Erlaubnis für die Apotheken quasi über Nacht erteilt wurde. Damit sei die Nachfrage auf einmal natürlich sehr hoch gewesen, „es war sofort alles ausverkauft“, berichtet Fritzsche.

Einen ganzen Tag habe sie nur am Telefon verbracht, um irgendwo eine Quelle für Alkohol aufzutun. Fündig sei man schließlich in Nordhausen geworden – bei der Nordhäuser Brennerei, die wiederum zur Sektkellerei Rotkäppchen-Mumm gehört. Von dort bezieht man nun den Alkohol für das Desinfektionsmittel.