Mitarbeiterversammlung: Polizei rückt im Schleizer Krankenhaus an

Schleiz.  Mitarbeiter offenbar deutlich später als Kunden über Küchenschließung im Schleizer Krankenhaus informiert.

Polizeiinspektionsleiter Thomas Lenk (l.) im ernsten Gespräch mit dem Geschäftsführer des Schleizer Krankenhauses, Ralf Delker (2.v.l.), der eine Mitarbeiterversammlung im Haus offenbar nicht angekündigt hatte.

Polizeiinspektionsleiter Thomas Lenk (l.) im ernsten Gespräch mit dem Geschäftsführer des Schleizer Krankenhauses, Ralf Delker (2.v.l.), der eine Mitarbeiterversammlung im Haus offenbar nicht angekündigt hatte.

Foto: Oliver Nowak

Die Küche des Schleizer Krankenhauses wird offenbar vom Greizer Krankenhausträger geschlossen. Das wurde den Mitarbeitern des Krankenhauses heute auf einer Mitarbeiterversammlung ab 14 Uhr mitgeteilt. Die Polizei, der offenbar die nicht angemeldete Versammlung bekannt wurde, rückte mit mehreren Fahrzeugen an.

„Wir haben den Geschäftsführer zur Rede gestellt und er hat die Versammlung zugegeben“, erklärte Thomas Lenk, Leiter der Polizeiinspektion Saale-Orla, vor Ort gegenüber dieser Zeitung. Der Vorfall werde an die Staatsanwaltschaft weitergereicht, ergänzte Lenk. Aufgelöst haben die Polizisten die Versammlung vom Geschäftsführer Ralf Delker allerdings nicht direkt. Als sie nach etwa 40 Minuten beschlossen, ins Krankenhaus zu gehen, um die Vorfälle aufzuklären, öffnete sich die Tür des Konferenzraumes und die Teilnehmer strömten heraus. Mitarbeiter, die von der Polizei angesprochen wurden, machten laut Lenk keine Aussagen, sie wirkten eingeschüchtert. Insgesamt, so nach Informationen dieser Zeitung, seien neben der Geschäftsführung aus Greiz rund 20 Mitarbeiter des Krankenhauses im Konferenzraum gewesen.

Pandemiestabsleiter des Landratsamtes kam zum Einsatzort

Laut Lenk habe die Polizei jedoch noch 13 Beschäftigte zählen können, die den Bereich der Versammlung verließen. Der Geschäftsführer des Schleizer Krankenhauses habe gegenüber der Polizei vor Ort ausgesagt, dass alle Anwesenden Schutzmasken getragen und den gebotenen Mindestabstand eingehalten hätten. Delker habe zudem gegenüber der Polizei beteuert, dass derartige Veranstaltungen künftig nicht mehr vorkommen würden. Er würde an die zu informierenden Mitarbeiter E-Mails schreiben. Die Polizei geht davon aus, dass die Mitarbeiterversammlung beendet wurde, weil vom Versammlungsraum aus die Polizei gesehen wurde. „Das ist aber nur ein Bauchgefühl“, meinte Thomas Lenk.

Fraglich ist offenbar die Rolle des Gesundheitsamtes des Saale-Orla-Kreises. Die Polizei, die mit mehreren Streifenfahrzeugen und Kräften der Einsatzunterstützung schon kurz nach Beginn der Mitarbeiterversammlung vor Ort anrückte, hielt sich außerhalb des Sichtbereiches der Versammlungsteilnehmer auf. Vor Ort informierte die Polizei dann das Gesundheitsamt des Saale-Orla-Kreises wegen des Verdachts der unerlaubten Versammlung. Der zuständige Pandemiestabsleiter des Landratsamtes, Torsten Bossert, fuhr daraufhin zu den Beamten vor Ort. Nach mehreren Minuten Diskussion mit dem Einsatzleiter fuhr Bossert wieder davon. Laut Polizei habe er nichts gegen die Versammlung unternehmen wollen. So dauerte es etwa 40 Minuten, bis die Polizei das Krankenhausgebäude betrat. Das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Betriebsrat wurde über Schließung der Küche nicht informiert

Inhaltlich, so berichten mehrere unabhängige Quellen, solle den Mitarbeitern bei der Mitarbeiterversammlung mitgeteilt worden sein, dass die Küche des Schleizer Krankenhauses geschlossen werde. Laut der Gewerkschaft Verdi wurde der Betriebsrat von der Geschäftsführung allerdings pflichtwidrig über die Schließung der Krankenhausküche nicht zuvor informiert.

Knapp die Hälfte der in der Küche des Schleizer Krankenhauses beschäftigten Mitarbeiter ist von der Schließung der Küche betroffen. Eine genaue Zahl der in der Küche der Klinik beschäftigten Mitarbeiter liegt dieser Zeitung nicht vor. Es sollen um die 15 Personen sein. Gekocht werde das Essen künftig von der Medirest GmbH & Co. OHG. Bis zu acht Stellen gebe es dort, auf die sich die Mitarbeiter der Schleizer Küche bewerben könnten. Köche würden nicht gebraucht.

Die Kunden, die allerdings Essen aus der Küche des Schleizer Krankenhauses beziehen, könnten von der Schließung schon mehr als eine Woche gewusst haben. Denn spätestens am 8. April erreichte die Kunden ein Schreiben von der Medirest GmbH & Co. OHG, die ankündigt, ab dem 15. Mai der Caterer im Kreiskrankenhaus Schleiz zu sein. In dem Werbeschreiben schreibt der Caterer, dass dessen Versorgungskonzepte spontan angepasst und auch kurzfristig zusätzliche Ausgabestellen errichtet werden können. „Wir erstellen Notfallkonzepte, die einen teilweisen oder sogar den kompletten Ausfall der Küche berücksichtigen“, heißt es in dem Schreiben.