Erster Grenzwert im Saale-Orla-Kreis erneut erreicht

Schleiz.  Vorerst sind keine schärferen Regeln vorgesehen, da eine Allgemeinverfügung noch bis 31. Oktober gültig ist.

In Bad Lobenstein machen die Querdenker mit einem großen Plakat auf sich aufmerksam.

In Bad Lobenstein machen die Querdenker mit einem großen Plakat auf sich aufmerksam.

Foto: Peter Hagen

Der Saale-Orla-Kreis erreicht bei den nachgewiesenen Coronainfektionen den ersten Grenzwert, der Auslöser für zusätzliche Vorsorgemaßnahmen zur Pandemiebegrenzung ist. Da es für den Landkreis allerdings bereits eine Allgemeinverfügung gibt, die noch bis Ende Oktober gilt, bringt das vorerst keine erhebliche Auswirkung mit sich. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Elf Neuinfektionen sind laut Landratsamt am Wochenende gemeldet worden. Damit steigt der Inzidenzwert auf 35. Dies ist der erste Grenzwert, mit dem beschrieben wird, dass es 35 Neuinfektionen an den zurückliegenden sieben Tagen, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner gegeben hat.

Kontaktverfolgung stößt an Grenzen

„Die Lage wird zunehmend diffus“, wird Amtsarzt Torsten Bossert in einer Mitteilung der Kreisverwaltung zitiert. Viele Kontakte könnten zwar noch nachverfolgt werden, „aber längst nicht mehr alle“, konstatiert Bossert. Die Verhängung der Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen gelte als das effektivste Mittel gegen die Ausbreitung des Corona-Virus Sars-Cov-2. „Und hier droht den Gesundheitsämtern die Kontrolle zu entgleiten“, so die Kreisverwaltung. „Wenn man am Tag zehn, fünfzehn positive Fälle hat und dazu je zehn Kontaktpersonen, ist das nicht mehr zu machen“, erklärt Bossert.

Weiter steigende Zahlen befürchtet

Noch sei es im Saale-Orla-Kreis nicht so weit, doch der Mediziner will sich keinen Illusionen hingeben. „Es ist nicht mehr aufzuhalten. Die Zahlen werden überall steigen – auch bei uns. Es gibt keinen Grund, warum es weniger Fälle werden sollen“, sagt Bossert. Deutlich werde das nicht nur an den bundesweit steigenden Fallzahlen, auch vor der eigenen Haustüre sei die Situation zunehmend kritisch, wird mit Blick auf benachbarte Regionen konstatiert. Mit dem Saale-Holzland-Kreis, dem Vogtlandkreis sowie den Landkreisen Hof und Kronach lägen laut Robert-Koch-Institut gleich vier angrenzende Regionen oberhalb der 50er-Inzidenz. Im Saale-Holzland-Kreis liegt der Wert gar über 100.

Vier Fälle in der Kurstadt

Wie komplex das Infektionsgeschehen mittlerweile ist, zeige das Beispiel Bad Lobenstein. In der zuletzt von Corona-Fällen verschonten Kurstadt gab es am Wochenende gleich vier nachgewiesene Infektionen, die nach bisherigem Kenntnisstand keinerlei Zusammenhang haben. Die weiteren Neuinfektionen im Saale-Orla-Kreis verteilen sich auf Pößneck (2), Tanna (2) und Wurzbach sowie die Verwaltungsgemeinschaften Seenplatte und Ranis-Ziegenrück.

Beratung am Donnerstag

Weil der Saale-Orla-Kreis bereits zu Beginn des Monats, als erstmals die Sieben-Tage-Inzidenz von 35 überschritten wurde, eine noch bis 31. Oktober gültige Allgemeinverfügung erließ, sind zunächst keine zusätzlichen Regelungen geplant. Im Pandemiestab des Landratsamtes wurde sich darauf verständigt, die Entwicklung der nächsten Tage zu beobachten und am Donnerstag über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Querdenker stellen sich quer

Ungeachtet des steigenden Infektionsrisikos und der drohenden Maßnahmen weiterer Einschränkungen im öffentlichen Leben üben sich sogenannte Querdenker im Widerstand. In Bad Lobenstein werben die Querdenker jetzt mit einem Transparent in der Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Sie organisieren gemeinsame Fahrten zu Demonstrationen von Coronaleugnern, verbreiten im Internet sämtliche Verschwörungsideologien und befeuern sich gegenseitig darin, bei Einkäufen vorsätzlich das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes zu unterlassen.

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