Evakuierung im Seniorenzentrum Zeulenroda abgewendet

Zeulenroda-Triebes.  Angehörige kritisieren, dass erst vergangenes Wochenende flächendeckend getestet wurde.

Trotz Isolation von Wohnbereichen und strengen Hygienevorschriften hat sich das Virus im Seniorenzentrum „Am Stausee“ weiter ausgebreitet.

Trotz Isolation von Wohnbereichen und strengen Hygienevorschriften hat sich das Virus im Seniorenzentrum „Am Stausee“ weiter ausgebreitet.

Foto: Heidi Henze

Die Massentests in stationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis Greiz am vergangenen Wochenende haben die Corona-Fallzahlen im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) „Am Stausee“ in Zeulenroda-Triebes nach oben korrigiert. Demnach sind in dem Haus nun 34 von 111 Bewohnern und 23 von 60 Mitarbeitern positiv auf das Virus getestet worden. Drei von vier Wohnbereichen sind damit betroffen. Sechs positive Bewohner würden derzeit im Krankenhaus behandelt. Im Landkreis Greiz sind am Wochenende etwa 1000 Bewohner, Mitarbeiter und Patienten von sechs stationären Pflegeeinrichtungen und der Fachklinik für Geriatrie in Ronneburg auf das Corona-Virus getestet worden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Awo: Pflege kann weiter gewährleistet werden

Die Ergebnisse im Seniorenzentrum in Zeulenroda-Triebes führten am Dienstagmorgen dazu, dass Hausaufsicht, Pflegekassen und Gesundheitsamt in einer Telefonkonferenz über eine Evakuierung des Hauses diskutierten, so ein Sprecher der Awo. Diese hätte nun allerdings abgewendet werden können, in dem am Dienstag durch hausinterne Umzüge drei neue Wohngruppen geschaffen worden seien. Das Landratsamt verweist auf die Verantwortung des Trägers, der letztlich die Betreuung absichern müsse.

So würden alle positiv Getesteten jetzt zu einer Wohngruppe zusammen gefasst. Ein weiterer Bereich bestehe aus Senioren, die Kontakt zu Betroffenen hatten. Der Wohnbereich, der bisher nicht vom Virus betroffen ist, werde fortan von allen negativ Getesteten bewohnt. „Wir sind zum dem Schluss gekommen, dass eine Evakuierung der gesunden Bewohner nur Ängste und Verunsicherung geschürt hätte“, sagt Awo-Sprecher Dirk Gersdorf. Wohl auch unter jenen Einrichtungen, die Bewohner aus dem Seniorenzentrum „Am Stausee“ aufgenommen und eine Verbreitung Virus auch bei ihnen gefürchtet hätten.

Neun weitere Mitarbeiter positiv getestet

Obwohl mehr als ein Drittel der Belegschaft ausfällt, könne man mit der Dreiteilung die Pflege weiter gewährleisten. „Uns ist bewusst, dass wir den Mitarbeitern gerade viel abverlangen. Ich kann nur den Hut ziehen“, sagt Awo-Sprecher Dirk Gersdorf. Der Massentest am Wochenende habe neun unerkannte Infektionen unter den Mitarbeitern hervorgebracht. Diese müssen nun in Quarantäne und dürfen erst wieder zum Dienst erscheinen, wenn sie 48 Stunden symptomfrei waren und zwei Negativtests vorliegen. „Die Mitarbeiter hatten keinerlei Symptome. Das zeigt, wie tückisch das Virus ist“, sagt Dirk Gersdorf.

Es sei nicht möglich, die Infektionsketten nachzuvollziehen. Nach Bekanntwerden des ersten Falles habe man den betroffenen Wohnbereich isoliert. „Dennoch lässt sich nicht ganz verhindern, dass sich Mitarbeiter im Haus begegnen“, so Gersdorf. Infizierte ohne Symptome verbreiten das Virus, ohne zu wissen, dass sie es tragen. Bewohner oder Mitarbeiter könnten es auch von außerhalb mitgebracht haben.

Flächendeckende Tests erst vor wenigen Tagen

Angehörige, die sich an unsere Zeitung gewendet haben, kritisieren das zögerliche Vorgehen des Gesundheitsamtes des Landkreises Greiz. Die Behörde verwies nach den ersten Fällen im Haus Anfang April mehrfach darauf, dass Bewohner und Mitarbeiter im Haus nur bei Symptomen getestet werden. Ende vergangener Woche schrieb uns eine Angehörige. „Spätestens nach dem Fall in Wolfsburg hätte hier klar sein müssen, dass die Infektionskette ganz schnell durchbrochen werden muss. Aber dafür muss man testen nach einem ersten Fall – vor allem das Personal, welches die Schutzbefohlenen versorgt und danach auch alle Kontaktpersonen im Heim und außerhalb“, schreibt die Frau, die anonym bleiben will. Ihr Name ist der Redaktion bekannt. „Auch wir hätten uns schneller flächendeckende Tests gewünscht. Aber es gibt auch gute Argumente für den Standpunkt des Gesundheitsamtes. Jetzt haben wir endlich Klarheit“, sagt Dirk Gersdorf von der Awo. Aus dem Landratsamt gibt es derweil Signale, dass weitere Tests folgen könnten. Dazu soll es in Kürze weitere Informationen geben.