Corona-Massentest: Im Kreis Greiz Klarheit übers Wochenende erzwungen

Greiz.  Landrätin kritisiert „Nacht- und Nebel-Aktion“. 1000 Personen aus sieben stationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis Greiz getestet. Bislang 42 positive Ergebnisse.

Unter den sieben Einrichtungen im Landkreis Greiz in denen verstärkt auf eine Corona-Infektion getestet wurde, gehörte am ersten Maiwochenende auch das Pflegeheim „Lebensabend im Schlosshotel“ in Bad Köstritz.

Unter den sieben Einrichtungen im Landkreis Greiz in denen verstärkt auf eine Corona-Infektion getestet wurde, gehörte am ersten Maiwochenende auch das Pflegeheim „Lebensabend im Schlosshotel“ in Bad Köstritz.

Foto: Peter Michaelis

Das Landesverwaltungsamt hatte am Abend des 30. April kurzfristig für das vergangene Wochenende Massentests im Landkreis Greiz veranlasst. Darüber informierte das Landratsamt Greiz. Alle Ergebnisse lagen bis Montagnachmittag nicht vor. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Etwa 1000 Bewohner, Mitarbeiter und Patienten von sechs stationären Pflegeeinrichtungen und der Fachklinik für Geriatrie in Ronneburg seien zwischen dem 1. und 3. Mai auf das Corona-Virus getestet worden. Zwei mobile Abstrichteams testeten in den Einrichtungen, Pflegekräfte waren aufgefordert, sich in den Abstrichstellen in Greiz und Ronneburg zu melden. Getestet wurde in den Greizer Pflegeheimen „Haus an der Schlossbrücke, „Haus Kolin“ und „Anna Seghers“, außerdem im Zeulenrodaer Heim „Zum Stausee“, in der Seniorenresidenz „Am Markt“ Weida und im Bad Köstritzer Heim „Lebensabend im Schlosshotel“ sowie in der Fachklinik.

Weil es schon vorher verstärkt Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen gegeben hatte, meldete der Landkreis Greiz am 21. April Hilfebedarf im Landesverwaltungsamt an und forderte Testteams an. „Diese Hilfeanforderung wurde am 27. April gegenüber dem Landeskrisenstab erneuert. Wir wollten klare Verhältnisse im Interesse der Mitarbeiter und Bewohner der Heime“, erklärt Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). „Doch wie das dann gelaufen ist, das hat in meinen Augen die Grenzen des Machbaren überstiegen. Da spreche ich sowohl für meine Mitarbeiter, als auch für die Pflegeeinrichtungen, die innerhalb von wenigen Stunden ihr gesamtes Personal zum Testen schicken mussten“.

Vor ihrer Spätschicht am 1. Mai bekam auch eine Mitarbeiterin eines Greizer Seniorenpflegeheimes einen Anruf von einer Kollegin, dass sie sich im Landratsamt testen lassen solle. Um die Mittagszeit fand sie sich in der zur Abstrichstelle umfunktionierten ehemaligen Cafeteria ein. „Die Kollegen im Heim müssen ganz schön gerudert haben, dass sie alle erreichen“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ich habe eine dreiviertel Stunde gewartet. Es war bissel chaotisch, recht frisch draußen und es gab keine Toilette. Doch die Leute, die nach der Frühschicht zum Abstrich gegangen sind, haben sogar über zwei Stunden gewartet“, erzählt sie. Am Sonntag dann sei ein Abstrichteam von zwei Leuten zu den Bewohnern gekommen. „Das war relativ problemlos. Bei manchen habe ich Händchen gehalten“. Auf die Frage, ob sie schon wisse, wie ihr Testergebnis ausgefallen ist, sagt die Altenpflegerin: „Ich denke negativ. Das Resultat sollte innerhalb eines Tages vorliegen und ich sollte nur einen Anruf bekommen, wenn es positiv ist“, sagt sie.

Von den 854 Abstrichen, die die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit dem Gesundheitsamt in den Abstrichstellen im Landratsamt und im Ronneburger Schützenhaus nahm, seien bis Montag, 15 Uhr, 536 ausgewertet gewesen. Dabei habe man 42 positive Fälle gefunden. Auf welche Einrichtungen sich diese verteilen, erklärt KV-Sprecher Veit Malolepsy nicht. Laut Landratsamt sollen acht Bewohner des Zeulenrodaer Heimes darunter sein. Positiv getestetes Personal müsse sofort in Quarantäne und dürfe erst wieder zum Dienst erscheinen, wenn es 48 Stunden symptomfrei war und zwei Negativtests vorliegen, heißt es.

Die Kritik der Landrätin richtet sich gegen das Landesverwaltungsamt. „Auch ich habe nicht das geringste Verständnis für diese überfallartige Nacht-und-Nebel-Aktion, die die Akzeptanz staatlichen Handelns in keiner Weise gefördert haben dürfte.“