Besuchsverbot bleibt in Pflegeheimen im Kreis Greiz: So reagieren die Einrichtungen

Greiz/Zeulenroda-Triebes.  Landrätin Martina Schweinsburg hält Besuchsverbot in stationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis Greiz aufrecht. In Pflegeheimen werden Lockerungen des Landes auch kritisch gesehen.

Besuchsverbot in Greizer Pflegeheimen bleibt bestehen. Birgit Farr, Leiterin der Senioreneinrichtung „Haus an der Schloßbrücke“ in Greiz, kontrolliert, ob das Hinweisschild noch ordentlich festgemacht ist.

Besuchsverbot in Greizer Pflegeheimen bleibt bestehen. Birgit Farr, Leiterin der Senioreneinrichtung „Haus an der Schloßbrücke“ in Greiz, kontrolliert, ob das Hinweisschild noch ordentlich festgemacht ist.

Foto: Tina Puff

Eigentlich dürften ab morgen die stationären Pflegeeinrichtungen wieder Besucher ins Haus lassen. So zumindest entschied es Ende vergangene Woche die Thüringer Landesregierung. Nicht aber im Landkreis Greiz. Das teilte gestern eine Sprecherin des Landratsamtes mit. Der Landkreis gehört bundesweit zu den Schwerpunkten bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Alle aktuellen Entwicklungen im Liveblog.

"Mitarbeiter sehen geplanten Besuchslockerungen sehr kritisch"

Die Greizer Senioren- und Pflegeheim Gesellschaft unter der Leitung von Ina Wasilkowski betreibt in Greiz zwei Pflegeheime, eine Seniorenwohnanlage, ein Wohnheim für psychisch Kranke und eine Tagesstätte für psychisch Kranke. Im Haus Kolin werden derzeit 136 Bewohner, im Pflegeheim Anna Seghers 77 Bewohner und im Wohnheim für psychisch Kranke 30 Personen betreut. „Wir machen uns viele Gedanken und das Thema wird uns noch eine ganze Weile begleiten“, sagt Ina Wasilkowski.

Man sei froh, dass es in den Einrichtungen im Ergebnis des aktuellen Massentests noch keinen betroffenen Bewohner gibt. Nur eine symptomfreie Mitarbeiterin wurde positiv getestet. Aber die Sorge sei groß, dass man sich einen Coronafall ins Haus holt. „Die Mitarbeiter sehen die geplanten Besuchslockerungen seitens der Landesregierung sehr kritisch. Diese sollten nur langsam und schrittweise erfolgen, denn keiner möchte das Risiko für die Bewohner in unserem stark betroffenen Landkreis drastisch erhöhen“, sagt Geschäftsführerin Wasilkowski. „Die Bewohner akzeptieren die Situation, aber wir haben auch totales Verständnis für ihre Sehnsüchte. Es muss langfristig ein lebensfähiges Konzept erarbeitet werden, wie wir die Persönlichkeitsrechte und den Gesundheitsschutz vereinbaren können. Es wird wohl einen Mittelweg geben müssen.“

Auch in der Senioreneinrichtung „Haus an der Schloßbrücke“ in Greiz zeigt man sich verhalten. Man müsse abwarten, was seitens des Landratsamtes und des Gesundheitsamtes entschieden wird.

Entwicklung abwarten

In Zeulenroda-Triebes betreibt die Arbeiterwohlfahrt die zwei Seniorenzentren „Am Stausee“ und „Am Birkenwäldchen“. Das Seniorenzentrum „Am Stausee“ ist vom Coronavirus hart getroffen worden. Ende April wurden acht Mitarbeiter und 24 Bewohner positiv getestet. Das Heim steht seither unter Quarantäne.

Gestern konnte Dirk Gersdorf, Pressesprecher der Awo ASJ Gesellschaft, noch nicht viel sagen zu eventuellen Lockerungen. „Es gibt noch keine offiziellen Informationen. Wir müssen einfach abwarten, und uns gegebenenfalls mit den zuständigen Gesundheitsämtern abstimmen. Wenn es Lockerungen geben sollte, werden wir diese schnell umsetzen, wir sind vorbereitet.“ Im Seniorenheim „Am Stausee“ leben derzeit 111 Personen und im Seniorenheim „Am Birkenwäldchen“ 90.

Die Thüringer Landesregierung formulierte Ende vergangene Woche in ihren Corona-Regeln: „Die Krankenhäuser, Pflegeheime, Senioren- und Behinderteneinrichtungen haben in den vergangenen Wochen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen und Schutzkonzepte erarbeitet. Auf dieser Grundlage und den niedrigen Infektionszahlen soll geregelt werden, dass Patienten und Bewohner einer solchen Einrichtung die Möglichkeit des wiederkehrenden Besuchs durch eine definierte Person ermöglicht wird, sofern es aktuell in der der betreffenden Einrichtung kein aktives SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen gibt.“