Landrat des Saale-Orla-Kreises verstieß offenbar gegen das Schutzgesetz

Möschlitz.  24 Personen wurden bei einem Konzert in Möschlitz von der Polizei angetroffen. Darunter: Saale-Orla-Kreischef Thomas Fügmann.

 Landrat Thomas Fügmann

Landrat Thomas Fügmann

Foto: Foto: Peter Cissek

Die Polizeiinspektion Saale-Orla achtete über Ostern darauf, dass die Infektionsschutzgesetze eingehalten wurden. Das hat nun Folgen für den Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann (CDU). Die Beamten registrierten ihn bei einer untersagten Veranstaltung und fertigten Anzeigen.

Hintergrund des Ganzen ist eine zuvor von Fügmann erteilte Ausnahmegenehmigung für ein Konzert des Möschlitzer Posaunenchores am Ostersonntag und drei ähnliche Veranstaltungen. Allerdings hatte der Krisenstab der Landesregierung und das Landesverwaltungsamt am Sonnabend daraufhin interveniert, so dass Fügmann die Ausnahmegenehmigungen zurückgenommen habe. Dieses soll den Veranstaltern des Posaunenchor-Konzertes am Ostersonntag mitgeteilt worden sein.

Fügmann wollte sich zum Vorfall nicht äußern

Als jedoch gegen 10.30 Uhr der Veranstaltungsort in Möschlitz von einer Polizeistreife angefahren wurde, stellten die Beamten dort 24 Menschen fest. Neben den sechs Musikern des Posaunenchores registrierten die Beamten 18 Besucher, darunter Thomas Fügmann. Der Schichtleiter der Polizeiinspektion Saale-Orla habe daraufhin mit dem Landrat telefoniert. Fügmann soll danach verkündet haben, dass noch ein Lied vom Posaunenchor gespielt und dann die Ansammlung aufgelöst werde, da die Polizei einen Aufstand mache.

Gegen die 24 Teilnehmer des augenscheinlichen Posaunenkonzertes wurden von der Polizei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz gefertigt – unter anderem auch gegen Landrat Fügmann. Wer nun als Veranstalter des Konzertes gilt, wird zurzeit von der Polizei ermittelt.

Die Polizeiinspektion Saale-Orla bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion die Menschenansammlung bei einem Konzert in Möschlitz und die Anwesenheit von Landrat Thomas Fügmann. Fügmann wollte sich am Montag nicht zu den Vorfällen in Möschlitz äußern.

Nachtrag Montagabend: Die Pressestelle äußert sich

Nur wenige Stunden, nachdem der Bericht über die Vorgänge in Möschlitz online veröffentlicht wurden, äußerte sich die Tochter des Landrates, Corina Fügmann, im Namen der Pressestelle des Landratsamtes in einem Kommentar unter dem Artikel auf dem sozialen Netzwerk Facebook.

„Landrat Thomas Fügmann verwahrt sich gegen die Behauptung – heute online in der Ostthüringer Zeitung – er habe gegen die aktuellen Auflagen nach dem Infektionsschutzgesetz verstoßen“, heißt es eingangs. Stattdessen soll der Landrat als Vertreter des Pandemiestabes des Landratsamtes vor Ort gewesen sein, um den Ablauf der Veranstaltung entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen zu überprüfen. Dabei habe er keine Verstöße feststellen können.

Derartige Auftritte von Posaunenchören seien an mehreren Orten im Saale-Orla-Kreis für Ostern geplant gewesen. Dazu habe es auch eine Abstimmung mit dem Landespandemiestab gegeben. Nun sei zu prüfen, ob es sich bei dem Artikel in der Ostthüringer Zeitung um eine Verleumdung handele, wogegen sich das Landratsamt rechtliche Schritte vorbehielte, heißt es abschließend in dem Kommentar.