So krank ist der Landkreis Greiz

Greiz  Die Krankenkasse DAK-Gesundheit stellt ihren Gesundheitsreport vor. Die Greizer verletzen sich auffällig häufig.

Jörg Vollmer stellte die Daten des Gesundheitsreports vor. Für DAK-Versicherte stellt die Krankenkasse das kostenlose Online-Programm Vorvida zur Verfügung, das den Alkoholkonsum reduzieren will.

Jörg Vollmer stellte die Daten des Gesundheitsreports vor. Für DAK-Versicherte stellt die Krankenkasse das kostenlose Online-Programm Vorvida zur Verfügung, das den Alkoholkonsum reduzieren will.

Foto: Tobias Schubert

Der Krankenstand im Landkreis Greiz lag im Jahr 2018 nur minimal über dem Thüringer Durchschnitt, aber deutlich höher als der Bundesdurchschnitt und der Landkreis-Schnitt im Jahr 2017. Das geht aus den Zahlen des Gesundheitsreports der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die diese traditionell einmal im Jahr vorstellt. Laut dieser Zahlen waren damit an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 54 krankgeschrieben, erläutert Jörg Vollmer, Leiter der DAK-Servicestelle in Greiz. 2017 waren es noch 47, der 2018er-Durchschnitt in Thüringen lag bei 5,3 Prozent oder 53 krankgeschriebenen Arbeitnehmern pro Tag.

Der höchste Krankenstand in Thüringen wurde mit 6,1 Prozent in Eisenach und dem Wartburgkreis verzeichnet, der niedrigste mit 4,7 Prozent in Jena.

Die meisten Fehltage produzierten 2018 im Landkreis Greiz Erkrankungen am Muskel-Skelett-System. Dieser Bereich macht 23,9 Prozent aus. Beinahe jeder vierte Ausfalltag hatte eine Muskel-Skelett-Erkrankung als Ursache. Rückenschmerzen und Co. nahmen um zwölf Prozent zu. Auffällig ist, dass im Landkreis schon auf Platz zwei die Verletzungen folgen (14,5 Prozent), die thüringenweit erst nach Erkrankungen am Atmungssystem und auf psychische Erkrankungen kommen. Die letzten beiden liegen im Landkreis Greiz auf Platz drei und vier. Bronchitis, Erkältungen und Mandelentzündungen haben dennoch mittlerweile einen Anteil am gesamten Krankenstand von mehr als 14 Prozent.

Die Anzahl der Verletzungen ist im Landkreis auffällig stark gestiegen, von 215 Fehltagen pro 100 Versicherte im Jahr 2017 auf 286 Fehltage im Jahr 2018. Das ist ein Anstieg von 33 Prozent. Je 100 Versicherte fallen im Landkreis Greiz wegen Verletzungen fast 40 Fehltage mehr an als im Landesdurchschnitt (248) an. Gesunken sind lediglich die Zahl der Fehltage pro 100 Versicherte bei Erkrankungen der Atmungssysteme und diese nur unerheblich von 291 Fehltagen auf 285 (ein Minus von rund zwei Prozent).

Traditionell setzt der Gesundheitsreport jedes Jahr einen besonderen Schwerpunkt, der näher untersucht wird, allerdings nur thüringenweit und nicht heruntergebrochen auf Landkreise. In diesem Jahr hat sich die Krankenkasse das Thema Suchterkrankungen gewählt, die per Diagnoseziffer unter die psychischen Erkrankungen fallen. Für das Schwerpunkthema wertete das Iges Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der Krankenkasse in Thüringen aus – flankiert von Analysen der ambulanten und stationären Versorgung.

In der Gruppe der psychischen Erkrankungen machen die Suchterkrankungen laut der Daten 5,3 Prozent der Fehltage aus. Bezogen auf alle Krankheitsgruppen sind es 0,71 Prozent. Vollmer verweist aber darauf, dass die Suchtproblematik auch bei anderen Erkrankungen eine Rolle spielen könnte, sie aber durch andere Kennziffern nicht darunter gezählt werden. So könnten beispielsweise Erkrankungen am Atmungssystem auch auf Substanzstörungen zurückzuführen seien, werde aber als beispielsweise Bronchitis erfasst und damit nicht als Suchterkrankung. Anders gesagt, die Dunkelziffer könnte noch um einiges höher liegen.

Der Alkohol spielt bei den sogenannten Substanzstörungen die größte Rolle und verursacht 70 Prozent der Fehltage. Weitere Substanzen, die eine Rolle spielen, sind Cannabinoide, Tabak, Opioide und Stimulanzien.

85 Prozent der Erwerbstätigen hierzulande trinken Alkohol, bei Frauen sind es 79 Prozent, bei Männern 89 Prozent. Unter die Gruppe „Riskanter Alkoholkonsum“ fallen 14,2 Prozent der Befragten oder jeder siebte Beschäftigte in Thüringen, hochgerechnet rund 134.000 von ihnen. „Riskanter Alkoholkonsum“ bedeutet pro Tag 24 Gramm Reinalkohol bei Männern und zwölf Gramm bei Frauen – also zwei Bier á 0,3 Liter bei Männern und eines für Frauen – wobei zwei Tage in der Woche gar kein Alkohol getrunken wird. Von einem schädlichen Alkoholkonsum wird bei 0,5 Prozent der Befragten ausgegangen, von einer möglichen Alkoholabhängigkeit bei 1,2 Prozent.

Auffällig ist, dass der Alkoholkonsum größer wird, je jünger die Befragten sind. In der Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen liegt die Gruppe des schädlichen Gebrauchs und der potenziellen Abhängigkeit bei 3,2 Prozent, die des riskanten Alkoholkonsums bei 16,1 Prozent. Diese Zahlen verringern sich, je älter die Menschen werden. Bei den 60 bis 65-Jährigen liegt der schädliche Gebrauch/die mögliche Abhängigkeit bei 0,5 Prozent, der riskante Konsum bei 7,7 Prozent.

Der hohe Alkoholkonsum wirkt sich auch auf den Arbeitsalltag aus. In der Gruppe der potenziell Abhängigen/schädlicher Gebrauch gaben 47,3 Prozent an, in den vergangenen drei Monaten (zum Zeitpunkt der Umfrage) unkonzentriert oder abgelenkt bei der Arbeit zu sein. 27,2 Prozent kamen im vergangenen Jahr zu spät auf Arbeit oder gingen früher. 17,2 Prozent konsumieren mehrmals pro Monat Alkohol auch am Arbeitsplatz und 7,2 Prozent aus dieser Gruppe gaben an, dass der Alkoholkonsum im vergangenen Jahr eine Rolle bei den Krankschreibungen gespielt habe. Wobei Vollmer darauf hinweist, dass möglicherweise viele Menschen den Alkoholkonsum nicht als Krankheitsgrund angeben würden, sondern sich zum Beispiel wegen Rückenschmerzen krankschreiben ließen. Auch hier liege die Dunkelziffer wohl höher. Untersucht wurden zudem die Tabakabhängigkeit und Computerspielesucht.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten Krankenkassen Deutschlands. Sie hat 54.000 Versicherte in Thüringen, davon rund 7000 im Landkreis Greiz.

Meine Meinung:

Tobias Schubert über den Gesundheitsreport

Die Daten basieren zum einen auf Krankmeldungen bei der DAK-Gesundheit. Sie beziehen sich nur auf Erwerbstätige. Die Angaben zur Suchtproblematik entstammen Daten der DAK-Gesundheit, einer Expertenbefragung und aus einer Online-Befragung unter Erwerbstätigen zwischen 18 und 65 Jahren mit rund 5000 Teilnehmern.

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