Uniklinikum Jena rüstet sich für mehr Coronatest-Kapazität

Jena.  So untersuchen Jenaer Institutsmitarbeiter die Thüringer Proben auf das Coronavirus.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena untersucht Proben auf das Coronavirus: Beate Haschke bestückt eine Maschine, die aus den Proben die DNA extrahiert.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Jena untersucht Proben auf das Coronavirus: Beate Haschke bestückt eine Maschine, die aus den Proben die DNA extrahiert.

Foto: Tino Zippel

Das Universitätsklinikum Jena rüstet sich auf deutlich mehr Tests auf das Coronavirus ein. Das Institut für Medizinische Mikrobiologie plant Abend- und Wochenendarbeit, um die Kapazitäten zu erhöhen. Laut Oberarzt Michael Baier hat das Labor in Jena-Lobeda bislang im Schnitt 20 Proben pro Tag bearbeitet, stellt sich aber auf bis zu 200 bis 300 pro Tag ein –neben den regulären Aufgaben beim Nachweis von anderen Krankheitserregern.

Maschinelle und händische Schritte nötig: Bis zu 90 Proben parallel in Arbeit

„Den Corona-Nachweis können wir seit 5. Februar erbringen“, sagt Michael Baier. Der technische Prozess dauere zwischen drei und fünf Stunden und umfasse sowohl maschinelle als auch manuelle Schritte. Die Geräte können bis zu 90 Proben parallel verarbeiten. „Unser Ziel ist, den Befund innerhalb von 24 Stunden an Arzt oder Gesundheitsamt zu übermitteln“, sagt der promovierte Oberarzt. Dabei bearbeiten die Jenaer ab sofort nicht mehr nur Proben aus dem Uniklinikum oder den Partnerkrankenhäusern Weimar, Naumburg und Zeitz, sondern auch von verschiedenen Thüringer Gesundheitsämtern.

Der Ablauf ist bei jeder Probe gleich: Der Arzt nimmt einen Abstrich mit einem Tupfer aus dem Nasenrachenraum. „In dieser anatomischen Region findet im Krankheitsverlauf zunächst eine Virus­vermehrung statt. Dort kann mit hohen Virusmengen gerechnet werden“, sagt Baier. Bei Verdacht auf Lungenentzündung braucht es eine Probe aus den tiefen Atemwegen.

Wuhan-Coronavirus wird anhand seines Erbgutes identifiziert

Dieser Abstrich erreicht das Labor in Jena. Zum Virusnachweis wird die molekularbiologische Methode der Polymerase-Ketten-Reaktion angewendet, die das Erbgut des Virus spezifisch nachweist, erläutert Baier. Ein komplexes Verfahren reinigt die Erbsubstanz aus dem Probenmaterial und wandelt sie in DNA. Ein Laborgerät vervielfältigt diese im Anschluss mit Hilfe von Enzymen und weiteren Komponenten, indem es temperaturabhängige Zyklen durchläuft. Ein Spezialgerät sucht im vervielfältigten Genmaterial nach der Sequenz des „Wuhan-Coronavirus“. Bei einem positiven Screening bestätigt oder entkräftet ein zweiter Test das Ergebnis.

Neben dem Jenaer Labor untersucht auch das Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza Proben. Auch private Anbieter rüsten sich. Ein Schnelltest sei noch nicht auf dem Markt. Solche Nachweise gibt es beispielsweise auf Influenza. Dann reicht ein Gerät kleiner als ein Toaster, um binnen kurzer Zeit direkt in der Notaufnahme den Verdacht abzuklären. „Fürs Coronavirus ist frühestens in sechs Monaten mit einem Schnelltest zu rechnen“, sagt Baier. Zunächst arbeitet sein zehnköpfiges Team nach einem Sonderplan, um die Zusatzschichten abzudecken. „Wir danken unserem Team für seine Bereitschaft.“

Bislang keine weiteren Corona-Fälle in Thüringen