Warum nicht jeder auf Corona getestet wird

Weimar.  Viele Menschen sind verärgert, weil sie bei der 116.117 oder den Gesundheitsämtern nicht durchkommen oder abgewiesen werden.

Laut Robert-Koch-Institut soll ein Coronatest nur im begründeten Verdachtsfall durchgeführt werden.

Laut Robert-Koch-Institut soll ein Coronatest nur im begründeten Verdachtsfall durchgeführt werden.

Foto: Felix Kästle / dpa

Wer aus einem Corona-Risikogebiet zurückkehrt oder unsicher hinsichtlich seines Gesundheitszustandes ist, hofft auf Klarheit durch einen Test auf das Coronavirus. In der Realität stoßen dabei viele auf hohe Hürden. Mal ist die 116.117 unerreichbar, viele Anrufer werden abgewiesen. In sozialen Netzwerken häuft sich der Unmut: In Thüringen werde so gut wie nicht getestet, selbst wenn sich Menschen mit Symptomen an der Hotline meldeten. „Sie werden nur gefragt, ob sie mit Leuten aus Risikogebieten Kontakt hatten, wird das verneint, schickt man sie zum Hausarzt. Meiner Meinung ist das ein Skandal“, so eine Wortmeldung. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) verweist man auf die Häufung von Anrufen zu jeglichen Themen rund um Corona wie Kinderbetreuung oder Reisen, die derzeit die 116.117 erreichten. „Dadurch war die Hotline teilweise überlastet und für Menschen, die ärztliche Hilfe benötigen, nicht zu erreichen“, sagt KV-Sprecher Veit Malolepsy. Genutzt werden sollte der ärztliche Bereitschaftsdienst nur bei der begründeten Befürchtung, dass man sich mit dem Coronavirus angesteckt hat sowie bei akuten Erkrankungen oder Anliegen an die Terminservicestelle. Am besten funktioniere das über das Festnetztelefon.

Einschätzungen würden nach streng medizinischen Gesichtspunkten getroffen

Getestet wird nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes (RKI). Eine Labordiagnose, so die Experten, soll demnach nur bei Krankheitszeichen durchgeführt werden. Bei Gesunden sage ein Coronatest nichts darüber aus, ob man krank werden kann. Zudem würden damit die Testkapazitäten unnötig belastet. Angezeigt seien Tests bei begründeten Verdachtsfällen, das heißt, wenn Krankheitszeichen vorliegen und innerhalb der letzten 14 Tagen Kontakt zu Infizierten bestand oder sich die Betroffenen in Risikogebieten aufhielten. „Die Einschätzung, wer eines Tests bedarf und wer nicht, wird von medizinischem Fachpersonal nach medizinischen Gesichtspunkten getroffen.

Pro-forma-Tests bieten keine Sicherheit

Den Auskünften der Kollegen an der 116.117 kann vertraut werden“, versichert Veit Malolepsy. Auch über Arztpraxen und einige örtliche Gesundheitsämter würden Test-Termine vergeben. „Häusliche Isolation hat Vorrang gegenüber den Tests“, sagt auch der Erfurter Infektiologe Rainer Lundershausen. Inzwischen verfügt Thüringen über ein flächendeckendes Netz an Abstrich-Stützpunkten, um Arztpraxen und die normalen Stationen der Krankenhäuser von Verdachtsfällen zu entlasten. Laut Gesundheitsministerin Heike Werner können derzeit täglich 1300 Tests bearbeitet werden.

Auf die Frage, warum die Stützpunkte nicht offen für alle seien, sagte Norbert Daumann, Bereitschaftsarzt in der Abstrich-Stelle des Helios Erfurt, Pro-forma-Tests böten keine echte Sicherheit. „Wer sich heute testen lässt und negativ ist, weiß nicht, ob er sich nicht morgen infiziert. Das einzige was wirklich vor Ansteckung schützt, ist Abstand halten“, so Daumann.

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