Weitere Corona-Fälle im Seniorenzentrum in Zeulenroda-Triebes

Zeulenroda-Triebes.  Am Mittwochabend soll ein weiterer Mitarbeiter positiv getestet worden sein. Mitarbeiter beklagen mangelnde Kommunikation und zu spät eingetroffene Schutzausrüstung.

Auf einer Station im Zeulenrodaer Seniorenzentrum hat das Corona-Virus mehrere Bewohner und Mitarbeiter befallen.

Auf einer Station im Zeulenrodaer Seniorenzentrum hat das Corona-Virus mehrere Bewohner und Mitarbeiter befallen.

Foto: Heidi Henze

Im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) „Am Stausee“ in Zeulenroda-Triebes wurden Stand Mittwochnachmittag acht Menschen positiv auf das neuartige Corona-Virus getestet. Darunter sechs Bewohner und ein Mitarbeiter. Eine 94-Jährige Frau verstarb am Sonntag an den Folgen der Infektion. Die Fälle beschränken sich nach Informationen unserer Zeitung auf eine einzelne Station mit 32 Bewohnern und 16 Mitarbeitern. Am Dienstag wurden alle Mitarbeiter und Bewohner der Station getestet. Die Ergebnisse sind derzeit noch ausstehend. „Manchmal sind Ergebnisse am nächsten Tag da, manchmal dauert es mehrere Tage. Wir hoffen es geht sehr schnell“, sagt ein Sprecher der Awo. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Getestet wird nur bei Symptomen

Bereits im Vorfeld seien stationsübergreifend 17 Bewohner und 62 Mitarbeiter getestet worden, sofern sie Symptome zeigten, oder der Hausarzt entsprechend entschied. Von den Getesteten waren die nun bekannten sieben Fälle positiv. Das Gesundheitsamt des Landkreises Greiz verweist weiterhin darauf, dass auch in Pflegeheimen die bekannten Richtlinien des Robert-Koch-Instituts gelten würden. Das heißt getestet wird nur, wenn Symptome auftreten und auch nur bei diesen Personen. „Wenn demnächst bei weiteren Personen noch Symptome auftreten, werden die auch getestet“, so eine Sprecherin des Gesundheitsamtes.

Pflegepersonal ist angespannt

Für das Pflegepersonal sei die Situation sehr angespannt, berichtet eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will. Kritik äußert sie unter anderem an der Informationspolitik des Gesundheitsamtes. Am Mittwoch hätten viele Mitarbeiter auf die Testergebnisse gewartet, aber in der Behörde niemanden erreicht. Unklar sei außerdem, wie positiv getestete Mitarbeiter die Quarantäne im Alltag meistern sollen. „Dürfen die Infizierten weiter Kontakt mit Angehörigen haben? Müssen die Kontaktpersonen auch getestet werden? Das alles ist unklar“, sagt sie. Das Gesundheitsamt teilt mit, dass Kontakt mit Angehörigen nach den allgemein gültigen Regeln, wie Hygieneregeln oder Abstandsregelung weiter möglich sei. Kontaktpersonen würden nur getestet, wenn sie Symptome haben.

Kreiskrankenhaus soll Patienten zurück überwiesen haben

Aber nicht nur im Privaten, auch auf Station sei die Lage schwierig. „In die Corona-Zimmer gehen wir nur mit Ganzkörperschutz. Aber um die Vorgaben einzuhalten, fehlt einfach die Zeit“, sagt sie. So müsste bei den Corona-Fällen eigentlich stündlich die Temperatur gemessen werden. Sichtkontrollen sollen alle 15 Minuten durchgeführt werden. Zwei positiv getestete Bewohner seien vom Kreiskrankenhaus Greiz wegen eines vermeintlich guten Allgemeinzustandes in die Einrichtung zurück überwiesen worden. „Allerdings sind diese beiden Patienten total neben der Spur. Sie sind kurzatmig und nehmen nur Flüssignahrung zu sich“, sagt die Mitarbeiterin. Sie könne die Entscheidung des Kreiskrankenhauses Greiz nicht nachvollziehen. Von der Krankenhausleitung war am Mittwoch dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

Mitarbeiterin: Schutzkleidung erst spät zur Verfügung gestellt

Außerdem hätten die Mitarbeiter einen Vollschutz vom Träger erst viel zu spät erhalten. Die Awo sagt, dass Schutzkleidung (FFP2-Masken und Schutzkleidung) schon im Haus vorhanden war und sofort eingesetzt worden sei. „Das stimmt nicht! Die Masken wurden erst nach dem zweiten bestätigen Fall ausgegeben“, sagt die Mitarbeiterin. Die Mitarbeiter seien derzeit alle am Limit. Am Mittwochnachmittag habe ein weiterer Mitarbeiter erfahren, dass er positiv getestet wurde. Die Awo teilt mit, dass nach der aktuell gültigen Anweisung des Gesundheitsamtes nur gesunde Mitarbeiter arbeiten dürften. „Wir sind auf einen entsprechenden Notfalldienstplan vorbereitet“, heißt es seitens des Trägers.

Die Umsetzung der Sicherheits-Maßnahmen auf der betroffenen Station sei nicht immer leicht. So seien die Bewohner zwar angehalten auf ihren Zimmer zu bleiben und Hygienemaßnahmen einzuhalten, aber vor allem schwer dementen Bewohnern sei dies schwer zu vermitteln. „Die Unsicherheit ist bei uns allen groß. Wir machen uns große Sorgen um die Patienten und unsere Angehörigen“, sagt die Mitarbeiterin. Bis die Testergebnisse da sind, könne man nur weiter das Beste geben.

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