Zeulenrodaer Stadtapotheke: Kleine Kügelchen sind mehr als ein Placebo

Kathrin Fritzsche und Mareen Rademacher über die Geschichte der Homöopathie und den Wirkungsgrad.

Apothekerin Kathrin Fritzsche (links) und die pharmazeutisch-technische Assistentin Mareen Rademacher sind von Homöopathie überzeugt. Foto: Maike Scholz

Apothekerin Kathrin Fritzsche (links) und die pharmazeutisch-technische Assistentin Mareen Rademacher sind von Homöopathie überzeugt. Foto: Maike Scholz

Foto: zgt

Zeulenroda-Triebes. Die kleinen Fläschchen sind meist aus braunem Glas. Kleine Kügelchen befinden sich darin: Homöopathische Mittel sind selbst jenen bekannt, die nicht an die Wirkung glauben. Die Behandlungsmethode wird in der Medizin zwar als eine mögliche Alternative angesehen, bleibt aber gleichzeitig auch eine höchst umstrittene.

"Homöopathie ist eine Form der alternativen Medizin", meint Apothekerin Kathrin Fritzsche von der Zeulenrodaer Stadtapotheke. Vor allem auch in den Apotheken würde man sich mit homöopathischen Mitteln auseinandersetzen. Doch was verbirgt sich dahinter?

"Gleiches mit Gleichem heilen", erklärt Fritzsche das Prinzip. Der Begründer Samuel Hahnemann habe sich Gedanken zu einer Alternative für Medikamente und deren Nebenwirkungen gemacht. "Er stellte die damalige gesamte Schulmedizin auf den Kopf", berichtet Fritzsche. Das war 1810, als Hahnemann die erste Auflage seines Grundlagenwerks zur Homöopathie veröffentlichte.

In einer Anamnese wird zunächst herausgefunden, was das Leiden bedingt. Die Ursache wird dann mit stark verdünnten Mitteln behandelt. Das jeweilige Mittel wird so ausgesucht, dass es bei Gesunden in höherer Dosis ähnliche Krankheitssymptome verursacht. Der Trick ist also die Verdünnung von Giften. Dadurch soll eine Heilwirkung einsetzen, erläutert die pharmazeutisch-technische Assistentin Mareen Rademacher.

Symptome von Fieber ähneln zum Beispiel jenen, die durch die Tollkirsche ausgelöst werden. Die Herstellung dauere allerdings sehr lange - durch die Verdünnung, also das Potenzieren. Und wichtig ist auch: "Man kann nicht ein Mittel für alle haben", sind sich Fritzsche und Rademacher einig.

In der Apotheke gebe es gewisse "Standardmittel", ansonsten müsse eine richtige Anamnese vom Arzt erstellt werden. "Es richtet sich nach dem Krankheitsgrad. Gegen beispielsweise eine verstopfte Nase findet man schnell etwas. Bei ernsthaften Sachen sollte ein richtiger Homöopath drüber schauen", sagt Fritzsche.

Vor allem Familien nutzen Homöopathie

In der Apotheke sei es so, dass zunächst einmal geschaut werde, was der Auslöser für ein Krankheitsbild sein könnte. "Dazu befragt man den Patienten genau", fügt Rademacher an.

Fritzsche und Rademacher haben festgestellt, dass vor allem relativ junge Familien mit ihren Babys homöopathische Mittel ausprobieren. Zum Beispiel bei Zahnungsbeschwerden oder bei beginnendem Fieber und Erkältung. Sie selbst hätten bei der Schwangerschaft zu dem einen oder anderen Mittel gegriffen. "Es ist eine gute Option", meint Rademacher. Sowohl sie als auch ihre Kollegin Fritzsche ist überzeugt: Homöopathische Mittel helfen und beruhen keineswegs auf einem Placebo-Effekt.

Wo nichts drin ist, kann nichts wirken, sage der reine Naturwissenschaftler, und da liege auch die Skepsis. Aber, so sagen Rademacher und Fritzsche, gebe es einen Beweis. "Die Behandlung funktioniert nicht nur bei Babys, sondern auch bei Tieren wie dem Hund und vor allem dem Pferd. Pferde sind sehr sensible Wesen. Und Tiere können sich die Wirkung nicht einbilden", erklärt Fritzsche und Rademacher fügt an: "Es ist wie mit einem Duft einer Blume. Wir nehmen ihn war, können ihn aber auch nicht genau fassen".

Die Stadtapotheke hat eine spezielle Ecke für homöopathische Mittel. "Bei uns wird aber nicht rumprobiert", sagt Fritzsche. Die Mitarbeiter würden sich ständig fortbilden, um Kunden auch vernünftig und breit gefächert beraten zu können. "Wichtig ist uns auch, dass wir Ansprechpartner sind. Es gibt so viele Foren im Internet, die Empfehlungen abgeben, die aber gar nicht zutreffen. Da sollte man unbedingt vorsichtig sein", warnt die Apothekerin.

Zu den Kommentaren