Jena schaltet in Corona-Krise Ampeltaster ab: Maßnahme mit Nebenwirkung

Jena.  Kommunalservice setzt Auftrag des Krisenstabes der Stadt um: Auch Autofahrer und Nahverkehr sind betroffen.

In Jena sind wie hier in der Camburger Straße die Taster der Ampelanlage für Fußgänger außer Betrieb genommen und mit Absperrband umwickelt.

In Jena sind wie hier in der Camburger Straße die Taster der Ampelanlage für Fußgänger außer Betrieb genommen und mit Absperrband umwickelt.

Foto: Tino Zippel

Der Krisenstab der Stadt Jena hat entschieden, in der Corona-Pandemie sämtliche Fußgänger-Taster an Ampeln außer Betrieb zu nehmen. Betroffen sind mehr als 80 Lichtsignalanlagen im kompletten Stadtgebiet. Die Taster sind mit Absperrband umwickelt und durch Schilder gekennzeichnet, dass die Ampel automatisch grün für Fußgänger gibt. Aktuelle Entwicklungen im kostenfreien Corona-Liveblog.

Möglicher Verbreitungspunkt für Coronavirus

„Die Taster sind typische Schmierflächen und ein möglicher Verbreitungspunkt für das Coronavirus, weil keine ständige Desinfektion möglich ist“, sagt der Leiter des Jenaer Krisenstabes, Benjamin Koppe (CDU). „Wir wollen kein Risiko eingehen und vermeiden, dass diese Taster angefasst werden.“

Am Mittwoch erging der Auftrag an den Kommunalservice Jena, der noch am Nachmittag mit der Umrüstung begann. Bei modernen Anlagen erfolgte die Umschaltung über den Verkehrsrechner, bei einzelnen Ampeln vor Ort. Das Team musste 400 Taster im gesamten Stadtgebiet verhüllen, sagt der zuständige Abteilungsleiter Christopher Helbig.

Kein dynamischer Einfluss mehr auf Ampelschaltung vorhanden

Die Ampeln seien in einen Festumlauf versetzt worden. Mit der Maßnahme fällt beispielsweise der Vorrang für die Straßenbahnen weg. Auch fließen die durch Induktionsschleifen oder Radarsensoren gewonnenen Verkehrsdaten nicht mehr in die Berechnung der Ampelphasen ein. Normalerweise richtet sich die Dauer der Grünphase nach dem Verkehrsaufkommen aus der jeweiligen Richtung.

Nun bleiben die Intervalle an den Ampeln gleich – unabhängig von der Verkehrslage. „Die Sicherheit ist gewährleistet“, sagt Helbig. Nicht auszuschließen sei, dass an einigen Kreuzungen der Verkehrsfluss schlechter werde. „An manchen Ampeln werden Autos halten müssen, obwohl kein Fußgänger die Straße überqueren will.“

Innerstädtische Kreuzungen unter Beobachtung

Nur die Taster abzuschalten, sei aus technischen Gründen nicht möglich gewesen. „Für die Verkehrsbeeinflussung seien intelligente Algorithmen hinterlegt, aus denen nicht nur die Anforderung durch die Taster herausgenommen werden können“, sagt Helbig. Eine Umprogrammierung inklusive Freigabe dauere mehrere Monate. Er geht nicht davon aus, dass es zu erheblichen Staus kommt, da derzeit das Verkehrsaufkommen in der Stadt geringer sei. Auf der Stadtrodaer Straße bleibe die Grüne Welle erhalten. Das Situation an innerstädtischen Kreuzungen wie am Roten Turm oder am Lutherplatz werde man in den nächsten Tagen beobachten und möglicherweise leichte Modifikationen vornehmen.

Kraftfahrer berichten bereits, dass es am Gründonnerstag zu Behinderungen auf der Angerkreuzung kam, weil sich der Verkehr von der Fußgängerampel an der Griesbrücke zurückstaute. Sie bezweifeln den Sinn der Maßnahme, da viele Fußgänger zuletzt schon den Ellenbogen zum Drücken verwendeten. Allerdings reagieren moderne Taster auf Berührung.

Wie lange die Maßnahme gilt, steht noch nicht fest. Einen Arbeitstag werde es an deren Ende brauchen, die Funktion wieder zuzuschalten und alle Absperrbänder zu entfernen, sagt Helbig.