Corona-Verstoß in Kahla: Eltern eines Teenagers müssen sich bei der Kripo erklären

Kahla.  Mit acht anderen Jugendlichen fuhr Sohn Fred in einem Waldstück bei Kahla Rad – bis die Polizei eintraf.

Verärgert: Heike und Bernd Eißmann sollen sich erklären.

Verärgert: Heike und Bernd Eißmann sollen sich erklären.

Foto: Jens Henning

„Unser Sohn ist doch kein Verbrecher!“ Heike Eißmann ist immer noch angefressen. Vor ihr lag das Schreiben der Kriminalpolizei Jena vom 23. April. Die Eißmanns sollen sich schriftlich äußern zum Vorfall, der sich am 7. April in der Nähe der alten Ziegelei in Kahla ereignet haben soll. Ihr Sohn Fred verbrachte mit acht anderen Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren den Nachmittag in einem Waldstück. Sie fuhren Rad und bauten sich mit Holz einen Parcours – bis die Polizei eintraf. Indem sie sich trafen, hatten die Jungs gegen das bestehende Infektionsschutzgesetz verstoßen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Dass sie gegen das Gesetz verstoßen haben, sehen wir ein. Strafe muss sein. Muss man aber von Seiten der Polizei gleich mit einem Anhörungsbogen kommen“, sagte Heike Eißmann. Sie erinnerte an den Auftritt der Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer auf dem Flughafen Leipzig-Halle, als sie die Schutzmasken vor zahlreichen Pressevertretern entgegen nahm – ohne die Hygienevorschriften einzuhalten. „Die Politikerin entschuldigt sich. Das war es. Und wir kleinen Leute müssen uns für den Fehler unseres gerade 16 Jahre alt gewordenen Sohnes schriftlich erklären, als wären wir Straftäter“, sagte sie.

Vater Bernd beklagt fehlende Verhältnismäßigkeit

Ihr Mann Bernd ergänzt: „Wir sind unserer Fürsorgepflicht nachgekommen. Wir haben mit ihm oft über Corona gesprochen. Aber mal ehrlich: Die Jungs haben sich im Freien, in der Natur aufgehalten. Er wird als Beschuldigter dargestellt. Hier wird aus meiner Sicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“ Er beklagt die fehlende Verhältnismäßigkeit.

Heike Eißmann wurde am frühen Abend des 7. April zu dem Waldstück gerufen, um ihren Jungen abzuholen. „Ich bekam zu hören, dass unser Fred eine Straftat begangen hat. Ich war wie vor den Kopf gestoßen“, sagte Frau Eißmann.

Polizei wurde von anderer Familie gerufen

Im Nachgang erfuhr sie, dass die Polizei offenbar von einer anderen Kahlaer Familie angerufen wurden. „Da musste ich tief durchatmen. Die Jungs sind Rad gefahren. Und sie haben auch in die Natur eingegriffen. Sie haben aber weder eine Party gefeiert, noch irgendetwas anderes Schlimmes getan.“

Bernd Eißmann, Unternehmer und Stadtrat in Kahla, hatte auch eine Meinung dazu: „Die Leute, die da die Polizei angerufen hatten, sollten mal in einer ruhigen Minute darüber nachdenken, wie sie sich gefühlt hätten, wenn ihre Kinder betroffen gewesen wären.“ Den Anhörungsbogen werden Eißmanns ausfüllen. „Aber das zerrt an den Nerven“, sagt Heike Eißmann.

Steffi Kopp, Sprecherin bei der Jenaer Polizei, sprach von einer normalen Praxis, dass sich Beschuldigte beziehungsweise Betroffene in einem Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren zum Vorwurf äußern. „Aus diesem Grund wurden den Jugendlichen die entsprechenden Anhörungsbögen zugesandt.“

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