Weimars Grüne wollen Kompost zu Biogas veredeln

Weimar.  Die Fraktion drängt auf Federführung der Stadt Weimar bei den Gesprächen mit den Nachbarkreisen.

Die Kompostanlage des Kommunalservice Weimar zwischen Süßenborn und Umpferstedt. Das Bild ist ein Archiv-Bild.

Die Kompostanlage des Kommunalservice Weimar zwischen Süßenborn und Umpferstedt. Das Bild ist ein Archiv-Bild.

Foto: Michael Baar

Die Kompostanlage der Stadtwirtschaft Weimar in Umpferstedt sollte zügig um eine Biogasanlage erweitert werden. Das streben die Weimarer Bündnis-Grünen an. Ein entsprechender Antrag wurde im Bau- und Umweltausschuss behandelt.

Dass Handlungsbedarf bestehe, sei nicht neu, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion. Schon 2018 und 2019 habe sich der Bau- und Umweltausschuss mit der Zukunft der Kompostanlage befasst. Ein Gutachten habe verschiedene Wege aufgezeigt und Maßnahmen empfohlen. Das zuständige Dezernat habe auch begonnen, erste Maßnahmen umzusetzen. So wurde beim Landesverwaltungsamt beantragt, die Kapazität der Anlage zu erhöhen, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.

Fraktionsvorsitzender Andreas Leps sagt: „Es ist gut, dass die Stadtverwaltung erste Maßnahmen ergreift. Allerdings muss das Tempo erhöht werden, damit uns andere hier nicht überholen.“ Er spielt damit auf die Stadt Jena an, die derzeit Gespräche mit benachbarten Kreisen wegen einer Zusammenarbeit führt.

Eine Unklarheit im Gutachten hat sich nach Angaben der grünen Fraktion inzwischen geklärt: Es werde zeitnah eine Novelle der TA Luft geben. Diese „Technische Anleitung“ setzt den Rahmen für erlaubte Immissionen unter anderem von Bioabfallanlagen. Die Novelle liege zur Beschlussfassung im Bundesrat und werde voraussichtlich im Frühjahr 2021 in Kraft treten. Damit steige der Handlungsdruck zum Umbau der Kompostanlage in Umpferstedt.

Mit dem Antrag im Stadtrat will die Fraktion vor allem eines erreichen: „Unser Ziel bleibt es, dass unsere Bioabfallanlage eine Zukunft vor Ort hat“, so Stadtrat Anton Brokow-Loga, Mitglied im Bau- und Umweltausschuss. „Sie sollte zu einer Biogasanlage weiterentwickelt werden, sodass möglichst wenig nutzbare Energie auch im Sinne des Klimaschutzes verloren geht. Eine Einhausung der gesamten Anlage würde auch die Fliegenplage, die vor allem Süßenborn quält, zurückdrängen.“

Die avisierten Verhandlungen über eine gemeinsame Anlage mit den benachbarten Städten und Kreisen wurden auch vom Gutachter empfohlen. Er hatte festgestellt, dass es ein bestimmtes Aufkommen an Bioabfall brauche, um eine solche Anlage auch wirtschaftlich betreiben zu können.

Die Gespräche sollen deshalb von der Stadtverwaltung aktiver geführt und nicht nur der Stadt Jena überlassen werden, fordert Brokow-Loga. „Es geht hier auch um unsere Anlage, da sollten wir die Gespräche mit dem Weimarer Land, mit Jena oder dem Saale-Holzland-Kreis wesentlich selbst führen.“ Was er nicht sagte: Weimar hatte bei der Müllverbrennung in Erfurt keine guten Erfahrungen damit gemacht, die entscheidenden technischen Entwicklungen dem Nachbarn zu überlassen.

Die Umsetzung dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden: „Wir werden auf laufende Berichte zur Thematik achten. Schließlich bietet sich hier die Chance, regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze vor Ort und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden“, drängt Fraktionschef Andreas Leps.