Partieller Lockdown im Saale-Holzland-Kreis

Eisenberg.  Risikogebiet Saale-Holzland mit Inzidenz von 100,06. Zahl der Kontaktpersonen ist nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehbar. Ein Prozent der Bevölkerung befindet sich in Quarantäne.

Die Bundeswehr hat zugesagt, das Gesundheitsamt des Kreises zu unterstützen. Dabei geht es um Abstriche für Corona-Tests und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten.

Die Bundeswehr hat zugesagt, das Gesundheitsamt des Kreises zu unterstützen. Dabei geht es um Abstriche für Corona-Tests und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten.

Foto: Marijan Murat / dpa

Nachdem das Saale-Holzland bis zum Herbstbeginn von der Corona-Pandemie weitgehend verschont blieb, droht die zweite Welle jetzt im Landkreis auszuufern. Am Montag, 0 Uhr, hat das Robert-Koch-Institut für den Landkreis den Inzidenzwerk von 100,06 gemeldet. Das heißt: Binnen sieben Tagen haben sich gerechnet auf 100.000 Einwohner 100 Menschen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Noch am Montag hat das Landratsamt darauf reagiert und die Schutzmaßnahmen, die am vorigen Freitag bereits verschärft wurden, noch weiter verschärft. Die Beschränkungen gelten in erster Linie für private Feiern. „Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass Familienfeiern zuletzt häufig der Ausgangspunkt von Infektionsketten im Landkreis und auch außerhalb der Region gewesen sind“, erklärt Frank Pucklitsch, Leiter des Corona-Krisenstabes im Landratsamt.

Die Zahlen im Saale-Holzland-Kreis sind zuletzt stark gestiegen, nachdem innerhalb von 72 Stunden 39 neue Corona-Fälle gemeldet wurden. „Das Team des Gesundheitsamtes verfolgt weiterhin alle Kontaktpersonen von Infizierten“, versichert Landrat Andreas Heller (CDU). Die Mitarbeiter hätten dabei in den vergangenen Tage und Wochen Schwerstarbeit geleistet.

Bundeswehr im Einsatz mit mobilen Abstrich-Team

Aus eigener Kraft kann die Kreisverwaltung die Aufgaben der Gesundheitsbehörde jedoch angesichts der steigenden Zahlen nicht mehr leisten. Inzwischen habe die Bundeswehr zugesagt, das Gesundheitsamt des Kreises zu unterstützen, sagt Heller. Die Bundeswehr wird mit einem mobilen Abstrichteam für Corona-Tests im Landkreis unterwegs sein und mit einem Team für die Nachverfolgung von Kontaktpersonen von Infizierten.

Fast ein Prozent der Kreisbewohner aktuell in Quarantäne

Aktuell ist die Zahl der Kontaktpersonen nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehbar. Von mehreren Hundert war zuletzt die Rede. Mehr als 500 Menschen sollen es mindestens sein: Kreisbewohner, die entweder infiziert oder gar an Covid19 erkrankt sind oder die vorsorglich in die Quarantäne geschickt und auf eine etwaige Infektion hin getestet werden müssen. Das betrifft aktuell fast ein Prozent der Bevölkerung des Saale-Holzland-Kreises.

Die Auswirkungen sind spürbar: Die Kindergärten in Porstendorf mit einem infizierten Kind und in St. Gangloff mit elf Corona-Fällen sind geschlossen und sämtliche festgestellten Kontaktpersonen in Quarantäne.

Personalsituation an den Waldkliniken angespannt

Quarantänefälle soll es auch in der Belegschaft der Notaufnahme an den Waldkliniken Eisenberg geben. Auf Facebook hatten Nutzer am Wochenende gepostet, dass die Notaufnahme in Eisenberg geschlossen sei und Patienten nach Jena an die Uniklinik geschickt würden.

„Von der Kontaktquarantäne sind auch Mitarbeiter der Waldkliniken Eisenberg betroffen.“ Das bestätigt auf Nachfrage Bastian Guntermann als Referent für Interne Kommunikation und Personalmarketing an den Waldkliniken Eisenberg. Hinzu komme, dass derzeit vermehrt auch Mitarbeiter durch ganz „normale“ Krankmeldungen ausfallen. „Insgesamt ist damit die Personalsituation an den Waldkliniken Eisenberg angespannt“, sagt Guntermann.

„Über das Wochenende haben die Waldkliniken Eisenberg deshalb keine Patienten über Rettungsdienste aufgenommen, die Notaufnahme war weiterhin durchgängig geöffnet“, erläutert er und versichert: „Wir tun das Möglichste, um die Grundversorgung für den Saale-Holzland-Kreis zu sichern.“ Operationen hätten vereinzelt auf Grund der aktuellen Situation verschoben werden müssen.

Krankenhaus in Eisenberg rechnet mit mehr Covid19-Patienten

„Die flächendeckende Steigerung der Corona-Infektionszahlen wird überall zu einer vermehrten stationären Versorgung von Covid19-Patienten führen – auch in den Waldkliniken Eisenberg“, sagt Guntermann. Im Krankenhaus in Eisenberg werden diese Patienten weiterhin isoliert vom Klinik- und Ambulanzalltag versorgt. Aktuell sind zwei Covid19-Patienten in den Waldkliniken Eisenberg in stationärer Behandlung. Neun andere erkrankte Kreisbewohner werden außerhalb des Kreises stationär versorgt.

Rathaus in Eisenberg für Besucher wieder geschlossen

Das öffentliche Leben im Saale-Holzland-Kreis begibt sich – teils auch ohne spezielle Verfügung – vorsorglich in den partiellen Lockdown. Die Stadtverwaltungs Eisenberg hat am Montagnachmittag „die Schließung der Verwaltungsgebäude der Stadt Eisenberg auf Grund der aktuellen Dynamik der Ausbreitung des Corona-Virus“ bis auf Weiteres gemeldet. So solle die Ansteckungsgefahr der Mitarbeiter untereinander sowie der Besucher in der Verwaltung gemindert werden.

In Ausnahmefällen könnten Bürger nach vorheriger Terminabsprache den persönlichen Kontakt zu den Ämtern aufnehmen. Dabei sei unbedingt auf die Zutritts- und Hygieneregelungen der Stadt Eisenberg zu achten, sagt Stadtmanager Max Nottrodt.

Neben der telefonischen Absprache besteht auch die Möglichkeit, per E-Mail und Fax Kontakt zur Verwaltung aufzunehmen: E-Mail: kontakt@rathaus-eisenberg.de, Telefonnummer: (036691) 733, Faxnummer: (036691) 73 460.

ZUR SACHE: Das gilt ab Donnerstag, 29. Oktober, im Saale-Holzland-Kreis

Die Teilnehmerzahl an privaten und Familienfeiern in geschlossenen Räumen wird auf maximal zehn Personen aus höchstens zwei Haushalten beschränkt. Familienfeiern seien zuletzt häufig der Ausgangspunkt von Infektionsketten im Landkreis gewesen.

Bei Feiern im Freien bleibt es bei maximal 25 Teilnehmern.

Die Änderung der Allgemeinverfügung soll voraussichtlich am 28. Oktober veröffentlicht werden und am 29. Oktober in Kraft treten.

Die Geltungsdauer bleibe wie gehabt bis zum 8. November.

In Abstimmung mit dem Land werden zudem neue Einschränkungen für Schulen, Kindergärten und Sportveranstaltungen geprüft.

Die Kreisverwaltung fordert die Bürger nachdrücklich auf, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten, auch wenn diese weitere Einschränkungen bedeuteten.

Die verfügten Schutzmaßnahmen würden weiterhin kontrolliert. Das gelte für das gesamte Gebiet des Landkreises und auch an Wochenenden.