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EC-Karte steht vor dem Aus: Was sich nun alles ändert

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Stiftung Warentest: nur noch wenige kostenlose Girokonten

Stiftung Warentest: nur noch wenige kostenlose Girokonten

Aktuell gibt es nur noch 14 Girokonten, die ohne Bedingungen kostenlos genutzt werden können. Laut der Stiftung Warentest lohnen sich jedoch auch andere Konten.

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Berlin.  Immer mehr Banken händigen sogenannte Debitkarten aus – teils zusätzlich zu EC-Karten, teilweise als Ersatz. Was Sie wissen müssen.

  • Immer mehr Banken schaffen die Girokarte ab und setzen stattdessen auf die Debitkarte
  • Für den Verbraucher hat das einige Vorteile. Aber was heißt der Umstieg wirklich?
  • Müssen sie sich auf höhere Kosten einstellen?

Ist die herkömmliche EC-Karte bald Geschichte? Was ist eine Debitkarte – und worin besteht der Unterschied? Mit diesen Fragen fühlen sich aktuell viele Menschen konfrontiert, denn: Immer mehr Banken händigen Debitkarten aus. Lesen Sie hier: Diese Bank schafft die kostenlose EC-Karte ab.

Bisher haben die meisten Staaten in Europa ein landeseigenes Bezahlsystem. In Deutschland ist es das Girocard-System. Auch dessen Logo prangt auf den Bankkarten von Sparkasse und Co. Über dieses System lässt sich in Deutschland fast überall bequem mit Karte bezahlen. Damit der Kunde die Karte aber auch im Ausland nutzen kann, gibt es das sogenanne Co-Badging. Unter Co-Badging versteht man das Aufbringen mehrerer Bezahlverfahren auf einer Bankkarte. Heißt: Auf der Girokarte prangt auch das Logo von Maestro und beide Systeme sind nutzbar.

Heißt aber auch: Damit der EU-Bürger seine Reisefreiheit ohne finanzielle Hürden nutzen kann, ist er von den System US-amerikanischer Unternehmen abhängig. Ein eigenes Europäisches Bezahlsystem bringt mehr Europäische Eigenständigkeit mit sich, so das Kalkül. Zumal mit Apple Pay, Paypal und Google bereits weitere Big Player auf den Markt für elektronischen Zahlungsverkehr drängen – allesamt aus den USA.

EC-Karte vor dem Aus: Kommt europäisches Bezahlsystem?

Die Chancen für für ein solches Bezahlsystem stehen jedenfalls schlecht. Denn es erscheint schon sehr unrealistisch, dass die EU bis 2023 ein eigenes konkurrenzfähiges Bezahlsystem auf dem Markt platzieren kann.

Teilweise bekommen Kunden diese zusätzlich zur EC-Karte, heute Girocard genannt. Teils handelt es sich aber auch um einen Ersatz. Lesen Sie hier, was Sie über die Debitkarte wissen müssen.

Läuft die Girokarte bald aus?

Um besorgte Girokartenbesitzerinnen und -besitzer zu beruhigen: Die bisher herkömmlichen EC-Karten mit Maestro-Symbol behalten bis Ende der Laufzeit ihre Gültigkeit, demnach bis spätestens 31. Dezember 2027. Was ab Juli 2023 allerdings tatsächlich ausläuft, ist die Maestro-Funktion der Girokarte. Ab kommenden Sommer wird in ganz Europa die Ausgabe von Maestro-Karten eingestellt, wie Mastercard bestätigte. Entsprechend werden Banken anfangen, abgelaufene oder verlorene Girokarten mit Debitkarten zu ersetzen.

Wozu dient die Maestro-Funktion?

Die Maestro-Funktion ist auf Bankkarten mit einem Logo, bestehend aus einem blauen und roten Punkt, gekennzeichnet. Bei der Funktion handelt es sich um eine Kooperation mit Mastercard, die es wiederum ermöglicht, die herkömmliche Girokarte auch im europäischen Ausland einzusetzen. Nun hat der Anbieter allerdings diese wichtige Funktion abgeschafft.

Zwar würde die Girocard deutschlandweit natürlich auch ohne die Funktion des Kooperationspartners funktionieren – für Auslandsaufenthalte bräuchten Kundinnen und Kunden allerdings eine weitere Karte. Eine Debitkarte soll Kartenzahlern wieder Auslandszahlungen ermöglichen und weitere Vorteile bieten.

Warum stellt Mastercard die Maestro-Funktion ein?

Mastercard-Managerin Valerie Nowak erklärte in einem Blogeintrag auf der Homepage des Unternehmens: Da in der heutigen Zeit, "das Wachstum im Onlinehandel das im Einzelhandel weit übertrifft", sei es notwendig, die Maestro-Karte zu erneuern. Sie sei ursprünglich immerhin für das physische Bezahlen geschaffen worden – und könne nicht immer für Zahlungen im Netz eingesetzt werden. Man müsse sich mit dem Digitalisierungsprozess weiterentwickeln.

Experten glauben allerdings, dass es nicht zuletzt darum geht, dass die US-Konzerne Mastercard und Visa ihre eigenen Zahlungssysteme europaweit weiter durchsetzen wollen.

Reicht die Debitkarte künftig aus?

Eigentlich ja. Es sei denn, man will in den Urlaub fahren. Insbesondere beim Buchen eines Mietwagens oder einer Unterkunft sehen Experten Besitzer nur einer Debitkarte im Nachteil. "Die Karte wird zur Hinterlegung einer Kaution nicht akzeptiert werden, dafür benötigt man eine richtige Kreditkarte“, sagt David Riechmann, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei einem Aufenthalt im Ausland könne man sich mit einer "richtigen" Karte ebenfalls sicherer sein, dass sie akzeptiert wird. "Allein auf die Debitkarte würde ich mich dort nicht verlassen", so Riechmann.

Debit- statt EC-Karte: Welche Kosten kommen auf Verbraucher zu?

Anders als für Charge-Kreditkarten verlangen die Banken für die neuen Debitkarten in der Regel entweder keine oder nur eine geringe Jahresgebühr, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat. Es gibt aber Ausnahmen. So kostet die Karte bei der BBBank 18 Euro im Jahr. Dafür kann die Karte 36-mal pro Jahr zum Geldabheben genommen werden, jede weitere Verfügung kostet 1,50 Euro.

Die Comdirect verlangt keine Jahresgebühr für ihre Visa-Debitkarte. Pro Monat sind drei Abhebungen am Automaten kostenfrei. Ab der vierten Transaktion sind 4,90 Euro fällig – so viel wie ab der ersten Abhebung mit der echten Kreditkarte.

Wie unterscheiden sich Giro- und Debitkarten?

Zu beachten ist, dass die herkömmliche Girokarte (früher EC-Karte) unter die Kategorie Debitkarte fällt. Das bedeutet, dass Verbraucher damit Geld abheben oder direkt per Karte bezahlen können. Wichtig: Das Geld wird sofort vom Guthaben des Girokontos abgebucht. Zudem werden beide Karten meist gebührenfrei angeboten.

Ein Nachteil der Girokarte, den Mastercard bereits angesprochen hat: Beim Online-Shopping müssen Verbraucherinnen und Verbraucher häufig auf Zahlungssysteme wie PayPal setzen, da meist nur Kreditkarten akzeptiert werden. Darin liegt der große Vorteil der Debitkarte, die Onlinezahlungen und ebenso Zahlungen im Ausland unterstützt.

Debitkarte oder Kreditkarte: Die Unterschiede

Debit- und Kreditkarten unterscheiden sich wiederum durch die Abrechnung. Während Debitkarten, wie auch Girokarten, das Geld direkt und nur von dem tatsächlichen Guthaben abbuchen, kann man mit Kreditkarten auf Kredit zahlen – also prinzipiell aus einem nicht vorhandenen Guthaben abbuchen lassen. Schuldenbeträge können bei Kreditkarten beispielsweise erst am Monatsende beglichen werden. Kreditkarten werden allerdings nicht gebührenfrei angeboten.

Auf die Debit-Kreditkarten sind außerdem die dreistellige Prüfziffer, das Ablaufdatum und das Wort „Debit“ aufgedruckt.



Achtung: In Deutschland werden Karten der Konzerne Visa oder Mastercard häufig als Debitkarten ausgegeben. Um genau zu überprüfen, was für eine Karte Sie haben, werfen Sie einen Blick auf die Rückseite. Dort finden Sie eine kleine Kennzeichnung, die entweder "Credit Card" oder "Debit Card" lautet.

Geschichte der EC-Karte

In Deutschland sprechen immer noch viele von der EC-Karte, obwohl diese mittlerweile offiziell "Girocard" heißt. Das Buchstabenkürzel "EC" stammt ursprünglich vom Eurocheque-Verfahren, also dem Bezahlen mit Scheck oder Eurocheck, das heute nicht mehr gebräuchlich ist. Später entwickelte sich daraus das "electronic-cash-Verfahren", bei dem man zum Bezahlen eine EC-Karte und eine vierstellige Geheimzahl verwendete. Das EC-Karten-Logo hat noch jeder vor Augen: Eine blaues "e" und ein rotes "c", das auf der Karte aufgedruckt war und an den Eingangstüren von Geschäften und Restaurants anzeigte, dass man hier bargeldlos bezahlen kann.

Im Jahr 2008 wurde dann von den deutschen Banken und Sparkassen die Girocard eingeführt. Ziel war es, die Zahlungssysteme in Deutschland zu vereinheitlichen und den Kunden Zugang zu möglichst vielen Geldautomaten zu ermöglichen. Außerdem sollte die Akzeptanz der deutschen Bankkarten im europäischen Ausland verbessert werden. (day)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.