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In-App-Käufe: Wie „Gratis“-Spiele zur Kostenfalle werden

Berlin.  Eine Minderjährige hat durch In-App-Käufe eine Handyrechnung von 1400 Euro verursacht. Wir erklären, wie man diese Kostenfalle umgeht.

Ein Jugendlicher liegt auf einem Sofa und blickt auf sein Smartphone. (Symbolbild)

Ein Jugendlicher liegt auf einem Sofa und blickt auf sein Smartphone. (Symbolbild)

Foto: Tobias Hase / dpa

Viele Apps für Smartphones oder Tablets können kostenlos heruntergeladen werden – spannend und cool werden sie erst, wenn im Spielverlauf Extrafunktion hinzugekauft werden. In-App-Käufe können so zur Kostenfalle werden: Kinder und Jugendliche, die vermeintliche „Gratis“-Online-Spiele installieren, verursachen immer wieder Rechnungen in oft vierstelliger Euro-Höhe. Doch Eltern können sich wehren: Auf ihre Beschwerden kürzen Spiele-Anbieter häufig die Rechnung oder verzichten auf das Geld.

In-App-Käufe haben einen besonderen Reiz: Sie erhöhen die Gewinnchancen und den Spaß des Spielers. Seine Spielfiguren bekommen bessere Fähigkeiten – sie laufen schneller oder haben mehr Kraft – oder schickere Accessoires. Ein Klick genügt, um virtuelles Spielgeld für den nächsten Einkauf zu erwerben – fünf, zehn oder gar 100 Euro.

Das Problem: Beim Daddeln vergessen Kids leicht, dass sie in Wirklichkeit echtes Geld ausgeben. Vor allem wenn sie in Gruppen gegeneinander spielen, ist der Kaufdruck gnadenlos hoch, weil kein Kind das Schlechteste der Gruppe sein will.

Mädchen verzockte mehr als 1000 Euro

Ein aktueller Fall aus Niedersachsen: Eltern sollen 1431,84 Euro an Google für den Google-Play-Store zahlen. So weist es ihre Mobilfunkrechnung aus. Das dazugehörige Smartphone nutzt die minderjährige Tochter, die selbst noch keinen Mobilfunkvertrag abschließen darf, für Online-Spiele per App.

Um die Ausgaben unter Kontrolle zu halten, haben die Eltern ihr eine Google-Play-Gutscheinkarte geschenkt. Was ihnen nicht bewusst war: Über das Guthaben hinaus konnte die Tochter In-App-Käufe vornehmen – abgerechnet über die Mobilfunknummer der Eltern.

Die Verbraucherzentrale in Niedersachsen hat sich dem Fall angenommen – mit Erfolg. „Überlassen die Eltern Minderjährigen ein Handy zur Nutzung, beinhaltet das nicht automatisch die Erlaubnis, damit Käufe abzuwickeln“, sagt Verbraucherschützerin Kathrin Körber.

Ihr Argument: Unter 18-Jährige sind noch nicht voll geschäftsfähig – und zu den Betroffenen gehören oft 9- bis 14-jährige Spieler. Die Juristin folgert: Führen die Minderjährigen ohne Genehmigung In-App-Käufe durch, sind die Chancen gut, Zahlungsaufforderungen abzuwehren.

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Google verzichtet nach Eltern-Beschwerde auf Geld

Im beschriebenen Fall hat das geklappt: Google hat den Verbraucherschützern zufolge auf den Großteil des Geldes verzichtet, auf knapp 1390 Euro. Aber Vorsicht: Solche Ergebnisse setzen voraus, dass die Eltern rasch reagieren. „Wer zunächst monatelang die Abbuchungen des Mobilfunkanbieters stillschweigend hinnimmt oder Rechnungen nicht kontrolliert, hat viel schlechtere Karten beim nachträglichen Reklamieren“, betont Verbraucherschützerin Körber.

Die Horror-Rechnung in Niedersachsen ist bei Weitem kein Einzelfall – und noch relativ harmlos. Dem Marktwächterteam der Verbraucherzentralen sind schon Forderungen über mehrere Tausend Euro für In-App-Käufe von Minderjährigen bekannt geworden. Jüngst hat die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zwei Spiele-Anbieter abgemahnt, die pro Transaktion rund 100 oder 110 Euro kassierten.

Die Stiftung Warentest stieß bereits auf Preise von knapp 350 Euro je Bestellung. Besonders verwerflich nach Ansicht der Verbraucherschützer: Durch ständige Pop-up-Werbung und Rabatt-Countdowns, die das nahe Ende eines Preisvorteils anzeigen, würden die jungen Gamer „persönlich und unvermittelt zum Kauf bewegt, ohne das Angebot kritisch beurteilen zu können“.

In-App-Käufe sind ein Milliardengeschäft

Die Summen, um die es dabei insgesamt geht, sind riesig. Laut Digitalverband Bitkom gab es 2018 auf dem deutschen App-Markt mehr als zwei Milliarden Downloads in den beiden größten Stores Google-Play und Apple – mit Schwerpunkt bei Spielen. Von den 1,6 Milliarden Euro, die Käufer für Anwendungen auf Smartphones und Tablets ausgaben, entfielen demnach 1,2 Milliarden (77 Prozent) auf kostenpflichtige In-App-Käufe. Nur 276 Millionen (18 Prozent) erzielten die Anbieter aus Werbung und 76 Millionen (5 Prozent) aus dem Verkauf direkt kostenpflichtiger Apps.

Vor diesem Hintergrund raten Verbraucherzentralen dazu, die Falle gar nicht erst zuschnappen zu lassen. „Eltern sollten für das Smartphone des Kindes unbedingt eine Drittanbietersperre einrichten lassen. Dann können Spieleanbieter über die Mobilfunkrechnung kein Geld einziehen“, sagt Juristin Körber. Gut zu wissen: Provider sind gesetzlich verpflichtet, eine solche Sperre auf Wunsch des Kunden jederzeit kostenlos zu schalten.

Eltern können In-App-Käufe mit Passwort-Abfrage verhindern

Doch hundertprozentige Sicherheit verschafft das nicht. In-App-Käufe können auch mittels einer Kreditkarte oder über Zahlungskonten wie PayPal abgewickelt werden. Hinterlegen die Erwachsenen ihre Karten- und Kontodaten samt Passwort auf dem Mobilgerät, kann der Nachwuchs damit locker In-App-Shoppen gehen. Verbraucherschützerin Körber: „Wir warnen davor, solche Schlupflöcher zu lassen.“

Wichtig auch: In den App-Stores können Eltern In-App-Käufe an die Eingabe eines Passwortes knüpfen oder deaktivieren. Aber das setzt voraus, dass sie sich mit der Materie beschäftigen – was längst nicht alle tun. Liegt eine Rechnung dann vor, bleiben wenige Optionen. Außergerichtliche Verhandlungen, „die häufig in einem Vergleich enden“, sind das am häufigsten gewählte Mittel, so die Verbraucherzentrale.

Es auf eine Klage und Gerichtsverhandlung ankommen zu lassen, ist ein anderer Weg. „Vor allem bei bestehender Rechtsschutzversicherung kann diese Variante mit in Betracht gezogen werden“, meint Juristin Körber. Aber: Das Risiko, zu verlieren, bleibt.

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