Ferienhaus statt Kreuzfahrt: Ziele für Schleizer in Herbstferien

Schleiz/Gefell.  Lehrer und Eltern schulpflichtiger Kinder hoffen, dass der eigene Saale-Orla-Kreis nicht zum Corona-Risikogebiet ernannt wird.

Nach einem Covid-19-Ausbruch unter Bewohnern und Mitarbeitern steht eine Wohnstätte für Behinderte in Schleiz unter Quarantäne, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Regelschule (links im Hintergrund) befindet.

Nach einem Covid-19-Ausbruch unter Bewohnern und Mitarbeitern steht eine Wohnstätte für Behinderte in Schleiz unter Quarantäne, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Regelschule (links im Hintergrund) befindet.

Foto: Peter Cissek

Wenn der eigene Landkreis zum Corona-Hotspot wird, kann dies das Aus für den Urlaub in Deutschland bedeuten. In allen Bundesländern gilt ein Beherbergungsverbot, an der Ostsee ist sogar die Einreise für Bewohner aus inländischen Risikogebieten untersagt. Nach dem Coronaausbruch unter Bewohnern und Mitarbeitern einer Wohnstätte für Behinderte in Schleiz ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Saale-Orla-Kreis auf 35 bei hochgerechnet 100.000 Einwohnern gestiegen. Nun hoffen alle, dass nicht die 50-Marke erreicht und der Saale-Orla-Kreis zum Corona-Risikogebiet deklariert wird. Treten Lehrer und Eltern schulpflichtiger Kinder bei ihren Herbstferien-Reiseplänen vorsichtshalber selber auf die Bremse?

„Ja. Unsere Lehrer halten sich bei Reisen zurück, zumal derjenige, der wissentlich in Risikogebiete fährt und nach den Ferien in Quarantäne muss, kein Gehalt bekommt“, sagte Toralf Hieb, der Leiter der Schleizer Regelschule „Johann Wolfgang von Goethe“. Die Bildungseinrichtung, an der 26 Lehrer 394 Schüler unterrichten, befindet sich auf der anderen Straßenseite der unter Quarantäne stehenden Behindertenwohnstätte. Wie die Reisepläne der Eltern seiner Schüler aussehen, wisse er zehn Tag vor Beginn der Herbstferien nicht, so Hieb. Aber er habe schon jetzt „bissel Bauchschmerzen“, wenn er an die Zeit nach den Herbstferien denkt.

Städtetouren nach Erfurt, Leipzig oder Nürnberg

„In den vergangenen Jahren habe so mancher Lehrer seine Schüler mit ihren Eltern in den Herbstferien auf der Aida wiedergesehen. Doch in diesem Jahr sind nicht Kreuzfahrten oder Flugreisen nach Spanien, sondern Ferienhäuser im Inland begehrtes Reiseziel. Die meisten Lehrer fahren gar nicht in die Ferien, sondern machen höchstens Städtetouren nach Erfurt, Leipzig oder Nürnberg“, hat Ralf Köhler, Leiter der Schleizer Grundschule „Johann Friedrich Böttger“ in Schleiz, in Erfahrung gebracht. Von einem Kind wisse er, dass es mit seinen Eltern nach Rhodos fliegen will. „Insgesamt gehen Schüler, Eltern und Lehrer sehr verantwortungsvoll mit der Situation um. Denn sie wollen nach dem ersten Shutdown, dass es mit dem Unterricht in der Schule weitergeht“, sagte Köhler als Leiter der Grundschule, an der 20 Lehrer 206 Erst- bis Viertklässler unterrichten.

Ähnlich beschreibt es auch Sabine Kunerl: „Der Unterricht bei uns am Haus läuft auf Stufe Grün, also im Regelbetrieb. Und so soll es auch bleiben“, sagte die Leiterin der Grundschule Gefell, an der neun Lehrer und fünf Erzieher 150 Grundschüler unterrichten und betreuen. Alle seien froh, dass der Schulbetrieb läuft und im Frühjahr liegen gebliebene Lernaufgaben nachgeholt werden. „Wir sind vernünftig und reisen nicht in Risikogebiete“, sagte Sabine Kunerl. Der Trend unter vielen Lehrern sei, in den Herbstferien daheim zu bleiben und sich Zeit für Familie und Garten zu nehmen.

Viele berufstätige Kunden, die ihre Reisen nicht schon vor längerer Zeit gebucht haben, verreisen bevorzugt in der ersten Herbstferienwoche. Falls ihr Zielort während des Aufenthalts zum Risikogebiet ernannt wird, könnten sie mit ihren Kindern in der zweiten Ferienwoche daheim in Quarantäne bleiben. Doch das hoffe keiner. Bevorzugte Reiseziele seien neben dem Inland auch Griechenland und die Türkei, sagte Henrike Garke, Inhaberin des Reisebüros am Neumarkt in Schleiz. „Das Vertrauen der Kunden in die Reisebüros ist gestiegen, weil unsere Mitarbeiter den Durchblick behalten, wenn sich die Bestimmungen für die Reiseziele ständig ändern. Außerdem wissen sie es nach drei Stunden Telefon-Warteschleife beim Veranstalter zu schätzen, dass wir im Reisebüro sofortigen Zugriff auf das Buchungssystem haben“, sagte Henrike Garke. Zahlreiche Kunden buchen bereits Reisen für das nächste Jahr, in der Hoffnung, dass der Corona-Spuk bald vorbei ist.