Fleischpreise

Schweinepest in China macht Schnitzel in Deutschland teuer

Bonn.  In China ist die Schweinepest ausgebrochen. Die Tierseuche treibt die Preise für Schnitzel und Co. auf dem deutschen Markt in die Höhe.

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Der Ausbruch der Schweinepest in China hat Auswirkungen auf die Fleischpreise in Deutschland. Wegen der gestiegenen Nachfrage in dem asiatischen Land seien die Preise für Schweinefleisch im September laut Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn auf dem Weltmarkt um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Doch nicht nur Schweinefleisch ist teurer.

Insgesamt steigen die Preise für Fleisch- und Wurstwaren in diesem Zeitraum um 5,4 Prozent. Das macht sich auch für die Verbraucher bemerkbar: Seit dem Sommer hätten die höheren Erzeugerpreise auch auf die Kosten für die Konsumenten durchgeschlagen:

  • Das Kilogramm Schweinehack habe im Preis von 5,38 Euro im September 2018 auf 5,81 Euro zugelegt
  • Das Kilogramm Schnitzel stieg im Durchschnitt in dem Vergleichszeitraum von 7,10 Euro auf 7,39 Euro in diesem September
  • Ähnlich kletterte das Kilogramm Schweinebraten von 5,60 Euro auf 6,18 Euro

Höhere Fleischpreise: Deutsche Schweinemäster freuen sich

Was die Verbraucher ärgert, sind gute Nachrichten für deutsche Schweinemäster, die besser kostendeckend produzieren können. Die hohe Nachfrage nach Schweinefleisch aus Europa hat den Schlachtpreis von fast durchgängig 1,50 Euro im vergangenen Jahr seit dem Frühjahr auf 1,85 Euro pro Kilogramm steigen lassen, wie Matthias Quaing, Marktexperte bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) im niedersächsischen Damme berichtete.

Neben den USA wollen auch brasilianische Exporteure von der China-Nachfrage profitieren. Insofern nehmen die deutschen Landwirte das momentane Preis-Hoch gerne mit. „Die Schweinehalter wissen aber auch, dass es in ein, zwei Jahren wieder ganz anders sein kann“, sagte Quaing.

China wird jedoch noch länger an den verheerenden Folgen der Tierseuche zu kämpfen haben. Nach allen Erfahrungen wird es „bestenfalls fünf Jahre, schlimmstenfalls viele, viele Jahre“ dauern, sagte Cui Ernan von GavekalDragonomics. Die Hälfte des Schweinebestands wurde bereits dahingerafft. Auch der Weltmarkt reicht nicht, um die Versorgungslücke im bevölkerungsreichsten Land zu füllen.

„Die Herausforderung durch die Krankheit wird noch fünf, zehn oder mehr Jahre andauern.“ Dafür sei eine massive Transformation der Industrie von den heute in China weit verbreiteten Kleinzüchtern zu Großbetrieben mit strengen biologischen Kontrollen nötig.

Schweinepest: China erleidet immensen wirtschaftlichen Schaden

Schon heute hat die Schweinepest in China mehr als eine Billion Yuan, umgerechnet 127 Milliarden Euro, an direkten wirtschaftlichen Schäden angerichtet, wie Li Defa von Chinas Landwirtschaftsuniversität schätzte. Die Zahl wollte der führende Tierexperte eigentlich geheim halten. „Sie sollte nicht an die Öffentlichkeit“, hieß es in seinem Umfeld. Doch geriet die als „realistisch“ eingeschätzte Kalkulation aus einem Industrieforum an die Öffentlichkeit, weil mutige Journalisten die Zahl berichteten.

Dass das wahre Ausmaß der Seuche vertuscht wird, ist typisch für den Umgang mit solchen Krisen in China, verhindert aber immer wieder ein schnelles und wirksames Vorgehen. Ein ganzes Jahr nach dem ersten Fall im August 2018 musste Vizepremier Hu Chunhua einräumen: „Die wirkliche Lage der Epidemie ist viel schlimmer, als uns bewusst war.“

Aber auch die Entschädigungen für betroffene Bauern waren in diesem Sommer noch so gering, dass es für sie wenig Anreize gab, einen Ausbruch zu melden. Die Tiere zu schlachten und das infizierte Fleisch heimlich und schnell auf dem Markt zu verscherbeln, war für die Züchter allemal lukrativer, was noch zur weiteren Ausbreitung der Schweinepest im Land beigetragen hat.

China: Afrikanische Schweinepest vor einem Jahr ausgebrochen

Die Schweinepest ist eine Viruserkrankung und zählt zu den gefährlichsten Schweineerkrankungen überhaupt. Bricht die Tierseuche aus, ist sie schwer kontrollierbar. In Deutschland ist sie anzeigepflichtig.

In China, dem weltweit größten Produzenten und Konsumenten von Schweinefleisch, grassiert die Afrikanische Schweinepest seit einem Jahr. Die Tierseuche ähnelt in Symptomen und Verlauf der klassischen Schweinepest. Das tückische Virus ist für den Menschen zwar ungefährlich, doch für die Tiere schnell tödlich.

Die Afrikanische Schweinepest ist zuletzt nicht nur in China, sondern auch in Osteuropa und Belgien ausgebrochen. Anfang dieses Jahres baute Dänemark deshalb einen Grenzzaun zu Deutschland, um ihre heimische Schweinezucht vor infizierten Wildschweinen zu schützen. Im September vergangenen Jahres war die Afrikanische Schweinepest nahe der deutschen Grenze festgestellt worden. (jkali/dpa)

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