Haft für Erzieher: Mit Nacktbildern Jugendliche zum Sex erpresst

Gera.  Das Landgericht Gera hat am späten Freitagnachmittag noch ein Urteil gesprochen: Es greift hart gegen einen Vergewaltiger durch.

Das Landgericht Gera hat am Freitag ein Urteil gegen einen 22-Jährigen gesprochen, der wegen Vergewaltigung angeklagt war.

Das Landgericht Gera hat am Freitag ein Urteil gegen einen 22-Jährigen gesprochen, der wegen Vergewaltigung angeklagt war.

Foto: Tino Zippel

„Willst du riskieren, dass deine Mutti solche Bilder sieht. Antworte jetzt, wir treffen uns morgen Nachmittag.“ Mit Nachrichten wie solchen hat ein heute 22-Jähriger eine 15-Jährige im Raum Gera zum Sex erpresst. Das Landgericht Gera hat ihn wegen Vergewaltigung in vier Fällen zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – zum Entsetzen seiner Angehörigen, die das Urteil am Freitag um 17 Uhr hörten.

Erst Nacktbilder getauscht, dann damit erpresst

Die neunte Strafkammer unter Vorsitz von Harald Tscherner sieht ein Tatmuster beim Angeklagten, der bereits mit ähnlichem Vorgehen in der Jugend aufgefallen war. Im konkreten Fall hatte er sich erst von dem Mädchen Nacktbilder schicken lassen und diese später als Druckmittel für Sex genutzt. Mit der Minderjährigen verabredete er sich für die Taten in den Jahren 2017 und 2018 unter einer Brücke, im Keller oder in seiner Wohnung. Die junge Frau zeigte ihn aber erst in diesem Jahr an, weil er mit der Veröffentlichung der Bilder drohte und erneut Verkehr forderte.

Ähnlich ging er in anderen Fällen vor. Eine 18 Jahre alte Mutter bedrängte er, ihm intime Fotos zu senden. Er baute Druck mit einem Bild auf, das sie leicht bekleidet zeigte. „Das sieht das Jugendamt nicht gerne. Lange wirst du dein Kind nicht mehr haben“, drohte er ihr in einem Chat. Doch die Frau aus dem Landkreis Greiz ließ ihn abblitzen.

Angeklagter arbeitete als Erzieher in Jugendheim

Voriges Jahr hatte der Angeklagte als Erzieher in einem Ostthüringer Jugendheim gearbeitet. Die Einrichtungsleiterin beschreibt ihn als engagierten Mitarbeiter, der aufgrund der gesunkenen Bewohnerzahl gehen musste. Beschwerden über sein Verhalten habe es aber nicht gegeben, sagt die Zeugin vor Gericht.

Staatsanwalt Arnd Knoblauch beantragte in nicht-öffentlicher Sitzung viereinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Die Verteidiger Stefanie Biewald und Andreas Bönisch plädierten auf zwei Jahre Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.

Vorsitzender Richter: „Frechheit und ein Hohn“

„Das waren überlegte und geplante Taten, er hat sein Muster stets weitergedreht“, sagt der Vorsitzende Richter. Eine Anwendung von Jugendstrafrecht sei deshalb nicht gerechtfertigt. Das angebotene Schmerzensgeld war aus Tscherners Sicht zu niedrig: „1000 Euro für vier Vergewaltigungen sind eine Frechheit und ein Hohn.“

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Angeklagte bleibt in Untersuchungshaft.

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