Kleine Fische und prügelnde Nachbarn am ersten Masken-Prozesstag in Bad Lobenstein

Bad Lobenstein.  Im Verhandlungssaal haben für die Abstandswahrung nur noch höchstens zehn Zuschauer Platz.

Im Verhandlungssaal des Amtsgerichtes in Bad Lobenstein sind Hinweiszettel mit Informationen zur regelmäßigen Desinfektion ausgelegt.

Im Verhandlungssaal des Amtsgerichtes in Bad Lobenstein sind Hinweiszettel mit Informationen zur regelmäßigen Desinfektion ausgelegt.

Foto: Peter Hagen

Kleine Fische, gewalttätige Nachbarn und ein Angeklagter, der Geburtstag hat, beschäftigten am Montag den Strafrichter in Bad Lobenstein während des ersten Prozesstages nach mehrwöchiger Corona-Zwangspause. Der Verhandlungssaal wurde komplett umgestellt, um für mehr Abstand zwischen den handelnden Personen zu sorgen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Im gesamten Gerichtsgebäude besteht Maskenpflicht. Nur im Verhandlungssaal überlässt es Richter Jürgen Leitloff jedem persönlich, ob die Maske getragen wird. Maximal zehn Zuschauer finden auf den verteilten und stark reduzierten Sitzen einen Platz, selbst die Tische von Verteidigung und Angeklagten sind weit auseinandergestellt. Bei vertraulichen Besprechungen müsste kurz nach draußen gegangen werden. Doch an diesem ersten Verhandlungstag wird das nicht erforderlich.

Zwei Türen beschädigt

Eine Sachbeschädigung wird im ersten Verhandlungstermin einem Mann aus Bad Lobenstein zur Last gelegt, der am Prozesstag 21 Jahre alt wird. In Saalfeld soll er im vorigen Jahr in einem Mehrfamilienhaus die Haupteingangstür sowie eine Wohnungstür beschädigt haben. In der Sache war ein Strafbefehl ergangen, gegen den der Angeklagte Einspruch eingelegt hatte.

„Ich möchte die Tat zugeben“, sagt der Angeklagte nun, nachdem der Staatsanwalt den Tatvorwurf verlesen hat. Es ist ihm anzumerken, dass er mit dem Vorfall abschließen möchte. Der Verteidiger selbst erklärt seinem Mandanten, dass bei einer Einstellung des Verfahrens die damit verbundene Auflage unterm Strich teurer kommen könnte, als die im Strafbefehl geforderte Zahlung von 450 Euro. Daher wird der Einspruch gegen den Strafbefehl zurückgenommen.

Früher zusammen „gebechert“

Zwei Nachbarn aus Blankenstein, die früher zusammen immer mal einen „gebechert“ hatten, wie sie selbst berichten, sehen sich im Gerichtssaal, weil im August vorigen Jahres mitten in der Nacht einer den anderen verprügelt hatte. „Es stimmt so, wie es vorgetragen wurde“, bestätigt der 48-jährige Angeklagte die vom Staatsanwalt vorgetragene Anklageschrift. Demnach herrschte schon seit längerer Zeit Spannung zwischen den beiden Familien. „Ich bin auch kein Engel“, sagt das 40-jährige Opfer bei seiner Zeugenaussage über sich selbst. Bei dem Angriff habe er sich absichtlich nicht gewehrt, um das Risiko zu vermeiden, selbst auf der Anklagebank sitzen zu müssen. Die Freundschaft gebe es schon lange nicht mehr. „Wir gehen uns heute aus dem Weg“, so der Zeuge. Das Verfahren wird letztlich eingestellt, weil der Angeklagte erst im März vom Amtsgericht Wunsiedel zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden ist. „Ich hatte jemandem gezeigt, wo man in Tschechien Crystal Meth kaufen kann“, beschreibt der Angeklagte den Grund für das Urteil. Weil dieses Urteil eine erheblichere Strafe nach sich gezogen hat, als es bei der Körperverletzung zu erwarten gewesen wäre, folgte die Verfahrenseinstellung. Nicht aber ohne den eindringlichen Hinweis, dass sich der Angeklagte in seiner Bewährungszeit freilich keinen Ausrutscher leisten dürfe.

Renitent gegen Fischereiaufsicht

Mit einer Geldauflage von 500 Euro wird das Strafverfahren gegen einen 69-jährigen Rentner aus Plauen eingestellt. Das Geld soll direkt zwei Mitarbeitern der Staatlichen Fischereiaufsicht zukommen, gegen die der Angeklagte handgreiflich geworden war. Im vergangenen Dezember hatte sich nämlich bei einer Kontrolle am Bleilochstausee gezeigt, dass der Rentner beim Angeln gleich gegen mehrere Vorschriften verstoßen hatte. Demnach waren nicht alle Fische, die vorgefunden worden sind, im Fangbuch eingetragen. Zudem verwendete der Angler verbotenerweise kleine Fische als Lebendköder und hatte bei den vorgefundenen Zanderfilets augenscheinlich die Schonmaße nicht eingehalten. Nicht zuletzt waren die Innereien der filetierten Fische im Wasser gelandet. Bei der beabsichtigten Sicherstellung der filetierten Fische leistete der Rentner körperlichen Widerstand und wurde beleidigend. Abgesehen von der Geldauflage, die bei termingerechter Erfüllung das Vorstrafenregister des 69-Jährigen unbefleckt lässt, läuft gegen den Mann noch ein fischereirechtliches Ordnungswidrigkeitsverfahren.